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Geschichte des Erfinders 7/8 Jahre Lesen 19 min.

Frau Linde und das imaginäre U-Boot der Ideen

Frau Linde und der Junge Tom bauen in einer Deckenhöhle ein imaginäres U-Boot und erleben dabei, wie Basteln, Tests und kleine Erfindungen Mut, Sicherheit und helle Ideen bringen.

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Eine lächelnde, konzentrierte Erfinderin mit grauen Haaren zu einem unordentlichen Dutt gebunden und runden Brillen tief auf der Nase, in einer gepunkteten Baumwolljacke und einem farbfleckigen Schürze, hält in einer Hand einen kleinen leuchtend grünen Knopf und in der anderen ein phosphoreszierendes Band, sie sitzt in einer Hütte aus einer blauen Decke; neben ihr hockt ein siebenjähriger Junge mit kurz geschnittenem kastanienbraunem Haar, großen staunenden Augen und gestreiftem Pullover, er betrachtet das Band und hält ein Skizzenbuch auf dem Schoß; im Hintergrund, durch ein rundes „Fenster“ in der Decke, erscheint ein großer freundlicher Meeresfreund — ein stilisierter Tiefseeriese/Wal mit glatter mitternachtsblauer Haut, sanft leuchtenden Augen und leichtem Lächeln, schützend schwebend; der Ort ist eine gemütlich-chaotische Werkstatt mit Holzregalen voller Gläser, Stoffstreifen, Werkzeugen und hängenden Lampen, in deren Mitte ein Holz­tisch und zwei Stühle von der Decke zu einer Zelt‑/U‑Boot‑Höhle bedeckt werden; die Szene zeigt den zarten, abenteuerlichen Moment, in dem sie ein mini‑phosphoreszierendes Fenster testen und den „Mutknopf“ drücken: gedämpftes blaues Licht, kleine Aluminiumsreflexe, warme sichere Atmosphäre, Staunen beim Jungen und schelmische Gelassenheit bei der Frau. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Frau Linde und das Zimmer voller Ideen

Frau Linde wohnte in einem kleinen Haus am Rand der Stadt. Von außen wirkte sie ruhig wie ein stiller See. Sie ging langsam, lächelte freundlich und sprach leise. Doch in ihrem Kopf sprangen die Gedanken wie Flöhe auf einem Trampolin: zack, zack, zack!

Ihr Arbeitszimmer war ihr Lieblingsort. Dort standen Regale mit Schrauben in Gläsern, Papierrollen, kleine Motoren, Stoffreste, Federn und bunte Kabel. Auf dem Tisch lagen Skizzen: Kreise, Pfeile, Notizen und manchmal auch Kekskrümel. Denn Frau Linde dachte am besten, wenn sie knusperte.

Heute kniff sie die Augen zusammen und hielt einen kleinen Löffel aus Holz hoch. „Zu klein“, murmelte sie und stellte ihn wieder ab. Dann nahm sie eine Taschenlampe. „Zu grell.“ Sie schaltete sie aus.

Inventorin zu sein bedeutete für Frau Linde: Fragen stellen, Dinge ausprobieren, und nicht traurig sein, wenn etwas nicht sofort klappt. Manchmal ging etwas schief. Einmal hatte sie einen Regenschirm gebaut, der auch bei Sonne aufging, weil er sich über warme Luft freute. Das war nicht gefährlich, nur überraschend. Der Schirm sprang immer genau dann auf, wenn Frau Linde gerade ihre Einkäufe trug. Danach hatte sie gelacht und gesagt: „Gut, das testen wir später nochmal – aber diesmal mit einem Schalter.“

Auf einem Stuhl saß ihr Nachbarjunge Tom, sieben Jahre alt, mit großen Augen und einem Notizblock. Frau Linde hatte ihm erlaubt, leise zuzuschauen. Er mochte es, wenn Dinge klickten, drehten oder surrten.

Frau Linde zeigte auf ein großes Blatt Papier. Darauf war ein rundes Fahrzeug gezeichnet, wie ein Fisch mit Fenstern. „Das ist mein neues Projekt“, sagte sie.

