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Philosophisches Märchen 7/8 Jahre Lesen 20 min.

Fenn, der Fuchs, und die süßen Worte im Wald

Der schlaue Fuchs Fenn lernt im Wald, Schmeichelei zu erkennen und anderen zu helfen, zwischen ehrlichem Lob und hinterhältigen Worten zu unterscheiden. Auf seinen Begegnungen mit Elster, Krähe, Pfau und anderen Tieren übt er Freundlichkeit und Selbstschutz zugleich.

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Hauptfigur: ein kleiner rotbrauner Fuchs (anthropomorph) mit glänzendem Fell, sanften, schelmischen Augen und ruhigem Lächeln, sitzt auf den Hinterbeinen und hält eine kleine Birkenrinden-Tasche mit silbernem Knopf; Nebenfigur 1: ein Kaninchen mit langen blonden Ohren, müdem aber erleichtertem Gesicht, trägt ein Bündel Haselnüsse auf dem Rücken und steht links am alten, abgesägten Baumstumpf; Nebenfigur 2: eine schwarze Krähe mit leicht glänzendem Gefieder und selbstbewusstem Blick, sitzt rechts auf dem Stumpf und neigt den Kopf, als würde es um etwas bitten; Szene: Waldrand im gedämpften Licht mit großen Farnen, dicker Moosbedeckung auf Steinen und einem kleinen funkelnden Bach im Hintergrund, Sonnenstrahlen wie Goldtaler zwischen den Blättern; Situation: der Fuchs hebt ruhig eine Pfote, um eine Grenze zu setzen, das Kaninchen blickt dankbar, die Krähe wartet — eine zentrierte, warme, weich kontrastierte Komposition mit runden Formen und klaren Gesichtsausdrücken, die ein sanftes „Nein“ zeigt. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1

Der Fuchs hieß Fenn. Sein Fell war rot wie ein Abend, der gerade erst anfängt zu leuchten. Er lebte am Rand einer Wiese, wo die Gräser wie kleine Fahnen im Wind winkten. Dort stellte Fenn gern Fragen, als wären sie Kieselsteine, die man in die Tasche steckt, um sie später zu drehen und zu betrachten.

Manchmal fragte er die Wolken: „Wohin geht ihr, wenn ihr müde seid?“

Die Wolken antworteten nicht. Aber sie schoben sich langsam weiter, und das war auch eine Art Antwort.

An diesem Morgen war die Luft weich wie Milch. Fenn trug eine kleine Tasche aus Birkenrinde. Darin lag ein Stück Brot, das er gefunden hatte, und ein glänzender Knopf, der im Moos steckte wie ein winziger Mond.

Fenn hatte ein Ziel: Er wollte lernen, Schmeichelei zu erkennen. Nicht weil er streiten wollte. Sondern weil er helfen wollte. Er hatte gesehen, wie manche Tiere auf süße Worte hereinfallen wie auf klebrigen Honig.

„Honig ist lecker“, murmelte Fenn, „aber wenn er überall klebt, kommt man nicht mehr vorwärts.“

Er ging zur alten Eiche, die wie ein dicker Wächter am Weg stand. In ihrer Rinde lebten viele Geschichten. Ein Specht klopfte dort, als wolle er die Zeit wecken.

„Guten Morgen, Specht“, sagte Fenn. „Sag mal, woran merkt man, ob ein Lob ehrlich ist?“

Der Specht hielt inne und legte den Kopf schief. „Wenn es dir hilft, besser zu werden, ist es gut. Wenn es nur deine Ohren kitzelt, will es vielleicht etwas von dir.“

„Meine Ohren kitzeln?“, fragte Fenn und zuckte damit. „Dann brauche ich wohl einen Ohrenbesen.“

Der Specht lachte, ein kurzes, helles Klopflachen. „Pass auf, Fenn. Schmeichelei ist wie ein Spiegel aus Pfützenwasser. Er glänzt kurz, aber er zeigt nicht, wer du wirklich bist.“

Fenn steckte diese Worte in seine Tasche, direkt neben den Knopf-Mond. Dann lief er weiter, leise, damit er die Welt nicht erschreckte.

