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Märchen 7/8 Jahre Lesen 11 min.

Elise und der Flüsterbrunnen

Elise, eine warmherzige Frau mit einer Laterne im Herzen, versucht, ihre Nichte Leni zu unterstützen, als Gerüchte über ein gestohlenes Theaterjuwel die Stadt erschüttern. Gemeinsam mit einem sanften Fechtmeister begibt sie sich auf eine Reise, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und den Frieden in ihrem Städtchen wiederherzustellen.

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Eine Frau namens Elise mit welligem kastanienbraunem Haar und funkelnden, freundlichen Augen steht im Mittelpunkt der Bühne, ein warmes Lächeln erhellt ihr Gesicht. Sie trägt ein hellblaues Baumwollkleid mit floralen Mustern und hält ein zartes weißes Herz aus Seide in ihren Händen, bereit, verletzende Worte zu besänftigen. Neben ihr steht ihre Nichte Leni, ein achtjähriges Mädchen mit blonden Haaren und leuchtenden Augen wie Sterne, das Elise bewundernd ansieht, die Hände auf ihr Herz gelegt, voller Hoffnung. Ihre Umgebung ist ein altes Theater mit geschnitzten Holzwänden und roten Samtvorhängen, in dem das sanfte Licht eines Kronleuchters die Bühne erhellt. Papiersterne funkeln über der Bühne und schaffen eine magische, märchenhafte Atmosphäre. Die Hauptsituation zeigt Elise und Leni, die gemeinsam singen, vereint durch Musik und Wahrheit, während ein Flüstern von Stimmen aus dem Flüsterbrunnen, einem alten Steinkeller, aufsteigt, der von glitzernden Wasserreflexen erleuchtet wird und bereit ist, Geheimnisse und Geschichten zu enthüllen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Die Laterne im Herzen

Elise war eine Frau mit warmen Händen und einer Laterne im Herzen. Sie lebte in einem Städtchen, das wie Zucker aufblühte, wenn die Sonne kam. Elise nähte Mäntel, knüpfte Schleifen, und brachte Suppen zu Türen, hinter denen das Lachen fehlte. Wenn sie ging, schaukelte ihr Rock wie ein stiller Teich. Sie dachte nie nur an sich. Sie dachte an uns alle, an die Bäckerin mit Mehl im Haar, an den Postboten mit Pfeifchen, an Kinder, die Murmeln sammelten wie kleine Monde.

An einem Morgen aber lag ein Schatten auf den Pflastersteinen. Man flüsterte auf dem Markt. Worte liefen wie flinke Mäuse über den Stein. „Man sagt, Leni…“ „Man hört, Leni…“ Leni war Elises Nichte, ein Mädchen mit Augen wie Maiskörnern in der Sonne. Man sprach, Leni habe das blaue Bühnenjuwel aus dem Stadttheater gestohlen, den funkelnden Stern, der in der Abendvorstellung den Himmel spielen sollte.

Die Worte wurden größer als die Wahrheit. Leni zog die Knie an, wie ein Vogel seine Flügel, und sprach nicht mehr. Ihr Lachen blieb unter einem Kissen. Elise kniete sich zu ihr und legte eine Hand auf ihre Schulter, leise wie der erste Schnee. „Ich bin hier“, flüsterte sie. „Ich glaube an dich.“

Elise wusste, was man tun musste, wenn der Wind die Hüte forttrug: Man lief nicht hinter den Hüten her, man band sie fest. Sie dachte an das ganze Städtchen, das bald kein Theaterlicht mehr hätte, wenn der Stern verschwunden war. Und sie dachte an Leni, deren Herz wie eine eingeschlafene Geige war. Sie würde beides retten, Leni und das Licht. Also zog Elise ihre Stiefel an, die den Weg kannten, und machte sich auf zum Theater, wo die Kulissen atmen und die Vorhänge wie Wolken rauschen.

Das Theater aus Goldstaub

Das Stadttheater schlummerte am Vormittag unter einem Mantel aus Goldstaub. Auf der Bühne lagen Seidentücher wie ruhende Schmetterlinge. Ein roter Samtvorhang wartete darauf, zu singen. Im halbhellen Saal gähnte die Stille, und irgendwo schlenderte eine Katze mit weißer Pfote über die Reihen, als hätte sie ein Ticket.

