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Klassisches Märchen neu erfunden 5/6 Jahre Lesen 9 min.

Dornröschen und der Zaun aus Worten

Dornröschen wacht auf und hilft einer bunten Schafherde, ihre Angst zu überwinden, indem sie Geschichten, Lieder und Freundlichkeit teilt.

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Das erwachte Dornröschen mit sanftem Lächeln und leuchtenden Augen sitzt in einem hellrosa Kleid mit Puffärmeln mitten auf einer Wiese und stellt einen kleinen Blumenkorb neben sich; ein alter schwarzwolliger Widder mit weisen Augen sitzt neben ihr und spricht ruhig, ein geflecktes neugieriges Lamm hebt die Pfote, ein etwas zurückhaltendes blau geflecktes Schaf schaut sie mit sanften Augen an; die Szene spielt in einem hügeligen Abendwiesen mit grünen Gräsern, wilden Blumen, dunklen Baumrändern und einem Rosenbusch hinter ihr, warmes Laternenlicht erfüllt die Luft; die mehrfarbigen Schafe weben lächelnd und entspannt nach dem Sturm eine symbolische Mauer aus Schnüren und bunten Bändern, die Stimmung ist ruhig und einladend. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Erwachen im Garten

Dornröschen lag lange, lange in einem Schloss voller Rosen. Die Rosen flüsterten: "Wach auf, kleine Prinzessin." Die Vögel flüsterten: "Wach auf, kleine Prinzessin." Doch Dornröschen schlief und träumte von einem weiten Hügel mit einem kleinen Schafherd. In ihrem Traum lagen die Schafe wie Wolken auf der Erde, weiß wie Milch, schwarz wie Nacht, braun wie Erde, gefleckt wie ein Regenbogen. Sie hörte das leise Blöken und fühlte ein warmes Licht in ihrem Herzen.

Als sie erwachte, war das Schloss hell von Morgensonne. Dornröschen rieb sich die Augen, setzte sich auf und hörte noch immer das Blöken in sich. "Ich habe geträumt", sagte sie leise. "Ich habe geträumt, ich muss die Herde schützen." Und so ging sie in den königlichen Garten, nahm ihr kleines Körbchen und machte sich auf den Weg zum Hügel.

Der Weg war mit Goldstaub der Zeit bedeckt, und jeder Schritt sang ein kleines Lied. "Geh langsam, geh freundlich", murmelten die Linden. Dornröschen ging langsam, Dornröschen ging freundlich. Auf dem Hügel lebte eine Herde, und die Herde lebte unterschiedlich. Die Schafe hatten alle Farben und Augen so klar wie Sterne. Aber die Herde fürchtete etwas Unsichtbares: die Angst. Die Angst war wie ein Schatten, der leise um die Bäume kroch. Manchmal fraßen die Schafe nicht, manchmal hockten sie eng zusammen und zitterten.

"Dornröschen", sagte ein altes Schaf mit einer Stimme wie knarrendes Holz. "Wir fürchten uns vor dem Fremden." "Aber wir sind alle Schafe", flüsterte ein kleines, gesprenkeltes Lamm. "Wir zählen uns, wir lieben uns." Dornröschen setzte sich mitten unter sie, legte ihr Körbchen auf den Boden und begann zu erzählen.

"Wenn ein Schatten kommt, dann ist er meist nur eine Wolke", begann sie. "Wenn ein Schatten kommt, dann ist er meist nur eine Wolke." Sie wiederholte die Worte, und die Schafe lauschten. Die Sonne malte goldene Streifen auf ihr Kleid, und ihr Lachen war warm wie Honig. Langsam erklärten die Schafe, wie die Angst sie trennt: wer anders war, wurde gescheucht, wer anders schaute, wurde gemieden. Dornröschen nahm ihre Hand an die Stirn und sprach: "Wir müssen die Angst mit Licht füttern, mit Geschichten und mit Mut."

Die Prüfung des Waldes

Dornröschen führte die Herde an einen alten Waldrand, wo die Bäume wie flinke Wächter standen. "Wir werden einen Zaun weben", sagte sie, "aber keinen Zaun aus Stacheln. Wir weben einen Zaun aus Worten." Die Schafe schauten sich an. Worte? Worte sind klein, dachten sie. Worte können wehtun, dachten sie. Dornröschen lächelte und rief: "Kommt, wir beginnen!"

Sie sammelten Stöcke und Weben aus Heu, aber vor allem sammelten sie Geschichten. Jeder in der Herde erzählte, und jedes Wort wurde ein Stäbchen im Zaun. Das schwarze Schaf erzählte von der Nacht, in der es leuchtende Käfer wie kleine Sterne fand. Das weiße Schaf erzählte von einer kalten Nacht, als ein warmes Fell es vor Frost schützte. Das gesprenkelte Lamm erzählte von einem Regenbogen, der mitten auf die Weide fiel. Dornröschen hörte zu und sammelte jedes Wort wie eine Perle.

Plötzlich raschelte es im Gebüsch. Ein neues Schaf trat hervor. Es war anders: blaugesprenkelt, mit Augen, die wie kleine Monde schimmerten. Die Herde schnappte zusammen, die Schatten in ihren Herzen zogen kurz zusammen. "Wer bist du?" riefen einige. "Geh weg!" murrte ein anderes. Das blaue Schaf senkte den Kopf und sprach mit einer Stimme, die zittrig war. "Ich bin hier, weil ich mich verirrt habe. Ich habe ein Lied, das niemand kennt."

Dornröschen trat vor. "Jeder hat ein Lied", sagte sie sanft. "Jedes Lied hat einen Platz." Sie berührte das blaue Schaf an der Stirn, und das kleine Lied kam heraus wie ein Tropfen Wasser aus einer Quelle. Es klang fremd und schön. Die Herde lauschte. Das Lied erzählte von einem fernen Hügel, wo Schafe verschiedenster Farben zusammenblühten wie Blumen im Frühling. Langsam kamen die Worte des Liedes in die Ohren der Schafe, und die Schatten wichen.

