Lina ist Tierärztin. Sie ist jung und freundlich. Jeden Morgen geht sie in die kleine Praxis. Die Tür klingelt leise. Ein Hund wedelt mit dem Schwanz. Eine Katze schnurrt. Ein Kaninchen mampft Karotte.
Lina lächelt. Sie zieht den weißen Kittel an. Sie nimmt ihr Stethoskop. „Hallo, mein Freund“, sagt sie zu jedem Tier. Ihre Stimme ist weich. Die Tiere fühlen sich sicher.
Heute beginnt ein besonderer Tag. Ein Hund namens Bobo kommt. Bobo hat eine kleine Schramme am Bein. Lina setzt sich auf den Boden. Sie streichelt Bobo. „Das tut nicht mehr weh“, sagt sie. Sie schaut die Wunde an. Sie putzt sie vorsichtig. Dann legt sie ein Pflaster drauf. Bobo wedelt. Lina schreibt alles in einen Ordner. Sie schreibt: Bobo, Schramme, sauber, Pflaster, guter Hund. Der Ordner ist ordentlich. Lina nennt ihn ihr Dossier. Im Dossier merkt sie sich, was jedes Tier braucht.
Eine kleine Katze heißt Miezi. Miezi ist schüchtern. Sie versteckt sich unter dem Stuhl. Lina hockt sich hin. „Komm, Miezi“, flüstert sie. Sie gibt eine Leckerei. Miezi kommt. Lina hört das Herz mit dem Stethoskop. „Puh-puh“, macht der Herzschlag. Lina schreibt in den Dossier: Miezi, gesundes Herz, gerne Leckerei. Miezi schnurrt laut.
Ein Kaninchen mit den Ohren wie Segel springt herein. Es hat zu lange Krallen. Lina nimmt die kleinen Scheren. „Ganz kurz und vorsichtig“, sagt sie. Das Kaninchen sitzt auf ihrem Schoß. Lina schneidet die Krallen. Sie zählt leise: eins, zwei, drei. Dann klopft sie ihm auf den Kopf. „Fertig“, sagt sie. Sie notiert: Hoppel, Krallen geschnitten, fröhlich.
Kinder kommen mit ihren Kuscheltieren. Lina zeigt ihnen Instrumente. „Das ist ein Stethoskop“, erklärt sie. Sie legt es auf ein Kuscheltier. Die Kinder hören ein leises „Puh-puh“. Sie lachen. Lina erklärt: „Wir hören das Herz. Wir schauen die Ohren. Wir geben warme Decken.“ Sie zeigt, wie man sanft hält. Die Kinder lernen, nett zu Tieren zu sein.
Mittags isst Lina ein Stück Brot. Sie denkt an die Tiere. Sie denkt auch an das große Herz, das nötig ist. Sie schreibt weiter in ihr Dossier. Sie schreibt Datum und kleine Notizen. So erinnert sie sich. So helfen alle Tiere besser.
Am Nachmittag kommt ein Vögelchen. Es hat sich verirrt. Lina baut eine kleine Kiste mit Weiche. Sie legt Wasser und Körner hinein. „Du bist sicher“, sagt sie. Das Vögelchen trinkt. Lina lacht leise. Sie schreibt: Vogel, müde, Ruhe.
Der Tag neigt sich dem Ende. Die Sonne scheint warm durch das Fenster. Die Tiere schlafen in ihren Körbchen. Lina schließt das letzte Fenster. Sie legt den Stift auf den Ordner. Sie liest die Notizen noch einmal durch. Jedes Tier hat eine Geschichte im Dossier. Jede Notiz ist wie ein kleines Versprechen.
Lina denkt an den ersten Tag. Sie denkt an das warme Gefühl im Herzen. Sie erinnert sich, warum sie Tierärztin geworden ist. „Ich tue das, weil ich Tiere liebe“, flüstert sie. Sie entscheidet sich: Ich werde mich jeden Tag daran erinnern. Sie legt das Dossier auf den Tisch. Sie lächelt, löscht das Licht und sagt leise: „Gute Nacht, Freunde.“