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Künstlergeschichte 5/6 Jahre Lesen 11 min.

Ein Regenmantel für Farben

Leo, der Künstler, bereitet sich auf ein Fest in der Schule vor, wo er sein Bild mit einem Schutzlack versehen möchte, während die Kinder um ihn herum Freude haben und aus verschiedenen Kunstformen lernen. Als ein kleiner Unfall passiert, zeigt Leo, wie wichtig Geduld und Verantwortung in der Kunst sind.

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Ein lächelnder und konzentrierter Künstler namens Leo steht unter einem großen Ahornbaum mit goldenen Blättern. Er hat unordentliche braune Haare und trägt eine bunte, mit Farbe beschmierte Schürze. Er malt auf einer weißen Leinwand und taucht seinen Pinsel vorsichtig in eine Flasche Lack. Neben ihm hockt ein etwa 8-jähriges Mädchen namens Samira mit Zöpfen, die bunte Kreiden hält und Formen auf den Boden zeichnet, ihre Augen leuchten vor Kreativität. Ein etwa 7-jähriger Junge mit Sommersprossen beobachtet neugierig, während er einen kleinen roten Ball in den Händen hält und bereit ist, sich Leo zu nähern. Die Szene spielt in einem lebhaften Schulgarten, erfüllt von Kinderlachen, bunten Girlanden, die im Wind wehen, und Tischen mit Kunstwerken. Die Sonne scheint sanft und wirft tanzende Schatten auf den Boden. Leo trägt sorgfältig eine Schicht Lack auf seine Leinwand auf, umgeben von faszinierten Kindern, die aufmerksam zuschauen und lernen, mit Geduld und Freude zu kreieren. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Morgenlicht

Im Morgenlicht trägt Leo, der Künstler, eine Leinwand in der einen Hand und eine kleine Kiste in der anderen. In der Kiste klappert ein weicher Pinsel. Eine Flasche Schutzlack steht darin. Daneben liegt ein Tuch. Leos Schritt ist ruhig. Sein Lächeln ist warm.

„Heute wird mein Bild geschützt“, sagt er leise. „Leise, leicht, mit Licht.“ Er sagt es wie eine kleine Melodie. Leise, leicht, mit Licht.

Der Weg führt ihn zur Schule am Ende der Straße. Im Hof hängt schon eine bunte Girlande. Luft riecht nach frisch gebackenen Waffeln. Kinder lachen. Vögel hüpfen am Zaun. Der Schulhof hat heute ein Fest.

Leo stellt die Leinwand unter einen Ahornbaum. Schatten tanzen auf dem weißen Stoff. Er streicht über den Rahmen und flüstert: „Erst schauen. Erst atmen.“ Aus seinem Rucksack holt er sein Bild. Es zeigt den Schulhof im Abendrot, wie Honiglicht auf Steinen. Kinder als kleine Farbtupfer, ein Ball wie eine rote Kirsche, der Ahorn wie ein sanfter Feuerfächer.

„Heute bekommt das Bild Schutzlack“, erklärt Leo einem kleinen Jungen, der neugierig guckt. „Das heißt Firnis. Firnis ist wie ein Regenmantel für Farben. Er schützt vor Staub und vor Sonne. Und er macht die Farben klarer.“ Der Junge nickt ernst. „Regenmantel“, wiederholt er.

„Aber erst, wenn das Bild ganz trocken ist“, sagt Leo. „Ganz, ganz trocken. Sonst wird es klebrig. Und der Lack muss dünn sein. Dünn wie ein Flügel. Ich streiche ihn in eine Richtung, damit keine Pfützen entstehen.“ Er zeigt mit dem Finger eine Linie in der Luft. „Leise, leicht, mit Licht.“

Das Fest im Schulhof

Musik fliegt durch den Hof. Eine Geigerin spielt eine weiche Melodie. Ein Töpfer formt aus Ton eine kleine Schale. Eine Künstlerin malt mit Kreide auf den Boden. Ein Drucker hat eine kleine Presse aufgebaut. Überall riecht es nach Farbe, Holz und Zucker.

„Guten Morgen, Leo“, ruft die Kreidemalerin. Sie heißt Samira und hat bunte Finger. „Sieh mal, wie die Kreide mischt.“ Sie reibt Blau in Gelb. Grün leuchtet auf dem Stein. „Sanft, nicht zu stark“, sagt sie. „Die Farbe liebt Zärtlichkeit.“

Leo beobachtet. Er lernt gerne. „Sanft“, murmelt er und fühlt seinen Pinsel in der Hand. Ein Junge zeichnet neben Samira Sonne und Wolken. „Deine Wolke klingt leise“, sagt Leo. Der Junge lacht und tippt mit Kreide auf seine Wolke.

Am nächsten Tisch steht eine Frau mit einer Druckpresse. Sie trägt eine Schürze mit Tintenflecken. „Ich heiße Frau Marina, Hand-Druckerin“, sagt sie. Auf dem Tisch liegen Walzen, schwarze Farbe und Holzbuchstaben. Kinder drücken ihre Nasen fast an die Platte.