Tom flüsterte: „Ein… U-Boot?“

„Ein imaginäres U-Boot“, erklärte Frau Linde. „Nicht aus echtem Stahl für das echte Meer. Eher wie ein Traum, den man betreten kann. Es hilft uns, die Tiefsee zu erkunden, ohne nass zu werden.“

Tom kicherte. „Ohne nass zu werden ist gut.“

Frau Linde nickte. „Und dabei lernen wir, wie Erfinden geht. Erst kommt die Idee. Dann kommt der Plan. Dann baut man ein Modell. Dann testet man. Und wenn etwas nicht klappt, ist das kein Ende. Das ist nur… ein Hinweis.“

Tom schrieb „Hinweis“ auf, sehr langsam, weil er das Wort schön fand.

Frau Linde rollte ein Stück Papier zusammen und hielt es wie ein Fernrohr. „Ich habe heute drei Dinge vor: Ein Fenster, das im Dunkeln leuchtet. Eine leise Maschine, die nicht brummt wie ein müder Bär. Und einen Knopf, der Mut macht.“

„Ein Mut-Knopf?“ Tom riss die Augen auf.

„Ja“, sagte Frau Linde. „Weil man beim Erfinden manchmal denkt: Was, wenn es nicht klappt? Dann braucht man Mut, um trotzdem zu drücken.“

Sie öffnete eine Schublade und holte ein kleines Kästchen heraus. Oben war ein runder, grüner Knopf. Daneben klebte ein Zettel: „DRÜCK MICH, WENN DU DICH NICHT TRAUST.“

Tom schluckte, dann grinste er. Er drückte. Das Kästchen spielte einen winzigen Ton, wie ein fröhliches „Pling!“. Und eine Stimme aus dem Inneren sagte ganz freundlich: „Du kannst das. Schritt für Schritt.“

Tom lachte. „Das ist ja wie eine gute Nacht in einer Dose!“

Frau Linde lächelte so warm, dass es im Zimmer irgendwie heller wurde. „Genau. Und jetzt“, sagte sie und klopfte auf die U-Boot-Zeichnung, „testen wir unsere Idee. Später werden wir die leuchtenden Fenster wirklich bauen. Heute reisen wir erst einmal im Kopf. Das ist der sicherste Probelauf.

Sie zog eine blaue Decke aus dem Schrank, breitete sie über zwei Stühle und ihren Tisch. Darunter entstand eine Höhle. Sie stellte eine runde Lampe hinein, die sanft blau glimmte. „Willkommen an Bord“, flüsterte sie.

Tom kroch hinein. Frau Linde folgte. In der Deckenhöhle roch es nach Papier, Holz und einem Hauch Vanillekeksen. Frau Linde setzte sich gerade hin, als würde sie wirklich steuern. Außen ruhig. Innen: Feuerwerk.

„Bereit für die Tiefsee?“ fragte sie leise.

Tom nickte, als wäre er Kapitän.

Kapitel 2: Der Start des imaginären U-Boots

Frau Linde tippte auf eine alte Küchenuhr, die sie umgebaut hatte. Jetzt machte sie kein „Tick-Tack“, sondern ein beruhigendes „Schuu-schuu“, wie Wellen an einem Strand. „Das ist unser Geräusch-Motor“, erklärte sie. „Er erinnert uns daran, langsam zu bleiben.“

Tom hielt den Atem an, als das „Schuu-schuu“ begann. Es war, als würde das U-Boot wirklich losgleiten.

Frau Linde nahm ein Notizbuch und einen Bleistift. „Jede gute Inventorin schreibt auf, was sie beobachtet“, sagte sie. „Sonst vergisst man die Hälfte, und die andere Hälfte wird zu einem Knoten im Kopf.“

Sie zeigte Tom drei Zeichnungen: ein runder Körper, Fenster, ein Propeller. Daneben stand: 1. Licht, 2. Geräusch, 3. Sicherheit.

