Kapitel 1: Ein seltsamer Morgen
Leise öffnete Emma die TĂŒr zu ihrem kleinen DetektivbĂŒro. DrauĂen war es noch kĂŒhl, und Nebel lag ĂŒber den GĂ€rten. Sie liebte diese Stunde, wenn die Stadt noch schlief und alles möglich schien. Emma war erst zehn, aber sie war schon lĂ€ngst die beste Detektivin in ihrer StraĂe.
An diesem Morgen wartete schon Herr Huber, der Hausmeister, im Flur auf sie. âGuten Morgen, FrĂ€ulein Emma!â, rief er und hielt seinen Hut fest. âIm Keller ist etwas MerkwĂŒrdiges passiert. Der alte Koffer von Frau Bertram ist verschwunden, einfach weg!â
Emma runzelte die Stirn. âWar der Koffer abgeschlossen?â
Herr Huber schĂŒttelte den Kopf. âNein, aber niemand auĂer den Hausbewohnern hat einen SchlĂŒssel zum Keller.â Emma griff nach ihrem Notizbuch. âIch schaue mir das gleich an. Haben Sie schon die Nachbarn gefragt?â Herr Huber seufzte. âNein, ich dachte, Sie sollten zuerst einen Blick werfen.â
Emma lĂ€chelte. âDann mal los!â
Kapitel 2: Spuren im Keller
Im Keller roch es muffig. Emma leuchtete mit ihrer Taschenlampe in die Ecken. Frau Bertrams Regal war leer, nur ein heller Staubabdruck zeigte, wo der Koffer gestanden hatte. Emma kniete sich hin und entdeckte FuĂabdrĂŒcke im Staub â kleine, schmale Schuhe. Sie schrieb: âSchmale FĂŒĂe, vermutlich Frau oder Kind.â
Herr Huber wies auf eine TĂŒr am Ende des Gangs. âDahinter wohnt Herr Schwarz. Er ist neu und ziemlich misstrauisch.â Emma nickte. âWissen Sie, ob jemand Streit mit Frau Bertram hatte?â Herr Huber zuckte die Schultern. âNicht, dass ich wĂŒsste. Aber Herr Schwarz beschwert sich oft ĂŒber den LĂ€rm im Haus.â
Emma tippte mit dem Stift an ihr Kinn. âIch rede mit Frau Bertram. Vielleicht weiĂ sie mehr.â
Kapitel 3: Die Nachbarn und ein Verdacht
Frau Bertram saĂ am Fenster, strickte und blickte traurig auf den Hof. âMein Koffer war mir wichtig, wissen Sie, Emma. Da waren Fotos von meinem Mann drin.â Emma setzte sich zu ihr. âHaben Sie Verdacht gegen jemanden?â
Frau Bertram schĂŒttelte den Kopf. âNein, nur Herr Schwarz ist manchmal seltsam. Er meidet uns alle und will nie mit uns reden.â Emma dachte an die schmalen FuĂabdrĂŒcke. âKönnte er den Koffer genommen haben?â
âEr hat gestern Abend laut telefoniert. Ich habe gehört, wie er sagte: âIch brauche den Beweisâ. Dann ist er in den Keller gegangen.â Emma notierte: âHerr Schwarz, Beweis, Keller.â
Emma beschloss, Herrn Schwarz zu beobachten.
Kapitel 4: Der misstrauische Mieter
Am Nachmittag wartete Emma auf dem Flur. Plötzlich kam Herr Schwarz aus seiner Wohnung. Er blickte sich nervös um, als fĂŒrchte er, beobachtet zu werden. In der Hand hielt er eine PlastiktĂŒte. Emma folgte ihm bis zum MĂŒllraum. Dort warf Herr Schwarz die TĂŒte in den Container und verschwand.
Emma zog ihre Handschuhe an und fischte die TĂŒte heraus. Darin lagen zerknĂŒllte Papiere und â ein Zettel! Sie glĂ€ttete ihn. Darauf stand: âNicht vergessen: Koffer vor 16 Uhr holen!â
Emma dachte nach. Warum sollte Herr Schwarz den Koffer brauchen? Und warum wollte er ihn nicht in seiner Wohnung aufbewahren? Plötzlich fiel ihr ein, dass Herr Schwarz am Tag zuvor lange mit jemandem gesprochen hatte. Sie erinnerte sich an eine halblaute, fast beilĂ€ufige Bemerkung, die sie beim Vorbeigehen aufgeschnappt hatte: âSolange niemand den alten Brief findetâŠâ
Emma notierte: âAlter Brief, Koffer, Herr Schwarz.â
Kapitel 5: Die vergessene Bemerkung
Emma grĂŒbelte. Was war mit dem alten Brief? Vielleicht war er im Koffer? Sie beschloss, Frau Bertram zu fragen. âHatten Sie einen besonderen Brief im Koffer?â
Frau Bertram ĂŒberlegte. âJa, mein Mann hatte mir einen Liebesbrief geschrieben, den ich immer aufbewahrt habe. Aber das weiĂ eigentlich niemand.â Emma lĂ€chelte. âIch glaube, Herr Schwarz sucht genau diesen Brief.â
Gemeinsam mit Herr Huber klopfte Emma an Herrn Schwarz' TĂŒr. Er öffnete nur einen Spalt. âWas wollen Sie?â
Emma blickte ihn fest an. âWir wissen, dass Sie den Koffer genommen haben. Sie suchen einen Brief, stimmt's?â Herr Schwarz wurde blass. âIch⊠ich wollte nur wissen, ob dieser Brief beweist, dass Frau Bertram die Wohnung schon lĂ€nger als ich gemietet hat. Ich habe Angst, dass ich ausziehen muss!â
Emma nickte. âAber so geht das nicht. Sie hĂ€tten einfach fragen können. Frau Bertram hĂ€tte Ihnen den Brief bestimmt gezeigt.â Frau Bertram lĂ€chelte freundlich. âNatĂŒrlich, Herr Schwarz. Wir finden eine Lösung, ganz ohne Tricks.â
Kapitel 6: Die Lösung und das Etikett
Gemeinsam gingen sie in den Keller. Herr Schwarz holte den Koffer aus einem Versteck hinter den Regalen. Emma half, das Schloss zu öffnen. Der Brief lag obenauf, ordentlich in einem Umschlag.
Herr Schwarz las den Brief und nickte erleichtert. âSie waren wirklich schon vor mir hier, Frau Bertram. Es tut mir leid, dass ich so misstrauisch war.â
Emma griff in ihre Tasche und zog ein kleines Etikett heraus. Sie schrieb âGemeinsam gelöstâ darauf und klebte es auf den Koffer. âDamit jeder sieht, dass wir zusammen Probleme lösen könnenâ, sagte sie.
Frau Bertram strahlte. âDanke, Emma. Ohne dich hĂ€tten wir es nicht geschafft.â Und Herr Huber fĂŒgte hinzu: âMit Teamarbeit kommt man weiter als mit VerdĂ€chtigungen.â
Emma lĂ€chelte zufrieden. Wieder hatte sie einen Fall gelöst â und alle Nachbarn ein bisschen nĂ€her zusammengebracht.