Elise trat durch die Seitentür. Ein Geruch von Holz, Leim und ein bisschen Orangenhaftem empfing sie. An der Wand hingen Schwerter, doch sie waren aus Holz und glänzten nur vor Übung. Da stand ein Mann mit einem Schnurrbart so sanft wie ein Regentag und Augen, die lachten, wenn sie schwiegen. Er trug einen Federhut, der nie ganz ernst sein konnte. Man nannte ihn den sanften Fechtmeister. Er lehrte die Tänzerinnen, wie man mit Bändern pariert und mit Stäben wirbelt, ohne zu verletzen, wie man Schatten die Höflichkeit beibringt.

„Ich suche den blauen Stern und die Wahrheit“, sagte Elise.

Der Fechtmeister nickte, als hätte er bereits gewusst, welcher Wind sie trug. „Wahrheit ist eine Klinge aus Licht“, sagte er freundlich. „Man hält sie nicht scharf, man hält sie klar. Komm, wir üben.“

Sie üben? Elise lachte leise. Doch da legte er ihr ein weißes Band in die Hand, weich wie Morgenmilch. „Dieses Band heißt Herzseide“, meinte er. „Hebe es, wenn ein Wort zu spitz wird. Senke es, wenn ein Schatten zu groß ist. Hör zu, wie die Bühne atmet.“

Sie gingen über die Bretter, die wie alte Bäume klangen. Der Fechtmeister zeigte ihr, wie man mit einem Schritt zu sich selbst kommt und mit dem nächsten einen Raum heller macht. „So pariert man Flüstern“, sagte er und machte eine kleine Pirouette, die sogar die Katze zum Blinzeln brachte. Elise fühlte, wie die Herzseide leicht durch ihre Finger glitt. Sie dachte an Leni, an das Städtchen, an alle, die mit offenen Mündern warten würden, wenn der Abend nahte.

Ein Flirren wehte unter der Bühne, als würde jemand mit Löffeln auf Luft trommeln. „Da unten lebt der Flüsterbrunnen“, sagte der Fechtmeister, leiser als Pfeffer. „Er nimmt Worte und macht sie größer, dann lässt er sie wieder frei. Man muss ihn hören, ehe er Geschichten frisst.“

Elise nickte. Sie fühlte, wie ihre Laterne im Herzen heller wurde. „Dann hören wir.“

Die Wahrheit wie ein Morgenwind

Unter der Bühne führte eine Treppe in ein kleines Gewölbe, kühl wie ein Schluck Wasser. Dort stand ein alter Brunnen, sein Rand mit Sternchen aus Glas besetzt, die im schwachen Licht funkelten. Er murmelte, wie Großmütter murmelnd stricken. Aus dem Brunnen stiegen Stimmen auf, so zart wie Seifenblasen, doch viele. „Leni… Stern… genommen… man sah… man hörte…“

Elise hob die Herzseide. „Halt“, sagte sie, und ihr Wort war kein Bellen, eher ein Morgenwind, der das Gras ordnet. „Ich will nicht hören, was man hört. Ich will hören, was ist.“

Der Fechtmeister nickte und klopfte leise mit seinem Holzstab an den Brunnenrand. Es klang wie ein Lachen, das wach wird. Elise schloss die Augen und erinnerte sich an den gestrigen Nachmittag. Leni hatte im Theater beim Kostümbeutel geholfen, hatte Federn sortiert und Lichter geputzt. Sie hatte den blauen Stern nur bestaunt, wie man einen Schmetterling anschaut. „Leni hat nichts genommen“, sagte Elise mit ihrer klarsten Stimme. „Sie hat gefragt, ob der Stern sich einsam fühlt, und ihm ein Lied geschenkt.“

Die Herzseide flatterte, als ob sie ein Vogel wäre, der Heimat findet. Da veränderte sich der Brunnen. Sein Murmeln wurde langsamer, als würde er plötzlich zuhören. Die Stimmen aus dem Brunnen wurden kleiner, verloren ihre spitzen Schuhe. „Leni… nicht… genommen… Lied…“ Das Gerücht, das eben noch groß war wie ein sagenhafter Fisch, wurde so leicht wie Nebel und verflog.