„Darf ich schauen?“, fragt Leo.

„Gerne“, sagt Frau Marina. „Hier ist eine Walze. Wir rollen Farbe sehr dünn. Dünn ist wichtig, sonst schmiert es.“ Sie rollt und es klingt wie Regen auf einem Dach. „Dann legen wir die Buchstaben. Schau, sie stehen spiegelverkehrt. Wenn wir drucken, wird das Wort richtig. Eine Druckerei denkt immer in Spiegeln.“

Sie legt L, I, C, H, T auf. Licht. Walze, Papier, kurbeln. Dann hebt sie das Blatt. Das Wort steht tiefschwarz auf Weiß. Es riecht stark und gut. „Licht“, liest ein Mädchen laut. Alle klatschen.

„Die Farbe liegt oben auf dem Papier“, erklärt Frau Marina. „Sie braucht Ruhe. Dann trocknet sie. Geduld gehört zum Handwerk.“

„Geduld gehört auch zum Firnis“, sagt Leo und dankt. Er merkt sich die Ruhe in der Bewegung, den dünnen Film, die spiegelstillen Buchstaben.

Er kehrt zu seinem Platz zurück. Kinder versammeln sich. „Was passiert jetzt?“, fragt ein Mädchen mit Zöpfen.

„Jetzt schaue ich, ob kein Staub auf dem Bild liegt“, sagt Leo. Er pustet ganz leise. Er wischt mit einem sauberen, trockenen Tuch am Rand. Dann öffnet er die Flasche. Die Luft riecht ein bisschen süß und klar. „Ich streiche dünn. Nur eine Schicht. Vielleicht später noch eine. Aber jetzt eine. Leise, leicht, mit Licht.“

Er taucht den Pinsel ein. Der Pinsel glitzert feucht. Er setzt an und zieht eine lange, ruhige Bahn am oberen Rand. Die Farben darunter flüstern. Rot wird tiefer, Blau wird weiter. „Wie ein Regenmantel“, sagt der Junge von vorhin. Leo nickt und lächelt.

Ein Windhauch zieht durch den Hof. Eine Waffelduft-Wolke tanzt vorbei. Kinder rufen. Musik lacht. Und dann rollt ein kleiner Ball, plopp, gegen Leos Tisch. Neben der Leinwand steht ein Becher mit Wasser, für den Pinsel. Der Becher wackelt. Wackelt. Kipp.

Das Wasser schwappt. Es läuft wie ein schneller Bach über die Tischplatte, über den Rand, tropft. Ein paar Tropfen springen auf die Leinwand. Ein Mädchen hält den Atem an. Der Junge ruft: „Oh!“

Leo hält den Rahmen, hebt die Leinwand leicht an, so dass das Wasser abläuft und nicht in einer Ecke bleibt. Sein Blick ist ruhig. „Alles gut“, sagt er. „Wir atmen. Wir retten. Wir lernen.“ Er nimmt das saubere Tuch und tupft die Tropfen am Rand, ganz vorsichtig, ohne zu reiben. „Leise. Leicht.“

Ein kleiner Junge mit Sommersprossen tritt vor. „Entschuldigung“, flüstert er. „Das war mein Ball.“

Leo kniet zu ihm hinab. „Danke, dass du es sagst. Das ist mutig und wichtig. Die Verantwortung gehört uns allen. Ich habe den Becher auch nicht gut gestellt. Er gehört auf den Boden, unten, da ist es sicherer.“ Er stellt den neuen Becher neben den Tisch auf die Erde. „Unfälle passieren. Wir machen es jetzt besser.“

Die Kinder nicken. Einer holt Küchenpapier vom Waffelstand. Samira die Kreidemalerin kommt mit einem trockenen Tuch. „Hier“, sagt sie. „Tupfen, nicht wischen.“

„Tupfen, nicht wischen“, wiederholt Leo und zeigt es den Kindern. Sie schauen, lernen, atmen wieder.

Er setzt die Leinwand in den Schatten, damit sie kurz ruht. „Ein kleiner Moment Pause“, sagt er. „Der Lack mag keine Hektik. Er mag Ruhe. Und die Luft soll staubarm sein. Staub macht kleine Punkte.“

„Staubarme Luft“, sagt das Mädchen mit Zöpfen und hält die Hände wie zwei Flügel, um den Wind umzuleiten. Alle lachen leise. Der Wind wird sowieso weich.

„Komm mal her, Leo“, ruft Frau Marina vom Drucktisch. „Wenn du magst, drucken wir dein Wort.“ Sie hält einen kleinen Holzstempel mit einem feinen Blattmuster. „Wir drucken ein Blatt in Gold. Gold macht Freude.“

Leo lächelt. „Nur kurz.“ Er zeigt den Kindern die Presse. „Seht ihr? Erst Farbe dünn. Dann drücken wir gleichmäßig. Kein Ruck. Ruhe.“

Sie legen ein Blatt auf Papier und drücken. Das Goldblatt glänzt wie ein Sonnenkuss. „Oh“, machen alle. Leo lernt mit den Augen, lernt mit den Händen, lernt mit dem Herzen.