Am Bach traf er die Elster. Sie stand auf einem Stein und sah aus, als hätte sie sich in Schwarz und Weiß geschniegelt.

„Ah, Fenn!“, rief sie. „Der berühmteste Fuchs der Wiese! Dein Schwanz ist heute ja besonders… besonders… flaumig!“

Fenn blieb stehen. Er spürte, wie das Lob an seinem Ohr kitzelte. „Berühmt?“, fragte er. „Ich habe doch nur Beeren gesammelt und einmal einer Maus geholfen, aus einem Eimer zu klettern.“

Die Elster machte große Augen. „Genau! Nur du kannst so etwas! Du bist einzigartig! Ich wollte dich sowieso bitten… du hast doch bestimmt Lust, mir deinen schönen Knopf zu schenken. Er passt zu meinem Glanz.“

Fenn sah in seine Tasche. Der Knopf-Mond schimmerte. Die Worte der Elster schimmerten auch, aber anders: wie Seife, die blubbert.

Fenn lächelte freundlich. „Mein Knopf ist hübsch. Aber er gehört nicht zu deinem Glanz, sondern zu meiner Erinnerung. Warum brauchst du ihn?“

Die Elster räusperte sich. „Na… weil ich… weil ich dann noch schöner bin.“

„Schönheit ist kein Eimer, den man vollmachen muss“, sagte Fenn leise. „Sie ist ein Fenster. Und jedes Fenster ist schon genug.“

Die Elster schnaubte, flatterte auf und rief: „Du bist trotzdem unglaublich, Fenn!“ Dann war sie weg, als hätte der Wind sie eingepackt.

Fenn blieb am Bach stehen. Das Wasser redete in kleinen Silben. Fenn dachte: „Wenn Worte zu schnell süß werden, sind sie vielleicht gar nicht für mich.“

Er setzte sich und ließ die Pfoten ins kühle Wasser tauchen. „Ich will nicht hart werden“, flüsterte er. „Ich will nur klar sehen.“

Der Bach antwortete mit einem Plätschern, das klang wie: Weiter, weiter.

Kapitel 2

Im Wald wurde das Licht zu grünen Münzen. Es fiel durch die Blätter und klingelte nicht, aber es sah so aus. Fenn ging zwischen Farnen, die wie kleine Schirme standen. Jede Pflanze schien ein Geheimnis zu hüten.

Bald traf er den Hasen, der mit einem Bündel Möhren auf dem Rücken hüpfte. Der Hase war schnell, aber heute wirkte er schwer, als trüge er einen ganzen Garten.

„Hallo, Hase“, sagte Fenn. „Warum schaust du so, als hätte der Himmel dir die Schuhe vertauscht?“

Der Hase seufzte. „Die Krähe hat gesagt, ich sei der fleißigste Hase weit und breit. Und dann hat sie mich gebeten, ihre Nüsse zu tragen. Ich wollte nett sein. Aber jetzt… jetzt bin ich müde.“

„Was hat sie noch gesagt?“, fragte Fenn.

Der Hase zog die Nase kraus. „Sie sagte: ‚Nur du schaffst das. Du bist stärker als alle anderen.‘ Und dann hat es sich in meinem Bauch warm angefühlt. Wie Suppe.“

„Und jetzt?“, fragte Fenn.

„Jetzt ist die Suppe alle“, sagte der Hase. „Nur der Topf ist noch da.“

Fenn nickte. „Manchmal kocht Schmeichelei eine Suppe, die gar nicht satt macht.“

„Aber Lob ist doch schön“, sagte der Hase unsicher.