Es klirrte leise aus einer Ecke. Die Katze sprang hin und angelte mit ihrer weißen Pfote etwas Glitzerndes aus einem Mantel, der über einem Stuhl hing. Der blaue Stern! Jemand hatte ihn nach der Probe in die Manteltasche gesteckt, vielleicht aus Eile, vielleicht, weil Gedanken manchmal stolpern. Elise lächelte. „Da bist du ja.“

Sie trug den Stern zur Bühne, und als sie die Seitentür öffnete, fiel eine Handvoll Sonne hinein. Das Juwel leuchtete, als habe es nie etwas anderes gewollt. Der Fechtmeister verbeugte sich. „Die Wahrheit ist leicht“, sagte er sanft. „Man muss sie nur wagen.“

Der Brunnen der Gesänge

Am Abend füllte sich das Theater mit Menschen wie eine Wiese mit Blumen. Leni saß in der ersten Reihe, ihre Hände in Elises Hand, ihr Lächeln wieder da, als wäre es nie fort gewesen. „Ich habe Angst gehabt“, flüsterte sie. „Nicht vor Dunkel. Vor falschen Wörtern.“

Elise drückte sanft. „Wenn dein Herz singt, verirrst du dich nicht“, sagte sie. „Und ich höre dich.“

Die Stadt bat um mehr als eine Vorstellung. Sie bat um Frieden im Mund. Der Fechtmeister trat auf die Bühne, legte die Hand aufs Herz und bat alle, zum Flüsterbrunnen zu kommen. Männer, Frauen, Kinder und die Katze, die nun ein Band um den Hals trug, folgten. Der Brunnen wartete im kühlen Gewölbe und schaute verlegen, so gut ein Brunnen eben schauen kann.

„Worte sind Vögel“, sprach Elise. „Lasst uns Vögeln ein Nest bauen, kein Netz.“

Dann hob sie die Herzseide. Ein Lied stieg aus ihrer Brust, einfach wie Brot, warm wie Licht, klar wie Wasser. Es erzählte, dass man fragen darf, ehe man spricht. Dass man stehen darf, wenn man weiß. Und schweigen, wenn man nicht sicher ist. Es sang, dass jedes Herz eine Laterne trägt und dass diese Laterne hell bleibt, wenn man ehrlich ist.

Andere Stimmen fielen ein, kleine und große, hohe und tiefe. Der Fechtmeister summte eine zweite Stimme, die wie ein freundlicher Stab den Takt hielt. Das Lied wurde zu einer Decke, gewoben aus Tönen. Es senkte sich über den Brunnen. Die Glassternchen am Rand blitzten, als nickten sie zustimmend. Der Brunnen atmete ein und aus, einmal, zweimal, und wurde ruhig. Die Lieder legten sich über seine Öffnung wie sanfte Siegel. Man sagte, sie versiegelten ihn. Und so war es.

Von diesem Abend an blieb der Flüsterbrunnen still, oder er murmelte nur noch Geschichten von Mut und Zuhören. In der Stadt wurden die Wörter leichter, sie schlüpften aus den Mündern wie freundliche Vögel und landeten auf Schultern, ohne zu piksen. Die Vorstellung im Theater leuchtete wie ein Morgenstern. Als der blaue Stern auf der Bühne aufflammte, klatschten alle, und Leni lachte frei, so frei, dass selbst die Katze ein Maunzen der Freude wagte.

Später, als die Stühle wieder atmeten und die Nacht vor den Fenstern stand wie ein ruhiger Wächter, führte Elise Leni nach Hause. „Du hast mich gerettet“, sagte Leni.

Elise schüttelte den Kopf. „Wir haben uns gerettet“, meinte sie. „Du mit deinem Lied. Die Leute mit ihrem Hören. Der Fechtmeister mit seiner Sanftheit. Und ich mit meiner Laterne.“

Sie gingen durch Straßen, die jetzt wussten, wie man leise ist. In den Fenstern standen Teetassen wie kleine Monde. Auf dem Platz blieb das Pflaster warm. Die Sterne über dem Dach nickten. Und wenn jemand doch einmal ein spitzes Wort hob, hob ein anderer die Herzseide. So blieb der Weg des Herzens hell, und die Stadt lernte, dass die echte Stimme schöner ist als jedes Echo. Am Ende schloss die Nacht die Augen der Häuser, und der Brunnen blieb versiegelt durch Gesänge, von denen man nicht müde wird.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Laterne
Ein Lichtgerät, das oft aus Papier oder Glas besteht und verwendet wird, um Licht zu spenden.
Nichte
Die Tochter des Bruders oder der Schwester.
Flüstern
Leise sprechen, so dass nur wenige Menschen es hören können.
Kostümbeutel
Ein Sack oder eine Tasche, in der Kostüme für Theateraufführungen aufbewahrt werden.
Murmel
Ein kleines, glattes Spielzeug, das oft aus Glas oder Ton besteht und in vielen Spielen verwendet wird.
Herzseide
Ein fantasievoller Begriff für ein Band, das symbolisch für das Herz oder Gefühle steht.

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