„Sicherheit ist wichtig“, erklärte Frau Linde. „Auch in Fantasie-Abenteuern. Wenn man etwas baut, muss man überlegen: Kann sich jemand stoßen? Kann etwas zu heiß werden? Kann etwas kaputtgehen? Und wenn ja, wie machen wir es besser?“

Tom starrte auf die Zeichnung, als wäre sie eine Schatzkarte. „Und was ist mit dem leuchtenden Fenster?“

Frau Linde kramte in ihrer Tasche und holte einen kleinen Streifen heraus, der tagsüber weiß aussah. „Das ist Leuchtfarbe. Die kann Licht speichern. Wenn es dann dunkel wird, leuchtet sie ein bisschen, wie ein Glühwürmchen. Für echte U-Boote braucht man natürlich starke Lampen. Aber für unser Schlaf-Abenteuer reicht Glühwürmchen-Mut.“

Tom hielt den Streifen unter die Lampe. Dann deckte Frau Linde ihn kurz mit ihrer Hand ab. Als sie die Hand wegnahm, glimmte der Streifen sanft.

„Woooah“, hauchte Tom.

Frau Linde schrieb: „Leuchtfenster: testen, wie lange es leuchtet. Später mehr Streifen besorgen.“ Dann setzte sie ein Sternchen dahinter. „Sternchen bedeutet: gute Idee, aber noch nicht fertig.“

Das U-Boot, also die Deckenhöhle, wurde „tiefer“. Frau Linde machte das Licht etwas dunkler. „In der Tiefsee ist es sehr dunkel“, sagte sie. „Und trotzdem leben dort viele Tiere. Manche haben Laternen am Kopf. Andere blinken. Sie erfinden sozusagen ihr eigenes Licht.“

Tom flüsterte: „Wie kleine Erfinder-Fische.“

„Genau“, sagte Frau Linde. „Die Natur ist voller Lösungen. Inventorinnen schauen genau hin und lernen daraus.“

Sie nahm ein Stück Alufolie und knickte es zu einer Schale. „Wenn wir Licht besser verteilen wollen, können wir es reflektieren. Das heißt: zurückwerfen. So wird es weicher und blendet nicht.“

Tom hielt die Aluschale neben die Lampe. Das blaue Licht wurde sanfter, wie ein Abendhimmel.

„Aha“, sagte Tom wichtig.

Frau Linde grinste. „Und noch etwas: Ein guter Erfinder-Plan hat mehrere Schritte. Erst: Idee. Dann: Material sammeln. Dann: bauen. Dann: testen. Und ganz wichtig: verbessern.“

„Verbessern ist wie… nochmal Hausaufgaben, nur cooler“, meinte Tom.

„Ja“, sagte Frau Linde. „Und manchmal wird aus einem Fehler eine neue Idee. Stell dir vor, ein Rad wackelt. Dann merkst du: Oh, ich brauche eine bessere Achse. Und plötzlich erfindest du eine Achse, die sogar leiser ist.“

Sie machte ein kleines „Brrr“-Geräusch. „Früher brummten meine Modelle oft. Einmal so laut, dass meine Teetasse vor Schreck fast umgekippt wäre.“

Tom prustete. „Eine erschrockene Teetasse!“

Frau Linde legte den Finger an die Lippen, nicht streng, eher spielerisch. „Pssst. Tiefsee-Tiere schlafen vielleicht.“

Sie beugte sich vor und zeigte auf den „Mut-Knopf“, den sie mit in die Höhle genommen hatte. „Wenn wir gleich eine ganz neue Idee testen, und du denkst: Das ist zu groß oder zu komisch, dann drücken wir.“

Tom nickte sehr ernst. „Abgemacht.“

Kapitel 3: Die Abyss-Werkstatt und der freundliche Tiefseeriese

In Frau Lindes Fantasie öffnete sich vor dem U-Boot ein großes, dunkles Fenster. Draußen schwebten weiße Punkte wie Staub im Licht, nur langsamer, wie Schneeflocken unter Wasser. Es fühlte sich still an, aber nicht einsam.