„Ja“, sagte Fenn. „Lob ist wie Sonnenschein. Doch wenn jemand den Sonnenschein in eine Taschenlampe packt und dir direkt ins Gesicht hält, blendet es. Dann siehst du den Weg nicht mehr.“

Der Hase setzte sich. Die Möhren rollten fast davon, als wollten sie fliehen. „Woran merke ich das rechtzeitig?“

Fenn dachte nach. Seine Gedanken liefen nicht, sie schlichen, wie er selbst. „Du kannst drei Fragen stellen“, sagte er. „Erstens: Ist das Lob über etwas, das ich wirklich getan habe? Zweitens: Will der andere gleich etwas dafür? Drittens: Fühlt es sich ruhig an oder drückt es?“

Der Hase probierte die Fragen wie neue Schuhe. „Ist das Lob über etwas, das ich wirklich getan habe…“ Er sah auf die Nüsse. „Ich habe sie nicht geknackt. Ich trage nur.“

„Genau“, sagte Fenn.

„Will der andere gleich etwas dafür?“ Der Hase schnaubte. „Ja. Sie wollte, dass ich trage.“

„Und fühlt es sich ruhig an?“

Der Hase legte die Pfote auf die Brust. „Nein. Es zieht.“

Fenn lächelte. „Dann war es wohl keine warme Decke, sondern ein glitzerndes Netz.

Der Hase rieb sich die Ohren. „Was soll ich jetzt tun?“

Fenn blickte auf das Bündel. „Du musst nicht alles allein tragen. Du kannst freundlich ‚Nein‘ sagen. Oder du kannst sagen: ‚Ich helfe ein Stück, aber nicht den ganzen Weg.‘ Altruismus heißt nicht, dass du dich vergisst. Es heißt, dass du mitdenkst.“

„Mitdenken ist auch helfen“, murmelte der Hase.

Gemeinsam trugen sie die Nüsse bis zu einem großen Baumstumpf. Dort saß die Krähe und tat so, als hätte sie schon immer gewartet, ohne zu warten. Ihre Augen glänzten wie schwarze Knöpfe.

„Ah, ihr seid da!“, krächzte sie. „Fenn, du bist der klügste Fuchs, den es je gab. Und Hase, du bist der tapferste Träger!“

Fenn hörte das Kitzeln. Es war da, aber schwach. Wie ein Grashalm im Ohr.

Er sagte ruhig: „Danke. Was möchtest du?“

Die Krähe blinzelte. „Nur… ein kleines Gefallenchen. Könntet ihr die Nüsse auch noch sortieren? Und vielleicht… meine Federn putzen?“

Der Hase schaute zu Fenn. Seine Augen fragten: Darf ich?

Fenn nickte dem Hasen zu, wie ein stiller Freund. Dann sagte Fenn zur Krähe: „Wir helfen dir gern beim Sortieren, ein bisschen. Aber deine Federn kannst du selbst putzen. Und du kannst auch selbst einige Nüsse tragen.“

Die Krähe machte ein beleidigtes Geräusch, als hätte jemand ihr ein unsichtbares Krönchen vom Kopf genommen. „So redet man nicht mit jemandem wie mir!“

Fenn blieb freundlich. „Doch. So redet man ruhig. Und ruhig ist stark.“

Die Krähe schüttelte die Flügel. „Dann… dann finde ich eben andere.“ Sie pickte nach einer Nuss, bekam aber nur Staub. Dann flog sie davon.

Der Hase atmete aus, als würde er einen schweren Stein aus dem Bauch rollen lassen. „Es war gar nicht so schlimm“, sagte er.

„Nein“, sagte Fenn. „Ein Nein ist manchmal wie ein Zaun: Er ist nicht da, um jemanden auszusperren, sondern um zu zeigen, wo dein Garten anfängt.“

Der Hase lächelte. „Danke, Fenn.“

Fenn half ihm, die Nüsse ordentlich zu stapeln, damit sie nicht wieder über den Weg kullerten. Und als sie fertig waren, teilten sie Fenns Stück Brot. Es schmeckte nach Mut.

Kapitel 3

Am Nachmittag wurde der Wald stiller. Nicht traurig, nur leiser, als würde er seine Stimme schonen. Fenn ging allein weiter, aber das Alleinsein fühlte sich nicht leer an. Es fühlte sich an wie ein Platz auf einer Bank, auf dem noch Raum für Gedanken ist.

