Morgentau
Lena wacht auf. Die Sonne kitzelt ihr Gesicht. Draußen ist ein kleiner Garten. Es riecht nach Erde und frischem Gras. Lena zieht ihre Söckchen an. Sie läuft barfuß durch den Tau. Die Tropfen kühlen ihre Zehen. „Komm mit“, sagt Mama. Sie gehen zur Gartentür.
Im Garten blühen Blumen. Gelbe, rote, blaue Punkte wie kleine Sonnen. Auf einer Blume sitzt eine Biene. Sie summt leise. Ein Marienkäfer krabbelt über ein Blatt. Lena sieht die kleinen Tiere und lacht. „Hallo Biene“, flüstert sie. Die Biene antwortet nicht mit Worten, aber sie wedelt mit den Flügeln. Lena fühlt sich warm im Bauch.
Fragen und kleine Ideen
Am Tisch sitzen Lena und Mama. „Warum sind da noch Blumen im Garten?“, fragt Lena. „Manche Menschen schneiden alles ab, wenn die Blumen fertig sind“, sagt Mama. „Dann finden die Insekten nichts mehr zum Essen.“
Lena denkt nach. Ihre Stirn runzelt ein bisschen. „Aber Blumen sind so schön“, sagt sie. „Und die Biene mag sie. Was können wir tun?“
Mama lächelt. „Wir können ein kleines Blumenfest für die Insekten machen. Wir lassen ein paar Blumen stehen. Wir pflanzen neue. Und wir stellen ein Wasserchen hin.“ Lena nickt. Das klingt wie ein Spiel.
Sie gehen in den Garten. Lena sammelt Samen in ihrer kleinen Schaufel. Die Erde fühlt sich weich an. Ihre Finger sind braun. „Samen sind wie kleine Versprechen“, sagt Mama. Lena legt die Samen in die Erde. Sie deckt sie zu. „Wachsen, wachsen“, flüstert sie. Die Vögel zwitschern und es fühlt sich wie ein Lied an.
Lena und Mama bauen eine kleine Schale mit Wasser. Sie legen ein paar Steine hinein, damit die Insekten sich ausruhen können. Lena stellt sie neben die Blumen. Die Sonne macht die Wasserfläche blinkend. Eine Biene fliegt vorbei und kostet einen Tropfen. Lena klatscht leise vor Freude.
„Sollen wir ein Schild malen?“, fragt Lena. Sie holt Stifte und Papier. Ihre Linien sind dick und bunt. Sie malt Blumen, eine Biene und einen Marienkäfer. „Hier dürfen die Tiere essen“, schreibt Mama klein daneben. Lena malt ein Herz.
Ein Versprechen und ein Bild
Am Abend sitzen sie im Haus. Lena hängt ihr Bild an die Wand, genau über ihrem Bett. Es leuchtet mit den Farben der Blumen. „Wenn du dein Bild siehst, denkst du an die Insekten“, sagt Mama. Lena fühlt sich stolz wie eine kleine Gärtnerin.
Am nächsten Morgen laufen sie wieder in den Garten. Ein Hummelbaby probiert Nektar. Ein Käfer versteckt sich unter einem Blatt. Lena bleibt ganz still. Sie beobachtet. „Kleine Dinge helfen viel“, sagt Mama. „Wenn viele Menschen ein bisschen tun, wird es besser.“ Lena nickt. Sie versteht ein wenig. Sie sagt: „Ich lasse die Blumen für die Insekten.“ Das ist ihr Versprechen.
Tage vergehen. Die Blumen wachsen. Bienen kommen öfter. Es riecht nach Sommer. Lena gießt vorsichtig jeden Morgen. Manchmal pflanzt sie neue Samen. Manchmal sitzt sie einfach und schaut. Ihre Hände sind manchmal schmutzig, aber ihr Herz ist leicht.
Eines Abends, bevor Lena schlafen geht, macht sie ein neues Bild. Sie malt den Garten, die Schale mit Wasser, die Biene und ihr eigenes kleines Haus. Sie schreibt groß: „Wir lassen Blumen.“ Mama hängt das Bild neben das andere.
Lena liegt im Bett. Das Licht ist warm. Sie hört das Summen von draußen, ganz leis' durch das Fenster. Sie denkt an die kleinen Tiere und an ihr Versprechen. Ihr Atem wird ruhig. Sie lächelt im Schlaf. Draußen stehen die Blumen und schenken den Insekten Nektar. Drinnen hängen die Bilder und erinnern an den guten Plan.
Und so schlafen Lena und der Garten ein, zufrieden und sicher. Morgen wird ein neuer Tag sein. Lena weiß: ein kleiner Schritt, eine Blume, ein Bild – alles zusammen hilft.