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Geschichte eines Außerirdischen 5/6 Jahre Lesen 19 min.

Hardy und das Geheimnis der durstigen Glitzerpflanze

Hardy entdeckt auf der Seepier zwei kleine grüne Wesen mit einer durstigen, glitzernden Pflanze und hilft ihnen mit ihrer Gießkanne, wodurch sich überraschende Freundschaften und ein gemeinsames Abenteuer entwickeln.

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Ein lächelndes, neugieriges 6-jähriges Mädchen mit Sommersprossen, hellbraunen Zöpfen und einer kleinen roten Gießkanne schaut erstaunt auf einen winzigen Lichtpunkt vor ihr; sie beugt sich über eine Topfpflanze mit schimmernden Blättern und feuchter Erde. Daneben steht Milu, ein grünes außerirdisches Kind (5–6 Jahre) mit großen runden Augen und Weste, das stolz eine leuchtende Kugel wie einen Sternentropfen präsentiert, während der kleinere, nervösere Poff mit dünnen Fingern neben dem Topf hüpft und klatscht. Ein freundlicher, rundlicher Hund mit cremefarbenem Fell sitzt vor einer kleinen Holzfanghütte mit angelehnter Tür, aus der bläuliches Licht und leichter Dampf dringen. Szene am Ende eines verwitterten Holzstegs bei goldenem Sonnenuntergang über dem See, die drei gießen gemeinsam die Pflanze: Gießkanne und Kugel geben sichtbare Tropfen, einer dringt in die Erde ein. Stil: feine Tintenlinien, leichte Aquarelltexturen, warme Sonnenuntergangspalette mit blauen und grünen Akzenten, klare, zentrierte Komposition und freundliches, leicht mysteriöses Ambiente. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Anfang: Hardy und die durstige Pflanze

Hardy war sechs Jahre alt und hatte Sommersprossen auf der Nase. Sie mochte Dinge, die wachsen. Und sie mochte Dinge, die blinken. Heute mochte sie beides.

Auf dem Fensterbrett in ihrem Zimmer stand ihre Pflanze. Sie hieß Pünktchen, weil die Blätter kleine helle Punkte hatten. Hardy hielt eine kleine Gießkanne wie einen Schatz.

„Nicht zu viel, nicht zu wenig“, murmelte sie, so wie Mama es immer sagte.

Sie goss langsam. Das Wasser machte ein leises Plopp, plopp im Topf. Die Erde wurde dunkel und roch nach Regen. Hardy beugte sich vor und lächelte.

In diesem Moment blinkte ihr Armband. Es war ein Spielzeug-Armband mit einem runden Knopf. Hardy hatte es auf dem Flohmarkt gefunden. Eigentlich konnte es nur piepen und leuchten. Eigentlich.

Heute machte es: biep-biep-biep. Und dann schwebte ein winziges Lichtpünktchen aus dem Knopf. Es war so klein wie ein Käfer, aber es flog wie eine Glühwürmchen-Kugel.

Hardy blinzelte. „Ähm… Hallo?“

Das Lichtpünktchen tanzte in der Luft und zog einen dünnen, silbrigen Faden hinter sich her. Der Faden zeigte wie ein Weg nach draußen.

Hardy spürte ein Kitzeln im Bauch. Nicht vor Angst. Mehr wie vor einem Geheimnis.

Sie zog ihre Schuhe an, nahm eine kleine Trinkflasche und flüsterte: „Ich gucke nur kurz.“

Draußen war die Luft warm. Hinter dem Haus führte ein Pfad zum See. Dort gab es eine alte, lange Holzpier. Die Bretter knarrten immer ein bisschen, als würden sie Geschichten erzählen.

Das Lichtpünktchen flog dorthin. Hardy folgte.

Als sie auf die Pier trat, knarrte es: knarr-knaarr. Unter ihr gluckste das Wasser. Möwen riefen in der Ferne. Am Ende der Pier stand eine kleine Holzhütte für Angler. Sie hatte eine Tür, die normalerweise zu war.

Heute war die Tür einen Spalt offen.