Auf einer Lichtung stand eine Schnecke auf einem Pilz. Sie sah aus, als trüge sie ihr Haus wie eine geduldige Krone.

„Hallo, Schnecke“, sagte Fenn. „Du bist heute hoch hinaus.“

Die Schnecke zog die Fühler ein bisschen ein und wieder aus. „Ich übe“, sagte sie langsam. „Manchmal ist ein Pilz ein Berg.“

Fenn setzte sich. „Ich übe auch. Ich übe, Schmeichelei zu erkennen.“

„Oh“, sagte die Schnecke. „Schmeichelei ist wie Tau auf einem Blatt. Schön, aber wenn du dich draufsetzt, rutschst du aus.“

Fenn kicherte. „Du bist weise.“

„Vielleicht“, sagte die Schnecke. „Oder nur langsam genug, um Dinge zu sehen.“

Da hörten sie ein Rascheln. Ein Pfau trat aus dem Gebüsch. Ja, ein Pfau im Wald war selten, aber in diesem Märchen war der Wald groß genug für Überraschungen. Sein Schwanz war wie ein bunter Fächer, als hätte jemand Augen aus Edelsteinen darauf gemalt.

„Guten Tag“, sagte der Pfau und verbeugte sich so tief, dass er fast seine eigene Pracht begrüßte. „Wer ist dieser entzückende Fuchs?“

Fenn hob eine Augenbraue. „Ich bin Fenn.“

„Fenn!“, rief der Pfau. „Was für ein Klang! Wie ein kleines Lied! Und dein Blick… so klar! Du musst ein ganz besonderer Fuchs sein.“

Fenn spürte das Kitzeln stärker. Der Pfau sprach, als würde er Zucker in die Luft streuen.

„Du schmeichelst mir“, sagte Fenn.

Der Pfau tat überrascht. „Ich? Niemals! Ich sage nur die Wahrheit. Und weil du so besonders bist, solltest du mit mir kommen. An den See der Spiegel. Dort wirst du sehen, wie wunderbar du bist. Und… vielleicht kannst du mir helfen, die anderen Tiere zu überzeugen, mir zuzuhören. Du hast bestimmt Einfluss.“

Fenn schaute zur Schnecke. Die Schnecke bewegte sich keinen Millimeter, aber ihre Fühler deuteten nach innen, als würde sie sagen: Hör auf dein Bauchgefühl.

Fenn stellte leise seine drei Fragen im Kopf.

Erstens: Ist das Lob über etwas, das ich wirklich getan habe?

Der Pfau kannte ihn nicht. Er hatte nichts gesehen.

Zweitens: Will der andere gleich etwas dafür?

Ja. Er wollte, dass Fenn andere überzeugt.

Drittens: Fühlt es sich ruhig an oder drückt es?

Es drückte. Nicht stark, aber wie ein zu enger Schal.

Fenn sagte freundlich: „Warum willst du, dass dir alle zuhören?“

Der Pfau klappte ein bisschen seinen Schwanz auf. „Weil ich Schönes zu zeigen habe. Und die Welt braucht Schönheit.“

„Ja“, sagte Fenn. „Aber Schönheit ist nicht nur zum Anschauen da. Sie ist auch zum Teilen da. Was teilst du außer Glanz?“

Der Pfau blinzelte. „Glanz reicht doch.“

Die Schnecke räusperte sich. Es klang wie ein winziges Türchen, das aufgeht. „Glanz macht keine Suppe“, sagte sie.

Der Pfau tat, als hätte er das nicht gehört. „Fenn, du bist zu klug, um klein zu bleiben. Komm. Ich werde dir sagen, dass du der klügste Fuchs im ganzen Wald bist. Jeden Tag!“

Fenn musste lachen, ein warmes Lachen. „Wenn du es jeden Tag sagst, muss ich es nicht mehr hören.“

Der Pfau wirkte kurz verwirrt, als hätte jemand seine bunten Augen auf dem Schwanz gezählt und gemerkt, dass eine fehlt. „Du willst also nicht?“

„Ich will helfen“, sagte Fenn. „Aber nicht, indem ich andere zu etwas überrede, das nur dich größer macht.“

Der Pfau wurde steif. „Dann bist du eben nicht so besonders.“

Fenn nickte. „Vielleicht. Aber ich bin genug.“

Der Pfau schnaufte und stapfte davon, seine Federn rauschten wie Papier, das beleidigt zusammengeknüllt wird.