"Lasst uns probieren", sagte Dornröschen. "Lasst uns einander unsere Lieder schenken." Ein nach dem anderen sangen sie. Die Lieder klangen anders, doch sie passten zusammen wie verschiedene Farben in einem Mosaik. Die Angst löste sich wie Nebel vor der Sonne. Die Schafe berührten sich mit den Augen, dann mit den Nasen. "Wir bitten um Verzeihung", sagte das schwarze Schaf. "Wir haben gefürchtet und geschlossen." "Und wir bitten um Willkommen", sagte das blaue Schaf. Dornröschen nickte. "So ist es richtig. Mut ist, die Hand zu reichen."

Der Zaun aus Worten und das große Fest

Sie webten ihren Zaun aus Geschichten weiter. Jeder Stein, jedes Lied, jedes Lachen machte den Zaun stärker. Er war kein Gefängnis. Er war ein Schutz, ein Regenbogenbogen, durch den nur Freundlichkeit durfte. "Der Zaun sagt: Hier wird niemand gejagt. Hier wird niemand verspottet", murmelte Dornröschen. Und die Schafe murmelten mit.

Eines Abends zog ein Sturm über den Hügel, ein Sturm, der anders war als alle. Er brachte Fragen mit sich, und die Fragen tanzten wie Blätter. "Warum sind wir anders?", flüsterte ein junges Schaf. "Warum hat man mich weggeschickt?" "Weil Menschen manchmal Angst vor Neuem haben", antwortete Dornröschen. "Aber Angst ist nur ein Flüstern. Mut ist ein lauter Trommel." Sie nahm eine Laterne und stellte sie in die Mitte der Herde. Das Licht der Laterne war warm, es war nicht stark wie die Sonne, aber es reichte.

Der Sturm wehte, doch die Laterne blieb. Die Schafe hielten sich bei den Hufen. Sie sangen ihre Lieder zusammen und spürten, wie die Angst kleiner wurde. Die Zeit danach war wie Honig: langsam, süß und reich. Dornröschen lehrte sie, die Unterschiede zu feiern. "Unterschiede sind Farben", sagte sie. "Wenn alle weiß wären, würde der Regenbogen fehlen." Die Schafe lachten und sprangen wie bunte Flocken im Wind.

Bald fand Dornröschen, dass ihr Traum wahr geworden war. Der Hügel war sicher, nicht weil Zäune hochgezogen wurden, sondern weil Herzen offen waren. Die Kinder der Nachbardörfer kamen oft, um die Herde zu sehen. Sie sahen schwarze, weiße, braune und blaue Schafe und lernten: Verschieden ist schön. Verschieden ist wertvoll. Und wenn einmal ein Kind ängstlich war, stellten sich die Schafe wie kleine Lehrer hin und flöteten ein Lied der Freundlichkeit.

Am Ende des Sommers feierten alle ein großes Fest. Der König und die Königin kamen, die Boten kamen, sogar die alten Rosen im Schloss kamen, um zu schnuppern. Dornröschen stand unter einem Bogen aus Heckenrosen. Sie sah die Herde und dachte an den ersten Morgen, als sie noch schlief. "Wach auf", flüsterten die Rosen, aber nun war sie wach und das Schloss ebenfalls. Die Menschen klatschten, die Schafe tanzten, und das blaue Schaf sang sein Lied. Alle sangen mit.

Dornröschen lächelte, und ihr Lächeln war wie Morgentau. Sie hatte ihren Traum erfüllt: Sie hatte die Herde geschützt, nicht vor Fremden, sondern vor der Angst. Der Hügel wurde ein Ort, an dem jedes Schaf, egal welche Farbe, eine Stimme hatte. Die Moral war wie ein kleines Samenkorn: Liebe und Mut wachsen, wenn man sie teilt.

Und so endete die Geschichte, wie Geschichten enden sollen: mit einem Abendstern, der über dem Hügel wachte, und mit flüsternden Rosen, die sagten: "Erinnere dich, erinnere dich: Anderssein ist kein Schatten, sondern ein Stern."

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Erwachen
Das Aufwachen aus dem Schlaf, wenn man wieder wach wird.
Rosen
Blumen mit vielen Blütenblättern und oft mit Dornen.
Herzen
Der Ort im Körper, der Blut pumpt und auch Gefühle meint.
Herde
Viele Tiere derselben Art, die zusammenlaufen, wie viele Schafe.
Fürchten
Angst haben vor etwas, sich unwohl fühlen.
Gesprenkeltes
Mit vielen kleinen Punkten oder Flecken auf der Haut oder dem Fell.
Weben
Dinge zusammenflechten, zum Beispiel Stöcke oder Fäden kreuzen.
Gebüsch
Viele kleine Sträucher und Pflanzen, dicht zusammen.
Laterne
Ein Licht in einer Hülle, das man trägt, damit man sehen kann.
Nebel
Viele winzige Wassertropfen in der Luft, die alles leicht verbergen.
Zaun
Eine Grenze aus Holz oder anderem, die etwas umschließt.
Trommel
Ein rundes Instrument, das man schlägt und das laut klingt.
Regenbogen
Bunte Bogen am Himmel nach Regen, mit vielen Farben.
Perle
Eine kleine, runde und glänzende Kugel, oft im Meer gefunden.
Flüstern
Sehr leise sprechen, kaum hörbar.
Hügel
Ein kleiner, runder Berg, nicht so hoch wie ein Berg.
Sturm
Starker Wind mit oft Regen, der sehr laut sein kann.

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