Hardy blieb stehen. „Huch.“

Aus dem Spalt kam ein Geruch, den sie nicht kannte. Nicht nach Fisch. Nicht nach Holz. Eher nach… frischer Minze und warmem Metall.

Das Lichtpünktchen schlüpfte hinein.

Hardy schluckte. Dann hob sie ihr Kinn. „Okay, Pünktchen braucht Wasser. Vielleicht braucht jemand anderes auch Wasser.“

Sie schob die Tür auf.

Drinnen war es nicht dunkel, sondern sanft blau. Es gab keine Lampe. Die Wände leuchteten wie Mondlicht im Wasser. Und mitten im Raum stand etwas, das nicht hierher gehörte.

Ein rundes, glänzendes Ding, wie eine große Muschel aus Silber. Es hatte ein Fenster. Und kleine Füße, die auf dem Boden standen, als wäre es gerade erst gelandet.

Hardy machte einen Schritt zurück.

Dann hörte sie ein leises Geräusch. So ähnlich wie: „Pling.“

Neben der Muschel bewegte sich etwas. Zwei kleine Gestalten, nicht größer als Hardys Bauch. Sie hatten runde Köpfe, große Augen und Haut in einem zarten Grün, wie ein Apfel im Schatten. Sie trugen winzige Westen mit vielen Taschen.

Hardy hielt die Luft an. Die Gestalten hielten auch die Luft an. Es war, als würden alle zusammen „Eins, zwei, drei“ zählen.

Dann hob einer der Kleinen die Hand. Ganz langsam. Wie beim Grüßen.

Hardy hob auch die Hand.

Der Kleine machte ein fröhliches, dünnes Quieken. Der andere wackelte nervös mit den Fingern und zeigte auf Hardys Gießkanne, die sie gar nicht gemerkt hatte. Sie hatte sie doch nicht mitgenommen… oder?

Hardy sah an sich herunter. Tatsächlich hing die kleine Gießkanne an ihrem Rucksack, als hätte sie sich selbst eingeladen.

Hardy musste kichern. „Du bist frech, Gießkanne.“

Die grünen Wesen starrten sie an. Dann kicherten sie auch. Es klang wie zwei Gläser, die aneinander tippen.

Hardy atmete wieder. Langsam. „Hallo. Ich bin Hardy.“

Sie zeigte auf sich. Dann zeigte sie auf die zwei Wesen.

Der eine tippte auf seine Brust und sagte: „Milu.“

Der andere tippte auf seine Brust und sagte: „Poff.“

„Milu und Poff“, wiederholte Hardy. „Schön.“

Milu zeigte auf den Boden. Dort stand ein Topf. In dem Topf war eine Pflanze. Aber sie sah anders aus als Pünktchen. Sie hatte drei Stängel, die sich wie kleine Schlangen kringelten. Die Blätter glitzerten ein bisschen, als wären sie mit Zucker bestäubt. Und sie hing traurig nach unten.

Poff machte ein trauriges „Ooooh“ und ließ die Schultern hängen.

Hardy verstand sofort. Durstig.

Sie setzte sich neben den Topf. „Oh je. Ihr habt auch eine Pflanze.“

Milu nickte schnell. Dann holte er aus einer Tasche ein kleines Gerät. Es sah aus wie ein Löffel mit einem Auge. Das Gerät blinkte und machte „piep“. Milu hielt es über die Pflanze und schüttelte den Kopf.

Hardy runzelte die Stirn. „Kein Wasser?“

Poff zeigte auf ein kleines rundes Ding an der Wand. Es sah aus wie ein Wasserhahn. Aber es hatte keine Griffe, nur bunte Punkte.

Hardy berührte die Punkte nicht. Sie war schlau genug zu wissen: Unbekannte Punkte sind manchmal Ärger.

Sie stellte ihre Trinkflasche hin. „Ich kann ein bisschen geben. Aber nur ein bisschen. Sonst wird's matschig.“

Milu klatschte leise in die Hände. Poff hüpfte einmal. Dann zeigten beide auf Hardys kleine Gießkanne.

Hardy nahm sie ab. „Okay. Ich zeige euch, wie ich das mache.“

Sie füllte die Gießkanne mit ein wenig Wasser aus ihrer Flasche. Das Wasser gluckste, als wäre es neugierig.