Die Schnecke sah Fenn an. „Das war mutig“, sagte sie.

„Es war ruhig“, sagte Fenn. „Und das war das Beste daran.“

„Warum willst du Schmeichelei erkennen?“, fragte die Schnecke.

Fenn schaute in den Himmel, der zwischen den Blättern wie ein blaues Tuch hing. „Weil ich freundlich bleiben will“, sagte er. „Wenn ich Schmeichelei nicht erkenne, kann ich ausgenutzt werden. Dann werde ich irgendwann bitter. Und Bitterkeit macht mich unfreundlich. Das wäre schade.“

Die Schnecke nickte langsam. „Altruismus braucht klare Augen.“

„Ja“, sagte Fenn. „Sonst hilft man nicht wirklich. Man wird nur geschoben.“

Ein Windhauch kam vorbei und strich über die Lichtung, als würde er sagen: Gut gemerkt.

Kapitel 4

Als die Sonne tiefer sank, wurde der Wald golden, als hätte jemand ihn mit warmem Tee übergossen. Fenn ging zurück zur Wiese. Auf dem Weg sah er einen Igel, der mit einem Apfel kämpfte, der größer war als sein Kopf.

„Hallo, Igel“, sagte Fenn. „Dieser Apfel sieht aus, als wolle er nicht getragen werden.“

Der Igel prustete. „Er ist schwer. Aber der Dachs hat gesagt, ich sei der stärkste Igel überhaupt. Da konnte ich nicht Nein sagen.“

Fenn setzte sich neben den Apfel. „Und was wollte der Dachs?“

„Er wollte, dass ich den Apfel zu seiner Höhle rolle“, keuchte der Igel. „Er sagte, er müsse sich ausruhen, weil er so wichtig sei.“

Fenn strich mit der Pfote über den Apfel. Er glänzte rot wie eine kleine Sonne. „Wollen wir ihn gemeinsam rollen?“, fragte Fenn.

„Wirklich?“, fragte der Igel. Seine Stacheln wurden ein bisschen weicher, als wäre er erleichtert.

„Ja“, sagte Fenn. „Wir helfen dir. Und dann sprechen wir mit dem Dachs.“

Zusammen rollten sie den Apfel. Es war fast lustig, wie der Apfel manchmal zur Seite hüpfte, als hätte er eigene Ideen. „Stopp, du runder Ausreißer!“, rief Fenn, und der Igel kicherte.

Vor der Höhle saß der Dachs und sah aus, als hätte er sich auf einem unsichtbaren Thron bequem gemacht.

„Ah!“, sagte der Dachs, als er Fenn sah. „Der berühmte Fenn! Ein Fuchs von großer Ehre! Deine Anwesenheit macht diesen Apfel doppelt wertvoll.“

Fenn blieb stehen. Das Kitzeln war wieder da. Der Dachs sprach langsam, als wolle er jedes Wort polieren.

„Danke“, sagte Fenn. „Aber der Apfel ist einfach ein Apfel. Und der Igel hat ihn nicht allein gerollt.“

Der Dachs winkte ab. „Ach, Details. Wichtig ist: Ihr habt es für mich getan. Ihr seid so hilfsbereit. Ihr solltet mir öfter helfen.“

Der Igel schaute auf seine Pfoten. Seine Freude war wie eine Kerze, die gerade flackert.

Fenn ging einen Schritt näher, nicht drohend, nur klar. „Hilfsbereit sein ist gut“, sagte er. „Aber Hilfsbereitschaft ist kein Seil, an dem man andere ziehen darf.“

Der Dachs zog die Stirn kraus. „Ich habe doch nur gelobt.“

„Lob ist schön“, sagte Fenn. „Doch wenn es wie eine Angel ist, dann ist es Schmeichelei. Und wenn du uns lobst, damit wir mehr tragen, dann ist das nicht fair.“

Der Dachs öffnete den Mund, schloss ihn wieder. Er sah plötzlich weniger groß aus, eher wie ein Dachs, der nachdenkt.