Er geht zurück zum Baum. Sein Bild ist bereit. Nun streicht er weiter. Sanfte Linien, Nord nach Süd. Ein Atemzug pro Linie. „Leise, leicht, mit Licht“, summt er. Der Schutzlack legt sich wie klarer Tau. Er schaut von der Seite, ob das Licht gleichmäßig spiegelt. Keine Pfützen. Keine Eile. Ein feines Werk.

Ein Kind fragt: „Warum streichst du in eine Richtung?“

„Weil die Linien so zusammenhalten“, sagt Leo. „Wie Haare, die man kämmt. Dann wird es glatt. Und man sieht die Ruhe.“

Er ist fast fertig, da klatscht die Geigerin ein kleines Zeichen. Ein Lied wie Zuckerwatte klingt auf. Der Hof wird weicher. Leo stellt den Pinsel in den Becher am Boden. Er schraubt die Flasche zu. Er schreibt klein auf einen Zettel: Bitte nicht berühren. Trocknet.

„Was nun?“, fragt der Junge.

„Nun warten wir“, sagt Leo. „Geduld ist auch Kunst.“

Sie setzen sich ums Bild und erzählen. Der Töpfer bringt eine kleine Tonschale. Samira malt einen grünen Punkt neben den Zettel. Frau Marina wedelt sanft mit einem Stück Pappe, damit Staub fernbleibt. Alle helfen. Alle sind vorsichtig. Es ist schön, so zusammen Verantwortung zu tragen.

Abendluft

Die Sonne sinkt und wird weich. Der Hof wird golden. Leos Bild glüht. Die Farben atmen. Der Schutzlack schaut wie klares Wasser.

„Es hat geklappt“, sagt Leo. „Ihr habt mir geholfen. Danke.“ Er verneigt sich ein kleines bisschen, wie ein Baum im Wind.

„Du hast uns gezeigt, wie man ruhig bleibt“, sagt das Mädchen mit Zöpfen. „Und wie man lernt, wenn etwas kippt.“

„Ich lerne jeden Tag“, sagt Leo. „Heute von Samiras Kreide, vom Druck, von eurer Geduld, von dem kippenden Wasser auch.“ Er lächelt den Jungen mit dem Ball an. „Fehler sind Lehrer.“

Der Abend bringt kühle Luft. Ein Stern blinkt noch ganz zart. Die Geigerin stimmt ein letztes Lied an. Leos Stimme wird sanft. „Ich habe noch ein Lied“, sagt er. „Ein kleines Lied für Farbe und Licht.“ Er holt tief Luft. Die Kinder rücken näher. Manche lehnen ihre Köpfe aneinander. Man hört Waffelduft und Blätterrauschen.

Leo singt:

Leise geht das Licht zur Ruh,

mal dich warm, mein Herz, dazu,

Farben schlafen, Hand wird sacht,

Hüte still die weiche Nacht.

Pinsel träumen, dünn und klar,

wie ein Flügel, wunderbar,

Staub bleibt draußen, Wind wird fein,

morgen darfst du größer sein.

Kleines Bild im Mondgesicht,

trag den Regenmantel Licht,

schütz die Töne, rot und blau,

und wach auf im Morgentau.

Kinder summen mit. Ihre Stimmen sind wie kleine Laternen. Frau Marina legt eine Hand auf die Presse und lächelt. Samira wischt sich Kreide von den Händen. Der Töpfer deckt die Schalen zu. Alles fühlt sich leicht an, als trüge der Hof selbst einen Regenmantel aus Ruhe.

Leo packt seinen Pinsel ein. Er sieht nach der Leinwand. Der Lack ist fast trocken. Er wird morgen noch einmal schauen. Vielleicht eine zweite Schicht. Dünn, gläsern. Er denkt an das Wort Licht auf Papier. An den Ball, das Wasser, das Tuch. Er denkt an das Miteinander.

„Leise, leicht, mit Licht“, sagt er zum letzten Mal und nickt dem Baum zu. Der Baum nickt zurück, so scheint es. Die Kinder winken. Der Hof atmet langsam. Der Abend ist freundlich. Und im Bild schlafen die Farben, warm und gut.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Leinwand
Ein großes Stück Stoff, auf dem man malt.
Firnis
Eine spezielle Flüssigkeit, die Farben schützt und glänzend macht.
Kreide
Ein weiches Material, das man zum Malen oder Zeichnen auf den Boden oder Papier benutzt.
Presse
Eine Maschine, die man benutzt, um Bilder oder Texte auf Papier zu drucken.
Staub
Sehr kleine Partikel, die in der Luft fliegen und sich auf Oberflächen absetzen können.
Geduld
Die Fähigkeit, ruhig zu warten, ohne ungeduldig zu werden.

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