Dann hielt Hardy die Kanne über die Erde. „Guckt. Langsam. So.“

Ein dünner Strahl floss. Plopp, plopp. Die Erde wurde dunkler. Die glitzernden Blätter zitterten ganz leicht, als würden sie aufwachen.

Milu machte große Augen. Poff beugte sich so weit vor, dass seine Nase fast in die Erde stupste. Er zog sie schnell zurück und machte „Hatsch!“ als hätte er Erde eingeatmet. Hardy lachte leise.

„Nicht schnüffeln, Poff.“

Poff sah verwirrt aus, als hätte er das Wort „schnüffeln“ gesammelt wie einen Kiesel.

Die Pflanze richtete sich ein kleines bisschen auf. Nicht viel. Aber genug, um zu zeigen: Danke.

Hardy fühlte Wärme in der Brust. „Gut so.“

Milu zeigte dann auf Hardy und auf Pünktchen, als würde er fragen: „Und deine Pflanze?“

Hardy nickte. „Ja. Ich gieße sie auch. Jeden Tag ein bisschen.“

Milu und Poff schauten sich an. Dann klopfte Milu auf seine Weste und holte eine kleine Kugel hervor. Sie war durchsichtig. Darin schwamm ein Tropfen, der wie ein Stern funkelte.

Milu hielt die Kugel Hardy hin.

Hardy schluckte. „Für mich?“

Milu nickte.

Hardy nahm die Kugel vorsichtig. Sie war warm und leicht, fast wie Seife. Der Tropfen darin drehte sich langsam, als würde er tanzen.

Poff zeigte auf die glitzernde Pflanze. Dann zeigte er auf die Kugel. Dann machte er eine Gieß-Bewegung.

Hardy verstand: Das ist ihr besonderes Wasser. Oder ihr besonderer Tropfen.

„Aber… ist das nicht für eure Pflanze?“

Milu schüttelte den Kopf. Er legte eine Hand auf seinen Bauch und dann auf Hardys. Als würde er sagen: Wir teilen. Zusammen.

Hardy spürte, wie wichtig das war. „Okay. Dann teilen wir.“

Sie stellte die Kugel neben den Topf. „Erst gucken wir, wie ihr gießt. Dann zeig ich euch Pünktchen. Und dann… machen wir zusammen.“

Die beiden Aliens nickten so heftig, dass ihre Westen wackelten.

Mitte: Die fremde Gießmaschine auf der Holzpier

Milu führte Hardy zu dem bunten Punkt-Hahn an der Wand. Er drückte erst einen roten Punkt. Nichts. Dann einen blauen. Es machte „Brrr“. Dann einen gelben. Plötzlich kam ein leiser Nebel heraus, ganz fein, wie Atem im Winter.

Hardy streckte die Hand aus. Der Nebel kitzelte und fühlte sich kühl an.

Poff hielt ein kleines Blatt Papier darunter. Das Papier wurde sofort wellig.

„Das ist Wasser?“ fragte Hardy.

Milu machte ein Geräusch, das wie „Hmmm-jaaa“ klang.

Hardy zog die Augenbrauen hoch. „Das ist aber lustig. Nebelwasser.“

Sie dachte kurz nach. „Für eure Erde ist das vielleicht zu wenig. Erde mag Tropfen.“

Milu verstand nicht jedes Wort, aber er verstand Hardys Hände. Hardy zeigte mit den Fingern Tropfen. Plopp. Plopp. Dann zeigte sie Nebel. Ffff.

Poff nickte plötzlich. Er rannte zu ihrem Topf und machte die Nebelmaschine an. Der Nebel schwebte über die Pflanze. Die Blätter glitzerten. Aber die Erde blieb fast trocken.

Hardy schüttelte den Kopf. „Ihr braucht Tropfen. Oder… einen kleinen See im Topf. Nein, Spaß. Kein See.“

Poff machte große Augen. Hardy kicherte. „Witz.“

Milu holte jetzt ein anderes Gerät aus der Muschel. Es sah aus wie ein kleiner Staubsauger, nur ohne Kabel. Er hielt ihn über den Boden, und das Gerät summte. Aus dem Gerät kam ein runder Tropfen heraus, ganz perfekt, wie eine Murmel aus Wasser. Er fiel in die Gießkanne: plopp!