„Das hier ist die Abyss-Zone“, flüsterte Frau Linde. „Ganz tief. Da unten ist der Druck stark. Echte U-Boote brauchen dicke Wände. Unser imaginäres U-Boot hat dafür… besonders starke Gedanken.“

Tom kicherte leise, dann hielt er sich die Hand vor den Mund, damit es nicht zu laut wurde.

Plötzlich tauchte im Dunkel eine große Form auf. Sie war riesig, aber sie bewegte sich langsam, wie ein gemütlicher Bus. Zwei Augen leuchteten mild, und an der Seite schimmerte etwas wie ein Lächeln.

Tom rutschte näher zu Frau Linde. „Ist das… gefährlich?“

Frau Linde schüttelte sofort den Kopf. „Nein. Schau mal, wie langsam und freundlich es ist. In unserer Geschichte ist es ein Tiefseeriese, der gern hilft.“

Der Tiefseeriese, ein Wal, öffnete sein Maul ein kleines bisschen, und heraus kam kein Brüllen, sondern ein ruhiges „Wummm“, das sich anfühlte wie ein warmes Kissen.

Tom entspannte sich. „Er klingt wie… ein riesiger Kontrabass.“

„Sehr gutes Bild“, sagte Frau Linde. „Vielleicht können wir von ihm lernen, wie man leise Kraft baut.“

In der Fantasie schwamm das U-Boot neben dem Wal her. Frau Linde nahm ihren Bleistift und tat so, als würde sie durch ein echtes Fenster schauen. „Siehst du die Haut? Sie ist glatt. Wenn etwas glatt ist, gleitet es besser durchs Wasser. Das ist wichtig für U-Boote und auch für… Schlitten.“

Tom flüsterte: „Oder für eine Seifenkiste!“

„Genau“, sagte Frau Linde und schrieb: „Form: glatt, rund, weniger Widerstand. Dann: „Idee später testen: Modell aus Ton oder Knete machen.“

Der Wal drehte eine kleine Runde und zeigte ihnen etwas am Meeresboden. Es sah aus wie ein Garten aus weichen, leuchtenden Pflanzen. Es waren Korallen und kleine Tiere, die blinkten.

„Die blinken, um miteinander zu reden“, erklärte Frau Linde. „Wie Lampen-Sprache. Man könnte das nachmachen: ein Signal, das freundlich sagt: Ich bin hier. Oder: Alles okay.“

Tom überlegte. „Wie ein Nachtlicht, das sagt: Du bist nicht allein.“

Frau Linde nickte. „Ja. Und auch: Bitte nicht stolpern. Das ist praktisch.“

Sie holte einen kleinen Beutel mit bunten Papierpunkten heraus und klebte einen Punkt an die Innenseite der Deckenhöhle. „Stell dir vor, das ist ein Blink-Punkt. Später kann ich daraus eine echte kleine Lampe bauen, die nur ganz sanft pulsiert.“

Tom sah zu, wie der Punkt im Licht der blauen Lampe fast zu leben schien. „Das wäre schön im Flur“, sagte er. „Dann findet man nachts die Toilette.“

Frau Linde musste leise lachen. „Sehr erfinderischer Gedanke. Erfinden löst oft genau solche Alltagsfragen.“

Der Wal schob plötzlich etwas in ihre Richtung: ein „Schatz“. Es war eine alte, verbeulte Teekanne, die wohl vom Schiff gefallen war. Sie war nicht gefährlich, nur ein bisschen schief.

Tom staunte. „Eine Tiefsee-Teekanne!“

Frau Linde tat so, als würde sie sie mit einer Greifhand ins U-Boot holen. „Schau dir das an. Die Kanne ist verbogen, aber sie ist nicht nutzlos. Inventorinnen sehen nicht nur, was kaputt ist. Sie sehen, was man daraus machen kann.“

Sie drehte die Kanne in den Händen. „Wenn ich hier ein Loch mache und dort eine kleine Kurbel einbaue… könnte es ein Windspiel werden. Oder ein Gießkanne für Pflanzen.“

Tom grinste. „Oder ein Helm für eine Katze.“

„Das wäre eine sehr geduldige Katze“, sagte Frau Linde trocken, und Tom musste fast wieder zu laut lachen.

