Erster Vormittag
Lina und Mia sitzen nebeneinander auf dem Teppich. Die Sonne scheint durchs Fenster. Auf dem Tisch liegt ein Tablet mit bunten Bildern. Lina tippt langsam. Mia schaut zu und staunt.
„Schau, Lina, wie schnell Anna spielt“, sagt Mia. „Sie ist so gut.“
Lina fühlt ein Kribbeln im Bauch. Sie mag spielen, aber manchmal ist alles zu schnell. „Ich weiß nicht, wie sie das macht“, murmelt sie.
Mia rutscht näher. „Vielleicht fragst du sie?“
Lina nickt, dann schaut sie aufs Tablet. Die Figur hüpft, springt und sammelt Sterne. Lina will nachmachen, doch ihre Finger bleiben hängen. Sie atmet tief ein.
„Ich… ich brauche Hilfe, um zu verstehen“, sagt Lina leise.
Mia lächelt. „Ich helfe dir!“
Sie lehnen sich beide über das Tablet. Mia zeigt, wo man drücken muss. Lina probiert. Die Figur macht einen kleinen Sprung. „Juhu!“, ruft sie. Beide klatschen. Es fühlt sich gut an, gemeinsam etwas zu schaffen.
Die Uhr an der Wand tickt. Sie merken, dass schon eine ganze Weile vergangen ist. Lina nimmt das Tablet weg und legt es in die Ecke. „Zeit für ein Bildbuch“, sagt sie. Die Mädchen holen ein großes, buntes Buch hervor und lesen zusammen. Sie malen danach ein kleines Bild von der Spielfigur.
Mittags im Kindergarten
Im Kindergarten sitzen die Kinder um einen runden Tisch. Die Erzieherin Frau Meyer zeigt eine Schachtel mit Kärtchen. „Heute machen wir eine Übung zum Teilen von Zeit mit dem Tablet“, erklärt sie.
Auf jedem Kärtchen steht eine Aktivität: Spielen, Malen, Lesen, Rausgehen, Helfen. Die Kinder ziehen reihum Karten. Lina und Mia ziehen zusammen und lachen. „Gemeinsam spielen, dann lesen“, sagt Mia.
Ein Junge am anderen Tisch flüstert: „Ich spiele immer länger. Ich kann nicht aufhören.“ Seine Augen sind groß und ein bisschen müde.
Frau Meyer setzt sich zu ihnen. „Manchmal ist das Spielen so spannend, dass wir die Zeit vergessen. Deshalb überlegen wir, wie wir gut auf uns aufpassen können.“ Sie nimmt ein großes Blatt und einen Stift. „Wir schreiben eine kleine Regel für unsere Gruppe. Wer hilft mit?“
Die Hände schnellen nach oben. Lina hebt ihre kleine Hand ruhig. Sie denkt an das Kribbeln, als sie Anna sah. Sie denkt an den Moment, als sie um Hilfe bat. Mutig sagt sie: „Wenn jemand nicht weiterweiß, sagt er: ‚Ich brauche Hilfe, um zu verstehen.‘ Dann helfen wir freundlich.“
„Das ist eine gute Idee“, lobt Frau Meyer. Sie schreibt es auf das Blatt.
Mia fügt hinzu: „Wir sagen nett ‚Bitte‘ und ‚Danke‘, auch im Spiel.“ Die anderen nicken. Ein Junge sagt: „Und wir machen Pausen. Zehn Minuten spielen, dann fünf Minuten aufstehen.“ Alle lachen fröhlich bei der Rechenaufgabe.
Am Nachmittag zu Hause
Zu Hause zeigt Papa Lina ein Fotoalbum. „Schaut, wie ihr im Park gespielt habt“, sagt er. Lina denkt an die Zeit mit dem Tablet. Sie spürt, dass beides schön ist: drinnen zu spielen und draußen zu rennen.
Mia kommt zu Besuch. „Wollen wir heute draußen Fangen spielen?“ fragt sie. Lina schaut auf das Fenster. Draußen glitzert das Gras. „Ja“, sagt sie. „Aber vorher machen wir eine kleine Vereinbarung.“
Sie setzten sich an den Küchentisch. Mit einem bunten Stift schreiben und malen sie ihre Regeln auf ein Blatt Papier. Lina malt ein kleines Tablet, ein Herz und eine Uhr. Mia malt ein Ball und eine Sonne.
Sie sagen laut unsere Regeln:
- Wir fragen um Hilfe: „Ich brauche Hilfe, um zu verstehen.“
- Wir sagen bitte und danke.
- Wir spielen zehn Minuten am Tablet, dann fünf Minuten Pause.
- Wir machen auch draußen Spiele und malen.
- Wir sind freundlich online.
Papa lächelt. „Das ist eine tolle Vereinbarung. Möchtet ihr sie an den Kühlschrank hängen?“ Lina und Mia nicken stolz.