Hardy staunte. „Du machst Tropfen aus Nebel!“

Milu lächelte. Sein Lächeln war klein, aber sehr stolz.

Hardy klatschte einmal. „Das ist toll!“

Dann gab es einen kleinen Mini-Schreck: Die Holzpier knarrte draußen ganz laut, als würde jemand schwer laufen. Knarr-KRACK!

Alle drei zuckten zusammen.

Hardy lauschte. „Da draußen…“

Poff duckte sich hinter den Topf, als könnte er sich in Erde verstecken. Milu schaltete das blaue Licht an den Wänden noch blasser.

Durch den Türspalt sah Hardy Schatten. Ein langer Schatten, der sich bewegte.

Hardys Herz machte bum-bum. Doch dann hörte sie ein bekanntes Schnaufen.

Es war nur ein Hund. Ein dicker, freundlicher Hund vom Nachbarn. Er lief über die Pier, schnupperte am Geländer und wedelte mit dem Schwanz, als wäre er der Kapitän vom See.

Hardy atmete aus. „Nur Wuschel.“

Milu und Poff guckten vorsichtig. Als sie den Hund sahen, machten sie gleichzeitig „Ooooh!“ und hielten die Hände an die Wangen, als wäre der Hund ein Wunder.

Der Hund setzte sich und guckte zur Hütte. Seine Ohren standen wie zwei kleine Segel.

Hardy flüsterte: „Der bellt nicht. Der ist lieb.“

Poff wackelte vor Freude und zeigte mit beiden Händen auf den Hund. Milu machte ein Foto mit einem kleinen Knips-Gerät, das nur „plip“ sagte.

Hardy musste lachen. „Okay, aber nicht mitnehmen.“

Milu nickte eifrig, als wäre das die wichtigste Regel im ganzen Universum.

Dann arbeitete Hardy mit ihnen zusammen. Milu machte aus Nebel Tropfen. Hardy hielt die Gießkanne ruhig. Poff zählte mit den Fingern: eins, zwei, drei… Bei zehn stoppte Hardy.

„Jetzt warten.“

Sie warteten. Eine ganze Minute. Das ist lang, wenn man sechs ist.

Dann passierte etwas Schönes: Die glitzernde Pflanze hob ihre Stängel. Ganz langsam, wie Arme nach dem Schlaf. Ein Blatt drehte sich zu Hardy, als würde es sie ansehen. Es funkelte im blauen Licht.

Milu machte ein leises, glückliches Summen. Poff klatschte so schnell, dass seine Hände verschwammen.

Hardy strahlte. „Gute Arbeit. Zusammen geht's besser.“

Milu nahm die Stern-Tropfen-Kugel und öffnete sie mit einem Klick. Ein winziger Tropfen flog heraus, nicht fallend, sondern schwebend. Er schwebte über die Pflanze und sank dann in die Erde. Die Erde leuchtete kurz, warm und gold.

Hardy hielt den Atem an. Es war nicht laut und nicht gruselig. Es war wie ein Gute-Nacht-Licht.

Die Pflanze stand nun richtig gerade.

Poff verbeugte sich vor Hardy, als wäre sie eine Königin der Gießkannen. Hardy wurde ein bisschen rot.

„Ich bin nur Hardy“, sagte sie. „Und das ist nur Wasser.“

Milu schüttelte den Kopf. Dann zeigte er auf Hardy, dann auf sich und Poff, dann machte er eine Kreisbewegung. Zusammen. Kreis. Team.

Hardy nickte. „Team.“

Sie dachte an Pünktchen zu Hause. „Jetzt will ich euch meine Pflanze zeigen. Damit ihr sie auch seht. Und damit ihr seht, wie sie guckt, wenn sie Wasser bekommt.“

Milu und Poff hüpften. Dann holte Milu aus der Muschel eine kleine flache Platte. Er drückte darauf, und auf der Platte erschien ein Bild, als wäre es ein Fenster.

Hardy sah ihr Zimmer. Sie sah Pünktchen auf dem Fensterbrett. Sie sah sogar ihren Teddy auf dem Bett.