Der Igel hob den Kopf. „Ich helfe gern“, sagte er leise. „Aber ich möchte gefragt werden. Und ich möchte auch einmal einen Apfel essen dürfen.“

Fenn nickte dem Igel zu. „Das ist ein gutes Wort.“

Der Dachs scharrte mit der Pfote. „Vielleicht…“, brummte er. „Vielleicht habe ich es mir zu leicht gemacht.“

„Leicht ist nicht immer schlecht“, sagte Fenn. „Aber es sollte für alle leicht sein, nicht nur für einen.“

Der Dachs seufzte. „Du bist…“ Er stockte, als wolle er wieder Zucker streuen. Dann sagte er anders: „Du hast recht, Fenn. Und du auch, Igel. Es tut mir leid. Ich kann den Apfel selbst teilen. Und nächstes Mal frage ich zuerst.“

Fenn spürte, wie die Luft weicher wurde. Wie ein Knoten, der sich löst.

Der Dachs rollte den Apfel in seine Höhle und kam mit drei Stücken wieder heraus. Er gab dem Igel ein großes Stück und Fenn ein mittleres. Das kleinste behielt er selbst.

„Warum das kleinste für dich?“, fragte Fenn.

Der Dachs zuckte mit den Schultern. „Weil ich üben will. Nicht alles zu nehmen. Vielleicht ist das auch eine Art Stärke.“

Der Igel biss in den Apfel und schloss die Augen. „Mhm“, machte er. „Das schmeckt wie ein ehrliches Ja.“

Fenn lachte. „Und wie ein freundliches Nein.“

Sie aßen zusammen. Der Abend kam näher, und die Schatten wurden lang, aber nicht gruselig. Sie waren wie Decken, die der Tag ausbreitet, damit die Nacht es bequem hat.

Später ging Fenn nach Hause. Die Sterne erschienen, einer nach dem anderen, als würden sie vorsichtig ihre Augen öffnen.

Vor seinem Bau setzte sich Fenn ins Gras. Er holte den Knopf-Mond aus der Tasche und legte ihn vor sich. Er glänzte still.

Fenn dachte an die Elster, die Krähe, den Pfau, den Dachs. An den Hasen und den Igel. Er dachte daran, wie leicht ein Lob tragen kann, und wie schwer es werden kann, wenn es einen schiebt.

„Ich möchte geben“, flüsterte Fenn. „Aber ich möchte nicht gekauft werden. Ich möchte helfen, weil ich es will. Und ich möchte auch anderen helfen, das zu merken.“

Der Wind strich über die Wiese. Er sagte nichts, aber er war da. Wie eine Hand, die nicht drückt.

Fenn legte den Knopf zurück in die Tasche. Er schloss die Augen. Der Wald atmete. Die Wiese atmete. Alles wurde zu einem sanften, gemeinsamen Atem.

Und dann war da ein gutes, beruhigendes Schweigen, das sich wie ein warmer Mantel um die Welt legte.

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Birkenrinde
Die äußere Haut eines Birkenbaums. Man kann daraus leichte Dinge basteln.
Schmeichelei
Sehr nette Worte, die oft gesagt werden, damit jemand etwas tut.
Pfützenwasser
Wasser, das in einer kleinen Mulde auf dem Boden steht.
Altruismus
Wenn jemand anderen hilft, ohne etwas dafür zu wollen.
Flaumig
Weich und leicht, wie feines Fell oder Watte.
Knopf-Mond
Der besondere Knopf in der Geschichte, der wie ein kleiner Mond aussieht.
Glitzerndes Netz
Ein Netz, das hell blinkt und lockt, aber nicht immer gut ist.
Räusperte
Leise ein Geräusch machen, um aufzupassen oder zu sprechen.
Plätschern
Das leise Geräusch von leicht laufendem Wasser.

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