Frau Linde schrieb: „Upcycling: aus alten Sachen neue machen. Test später: Teekanne reinigen, Ideen sammeln.“ Dann setzte sie wieder ein Sternchen.

Plötzlich flackerte das blaue Licht in der Höhle kurz. Es war nur die Batterie, die wackelte. Tom zuckte zusammen.

Frau Linde legte sofort ihre Hand auf seinen Arm. „Alles gut. Nur ein Wackler. Das passiert beim Testen. Wir machen es gleich besser.“

Sie öffnete vorsichtig das Batteriefach, drückte die Batterie fest hinein und klemmte ein kleines Stück Papier dazu, damit sie nicht mehr rutschte. Das Licht brannte wieder ruhig.

„Siehst du?“ sagte Frau Linde. „Kein Grund zur Angst. Nur ein Hinweis. Und jetzt haben wir gelernt: Kontakte müssen fest sein.“

Tom atmete aus. „Das war schnell gelöst.“

„So soll es sein“, sagte Frau Linde. „Beim Erfinden passt man auf. Und wenn etwas nicht stimmt, stoppt man, schaut nach und macht es sicher.“

Dann zeigte Frau Linde auf den Mut-Knopf. „Und wenn du willst, drücken wir ihn, nur so.“

Tom drückte. „Pling!“ Und die Dose sagte: „Du kannst das. Schritt für Schritt.“

Der Wal schien das „Pling“ zu mögen. Er machte ein freundliches „Wummm“, und in Frau Lindes Fantasie klang es wie Applaus, ganz tief und gemütlich.

Kapitel 4: Zurück an Land – und eine Idee zum Teilen

Langsam „stieg“ das imaginäre U-Boot wieder nach oben. Frau Linde machte das Licht heller, und das „Schuu-schuu“ der Uhr klang wie eine Heimfahrt. Die Deckenhöhle fühlte sich jetzt an wie ein warmes Nest.

Als sie herauskrochen, war das echte Zimmer still und freundlich. Die Nacht draußen war dunkel, aber im Arbeitszimmer brannte eine kleine Lampe, weich wie Honig.

Tom streckte sich. „Das war das beste U-Boot ohne Wasser, das ich kenne.“

Frau Linde setzte sich an den Tisch und ordnete ihre Notizen. „Wir haben heute viel gelernt über Erfinden. Welche Schritte waren das nochmal?“

Tom zählte an den Fingern ab. „Idee. Plan. Material. Bauen. Testen. Verbessern.“

„Sehr gut“, sagte Frau Linde. „Und noch etwas: Mut. Und Ruhe. Beides zusammen.“

Tom schaute sie an. „Du bist so ruhig. Aber ich glaube, in dir drin ist ein ganzer Ideen-Zirkus.“

Frau Linde lachte leise. „Das stimmt. Außen bin ich wie eine Schnecke. Innen wie ein Feuerwerk. Das hilft mir, nicht durcheinander zu kommen. Ideen sind wie Seifenblasen: schön, aber man muss sie vorsichtig sammeln, sonst platzen sie.“

Sie nahm den leuchtenden Streifen und klebte ihn an ein Stück durchsichtiges Plastik. „Das ist unser erstes Mini-Fenster. Es ist noch klein. Später testen wir, ob zwei Schichten länger leuchten. Und wir testen, ob es auch nach vielen Tagen noch gut funktioniert.“

Tom betrachtete das kleine Fenster. „Und was machst du dann damit?“

Frau Linde dachte kurz nach. Dann bekam ihr Blick dieses besondere Funkeln, das Tom schon kannte: Da war wieder eine neue Idee unterwegs.