Ein kleines Missverständnis
Am nächsten Tag zeigt Anna im Park einen neuen Spieltrick auf dem Tablet. Sofort sammeln sich Kinder. Lina möchte auch zeigen, dass sie etwas kann. Sie probiert den Trick, doch die Spielfigur fällt immer wieder in ein Loch. Einige Kinder kichern. Lina spürt, wie ihre Wangen heiß werden.
Mia legt ihre Hand auf Linas Schulter und flüstert: „Atme tief.“ Lina atmet. Dann sagt sie laut: „Ich brauche Hilfe, um zu verstehen.“ Ihre Stimme klingt jetzt stärker.
Anna lächelt und kommt her. „Ich zeig's dir gerne.“ Anna erklärt langsam, zeigt mit einem Finger, und schließlich schafft Lina den Trick. Die Kinder klatschen. „Toll!“, ruft jemand.
Lina fühlt sich groß und erleichtert. „Danke“, sagt sie zu Anna. „Danke, dass du erklärst.“
Anna antwortet: „Gern. Und du hast gut gefragt. So lernen wir alle besser.“
Die Kinder entscheiden, dass sie sich gegenseitig immer so helfen. Sie erinnern sich an die Regeln: Freundlich bleiben, um Hilfe bitten, Pausen machen.
Abend im Kindergartenraum
Am Freitag hängt ein großes Blatt an der Wand im Kindergarten. Darauf stehen die Regeln, die die Kinder mit Frau Meyer zusammen gemacht haben. Lina und Mia stehen davor und lesen laut:
„Unsere Klassen-Charta fürs Tablet und Internet“
Frau Meyer erzählt eine kleine Geschichte vom sicheren Surfen: Wie man niemals persönliche Namen und Adressen teilt, wie man nur mit Erlaubnis Fotos macht, und wie man nett bleibt, auch wenn jemand etwas anderes macht. Die Kinder lernen, dass man freundlich bleiben soll, auch wenn man ärgerlich ist.
Ein Junge fragt: „Und wenn jemand gemein ist?“ Frau Meyer antwortet ruhig: „Dann sagen wir: ‚Halt, das ist nicht nett. Bitte hör auf.‘ Und wir erzählen einer Erwachsenen davon. Wir suchen Hilfe.“
Lina denkt an den Jungen, der immer zu lange spielt. Sie fragt: „Können wir Regeln machen, damit niemand zu müde wird?“ Frau Meyer nickt. „Ja, wir überlegen Zeiten und Pausen.“
Am Ende beschließen sie, ihre Charta gemeinsam zu unterschreiben. Nicht mit Unterschriften wie große Leute, sondern mit einem kleinen Fingerabdruck in Farbe. Jeder drückt seinen Finger auf das Blatt. Bunte Punkte schmücken die Regeln. Die Kinder lachen.
Abschluss und gute Nacht
Zu Hause ziehen Lina und Mia ihre Pyjamas an. Ihre Augen sind nicht müde vom Bildschirm, sondern vom Spielen und vom Lachen. Mama liest eine kleine Geschichte vor dem Schlafengehen. Lina kuschelt sich in die Decke und denkt an den Tag.
„Ich finde es schön, dass wir Regeln haben“, flüstert sie. Mia nickt. „Und dass wir immer fragen können: ‚Ich brauche Hilfe, um zu verstehen.‘“
Lina denkt daran, wie gut es ist, wenn andere helfen und wenn man selber hilft. Sie fühlt sich sicher. Sie weiß jetzt, dass Bildschirme lustig sein können, aber dass es wichtig ist, Pausen zu machen, draußen zu spielen, und nett zu bleiben.
Bevor sie die Augen schließt, sehen sie noch einmal das Blatt mit den Regeln an der Küchenwand. Es sieht freundlich und bunt aus, genau wie sie.
Am nächsten Morgen wissen all die Kinder im Kindergarten, wie sie miteinander umgehen wollen. Sie spielen, lernen, helfen sich und machen Pausen. Manchmal tippen sie gemeinsam ein Spiel, manchmal rennen sie barfuß im Gras. Immer wieder sagen sie freundlich „Bitte“ und „Danke“, und immer wieder hört man: „Ich brauche Hilfe, um zu verstehen.“
Unsere kleine Klassen-Charta fürs digitale Miteinander:
- Ich frage um Hilfe: „Ich brauche Hilfe, um zu verstehen.“
- Ich sage bitte und danke online und offline.
- Ich teile meine Zeit: Spielen, Lesen, Draußen sein.
- Ich mache Pausen nach dem Spielen.
- Ich teile keine persönlichen Informationen.
- Ich mache keine gemeinen Bilder oder Nachrichten.
- Ich erzähle einer Erwachsenen, wenn etwas mich traurig macht.
- Wir helfen uns freundlich und respektvoll.