Hardy staunte. „Das ist ja wie ein Fern-Fenster!“

Milu stellte die Platte auf einen Stuhl. Poff brachte Hardys Gießkanne in Position, als wäre das eine wichtige Maschine. Hardy lachte. „Okay, okay.“

Hardy nahm ihre normale Gießkanne nicht, sondern zeigte mit der Hand. „Ich gieße so.“

Milu drückte etwas. Ein kleines Röhrchen aus dem Gerät erschien, und es ließ ein paar echte Tropfen in einen kleinen Becher ploppen. Hardy hielt den Becher, als wäre er ein Ei.

„Und jetzt zu Pünktchen“, sagte Hardy.

Milu schob an einem Rad. Die Tropfen verschwanden im Gerät. Auf der Platte sah Hardy, wie in ihrem Zimmer, ganz kurz, ein kleines Licht über Pünktchen schwebte. Plopp, plopp, plopp. Pünktchen bekam Wasser!

Hardy riss die Augen auf. „Das habt ihr… zu ihr geschickt?“

Poff nickte stolz und machte eine Pose, als wäre er ein Superheld.

Hardy kicherte. „Poff, du bist eine Gieß-Rakete.“

Poff verstand das Wort nicht, aber er verstand den Ton. Er kicherte auch.

Draußen auf der Pier bellte Wuschel einmal. Nicht böse. Eher so: Hallo, seid ihr noch da?

Hardy winkte ihm durch den Türspalt zu. „Alles gut.“

Dann hörte sie aus der Ferne eine Stimme. Mamas Stimme, ganz klein, getragen vom Wind.

„Hardy? Wo bist du?“

Hardy zuckte zusammen. „Oh! Ich muss zurück.“

Milu und Poff wurden still. Ihre Augen wurden groß, aber nicht traurig. Mehr ernst, als würden sie einen wichtigen Moment spüren.

Hardy legte die Hand auf ihre Brust. „Ich komme wieder. Vielleicht. Wenn… wenn das Armband wieder biep macht.“

Milu nickte langsam. Er holte etwas Kleines aus seiner Tasche. Es war ein Aufkleber, rund, mit einem Bild von drei Tropfen, die sich an den Händen hielten. Hardy fand das lustig. Tropfen mit Händen.

Er klebte ihn auf Hardys Armband.

„Team“, sagte Milu leise.

Hardy schluckte und lächelte. „Team.“

Ende: Abschied, ein kleines Geheimnis, und eine geschlossene Tür

Hardy machte sich bereit zu gehen. Sie nahm ihre Trinkflasche. Die kleine Gießkanne hängte sich wieder an ihren Rucksack, als hätte sie jetzt neue Freunde.

Poff lief zur Tür und schaute hinaus. Dann zeigte er Hardy: Der Hund saß immer noch da und bewachte die Pier, als wäre er ein weicher Wächter.

Milu stellte die Fern-Fenster-Platte aus. Das blaue Licht in der Hütte wurde wieder normal, wie Tageslicht. Die Muschel summte leise, als würde sie schnurren.

Hardy ging zur Tür. Dann drehte sie sich noch einmal um.

Die glitzernde Pflanze stand stolz und frisch. Ein Blatt wackelte. Vielleicht war es nur der Luftzug. Vielleicht war es ein Winken.

Hardy winkte zurück.

Milu und Poff winkten auch, beide Hände, schnell und fröhlich.

Hardy trat hinaus auf die Holzpier. Knarr, knarr. Die Sonne spiegelte sich auf dem Wasser. Wuschel kam zu ihr, schnupperte an ihrem Rucksack und nieste. Hardy prustete los. „Kitzelig, Wuschel!“

Sie ging den Steg entlang, schneller jetzt. Hinter ihr hörte sie ein leises „Pling“, als würde sich ein Schloss schließen.

Als Hardy am Ufer ankam, stand Mama dort, die Hände in die Hüften gestützt, aber die Augen weich.