„Ich möchte etwas bauen, das anderen hilft“, sagte sie. „Ein kleines Nachtlicht für Kinder, die sich im Dunkeln unwohl fühlen. Nicht grell, nicht laut. Nur ein sanftes Leuchten, das sagt: Alles ist okay. Und vielleicht ein Knopf, der einen freundlichen Satz spricht. So wie unser Mut-Knopf.“

Tom nickte langsam. „Das wäre toll. Aber… darf man einfach so Sachen erfinden?“

„Man darf“, sagte Frau Linde. „Und man soll auch. Aber man muss fair sein. Wenn man etwas erfindet, sollte man es testen, sicher machen und dann… teilen. Man kann erklären, wie es funktioniert. Oder man baut es für jemanden. Oder man zeigt es in der Schule.“

Tom stellte sich vor, wie seine Klasse ein blinkendes, sanftes Flurlicht hatte. Er sah, wie niemand mehr über Taschen stolperte. Und wie alle lachten, weil der Mut-Knopf „Pling“ machte.

Frau Linde legte ihre Hand auf die Notizen. „Ich verspreche mir heute: Ich teste diese Ideen später richtig. Ich mache ein kleines Modell. Dann frage ich andere, was sie brauchen. Und ich verbessere es, bis es wirklich gut ist.“

Tom fragte leise: „Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt?“

Frau Linde schüttelte den Kopf, als wäre die Antwort ein weiches Kissen. „Dann klappe ich es nicht weg. Dann klappe ich es auf. Ich schaue, was ich lernen kann. Erfinderinnen dürfen sich irren. Wichtig ist nur, dass sie dranbleiben.“

Sie stand auf und holte eine kleine Schachtel. Darin lagen drei winzige, selbstgemachte Dinge: ein Klammer-Haken, der an jedem Tisch hielt, ein Löffel mit einem dickeren Griff für Menschen mit schwachen Händen, und ein kleines Heftchen mit Bildern, wie man Fahrradketten sauber hält.

„Manchmal“, sagte Frau Linde, „ist eine Erfindung nicht groß und laut. Manchmal ist sie klein und freundlich. Und wenn man sie teilt, wird sie größer im Herzen.“

Tom sah die Dinge an und spürte etwas Warmes in der Brust, wie Kakao von innen.

Frau Linde gab ihm das kleine Mini-Fenster aus Leuchtstreifen. „Hier. Für dich. Es ist noch ein Teststück. Du kannst beobachten, wie lange es leuchtet. Und morgen sagst du mir, was du gemerkt hast.“

Tom nahm es vorsichtig, als wäre es ein Stück Stern. „Ich passe drauf auf.“

„Das ist Forscherarbeit“, sagte Frau Linde. „Du bist jetzt mein Test-Kapitän.“

Tom ging später nach Hause, das Mini-Fenster in der Tasche. In seinem Zimmer klebte er es neben sein Bett. Es leuchtete ganz schwach, aber genug, um sich sicher zu fühlen.

Zur gleichen Zeit saß Frau Linde wieder an ihrem Tisch. Sie schrieb oben auf ein neues Blatt: „Sanftes Nachtlicht – Teilen macht Freude.“ Dann malte sie einen kleinen Wal daneben, der aussah, als würde er lächeln.

Draußen schlief die Stadt. Drinnen summte kein lauter Motor, nur die ruhige Luft. Frau Linde dachte an ihre nächste Probe, an Schrauben, an Leuchtstreifen und an Mut.

Und sie dachte: Wenn ich etwas erfinde und es teile, dann teile ich nicht nur ein Ding. Ich teile ein bisschen Licht. Und Licht ist wie Freude – es wird nicht weniger, wenn man es weitergibt. Es wird mehr.

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Inventorin
Eine Frau, die neue Dinge erfindet und ausprobiert.
Probelauf
Ein erster Test, um zu sehen, ob etwas funktioniert.
Leuchtfarbe
Farbe, die Licht speichert und später leuchtet.
Reflektieren
Licht zurückwerfen, damit es weniger blendet.
Widerstand
Etwas, das Bewegung oder Strom langsamer macht.
Upcycling
Aus alten Sachen neue, nützliche Dinge machen.
Kontakte
Stellen, wo elektrische Teile sich berühren und Strom fließt.
Batteriefach
Der Platz in einem Gerät, wo die Batterie sitzt.
Abyss-Zone
Ein sehr tiefer, dunkler Bereich im Meer (in der Geschichte).
Tiefseeriese
Ein großes, freundliches Meereswesen, sehr langsam und sanft.

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