„Da bist du ja“, sagte Mama. „Ich hab dich gerufen.“

Hardy nickte brav. „Ich war… am See. Auf der Pier. Ich hab nachgedacht.“

Mama seufzte, aber sie lächelte. „Nächstes Mal sagst du Bescheid, ja?“

„Ja“, sagte Hardy.

Sie drehte sich noch einmal um. Die Holzpier lag ruhig da. Die Hütte am Ende sah ganz normal aus. Alt und braun und still.

Hardy ging zurück, ganz leise. Nur ein bisschen. Bis zum Anfang der Pier. Wuschel tappte neben ihr her.

Sie schaute zur Hütte. Nichts blinkte. Kein blaues Licht. Kein Nebel. Kein Pling.

Hardy ging ein paar Schritte auf die Pier. Knarr. Knarr.

Sie kam näher. Sie sah die Tür.

Die Tür war geschlossen.

Hardy legte die Hand auf das Holz. Es fühlte sich warm an, als hätte die Sonne es geküsst. Oder als wäre drinnen noch ein kleines Geheimnis.

Hardy flüsterte: „Danke, Milu. Danke, Poff. Gute Nacht, Glitzerpflanze.“

Wuschel setzte sich neben sie und seufzte, als würde er auch zuhören.

Hardy schaute auf ihr Armband. Der Aufkleber mit den Tropfen glitzerte ein wenig im Licht. Drei Tropfen, die sich an den Händen hielten. Team.

Hardy spürte wieder diese Wärme in der Brust. Sie war mutig gewesen. Sie hatte geholfen. Und sie war nicht allein gewesen. Zusammenarbeit hatte alles leichter gemacht, sogar mit Wesen von weit weg.

„Komm, Wuschel“, sagte Hardy. „Wir gehen Pünktchen anschauen.“

Zu Hause rannte Hardy ins Zimmer. Pünktchen stand frisch und glücklich da, die Blätter höher als vorher. Hardy staunte. „Du hast's wirklich bekommen.“

Sie nahm ihre echte Gießkanne, gab Pünktchen noch einen kleinen Schluck und nickte ernst. „Ein bisschen für dich. Ein bisschen für andere. Genau richtig.“

Am Abend, als Hardy im Bett lag, hörte sie draußen den Wind. Er klang fast wie ein fernes Summen.

Hardy dachte an die Holzpier, an das blaue Licht, an die kleinen Hände von Milu und Poff, die so schnell gewinkt hatten.

Sie schloss die Augen und flüsterte: „Team.“

Und irgendwo, ganz weit oder vielleicht gar nicht so weit, stand eine glitzernde Pflanze aufrecht.

Am nächsten Morgen ging Hardy mit Mama spazieren. Sie kamen wieder zum See. Die Holzpier knarrte leise in der Sonne.

Hardy schaute zur Hütte.

Die Tür blieb geschlossen.

Hardy lächelte trotzdem. Denn eine geschlossene Tür konnte auch bedeuten: Das Abenteuer ist sicher verstaut. Und wartet. Geduldig. Wie eine Pflanze, die gleich Wasser bekommt.

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Sommersprossen
Kleine braune Punkte auf der Haut, oft im Gesicht, besonders bei Kindern im Sommer.
Fensterbrett
Das flache Holz oder Stein unter einem Fenster, dort stellt man oft Pflanzen hin.
Gießkanne
Ein Behälter mit einer Tülle, mit dem man Pflanzen Wasser gibt.
Knarrte
Wenn Holz oder eine Tür laut und langsam quietscht, oft alt und beweglich.
Pier
Ein langer Steg aus Holz oder Stein, der ins Wasser hinausführt.
Nebel
Feine Wassertröpfchen in der Luft, die alles ein bisschen verschwommen machen.
Glühwürmchen-Kugel
Ein kleines leuchtendes Licht, das an ein Glühwürmchen erinnert und kugelrund ist.
Muschel
Ein hartes, meist rundes oder ovales Gehäuse von Meerestieren oder ein glänzendes Objekt.
Fern-Fenster-Platte
Eine flache Platte, die wie ein Fenster auf etwas Zeigt, auch weit entfernte Bilder zeigt.
Aufkleber
Ein Bild mit Rückseite, das man auf Sachen klebt, um sie zu schmücken oder zu markieren.

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