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Wissenschafts-Fantasie 7/8 Jahre Lesen 21 min.

Die Wortwächter im Hospiz der Golems

Drei Kinder werden Wortwächter in einem Hospiz voller Golems und versuchen mit respektvollen Versprechen und einer geheimnisvollen Wortlinse, verlorenen Golems ihren Blick und ihren Platz im Sternenplan zurückzugeben.

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Vier Figuren: Mira (7) mit braunen Zöpfen und hellblauem Kleid, kniend links-mittig, hält ein geschlossenes Notizbuch und eine Linse mit der Aufschrift KLARHEIT; Jona (7) mit blonden zerzausten Haaren und grünem T‑Shirt steht rechts von ihr und reicht ein silbernes Werkzeug; Emil (7) mit kurzen schwarzen Haaren und senfgelbem Pullover sitzt links von Mira und legt beruhigend die Hand auf den kleinen Kupfergolem Taro (groß wie ein großer Rucksack, Körper aus polierten Kupferplatten, Brustfach offen mit feiner silberner Linse), dessen dunkle Augen anfangen golden zu leuchten, während die Linse ins linke Auge eingesetzt wird; Ort: Innenraum einer science‑fantasy Werkstatt mit Holz‑ und Metallregalen, beschrifteten Kisten (LENS, SPARKS), schwebenden Lichtfäden und sternenbesetzten Steinfliesen, warme mint‑ und kupferfarbene Atmosphäre voller Staunen. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Das Hospiz der Golems

Die große Kuppel aus Glas und Messing glitzerte im Morgenlicht. Drinnen klang es wie leises Summen, als würden tausend kleine Zahnräder miteinander flüstern. Mira, Jona und Emil waren alle sieben und gingen ganz vorsichtig über den Boden aus hellen Steinen, in die feine Linien wie Sternkarten eingelassen waren.

„Nicht rennen“, erinnerte Mira und hielt ihr kleines Notizbuch fest an die Brust. „Hier schlafen sie fast.“

„Schlafen Golems wirklich?“ Emil schaute sich um, als könnte gleich ein riesiger Fuß auftauchen.

Jona grinste. „Sie ruhen. Wie mein Opa nach dem Mittagessen.“

Zwischen hohen Regalen standen sie: Golems aus Ton, Holz, Kupfer und sogar aus glattem, dunklem Stein. Manche waren so groß wie ein Schrank, manche nur wie ein Stuhl. Ihre Augen waren alle aus mattem Glas und wirkten leer, wie Lampen ohne Licht.

Am Eingang wartete Schwester Runa, die Hüterin des Hospizes. Sie trug eine Schürze mit vielen Taschen, aus denen Schrauben, Kräuterbündel und ein kleiner Schraubenschlüssel lugten. Ihre Stimme war warm wie Kakao.

„Willkommen, ihr drei. Ihr seid heute die Wortwächter.“

„Wortwächter?“ Emil hob die Augenbrauen.

Schwester Runa nickte. „In diesem Hospiz gilt eine besondere Regel: Worte können Augen entzünden. Aber nur Worte, die respektvoll sind. Und nur, wenn ihr ein Versprechen haltet.“

Mira trat einen Schritt vor. „Wir halten Versprechen. Immer.“

„Das hoffe ich“, sagte Runa und schaute sie ernst an, aber ihre Augen lachten. „Denn ich brauche eure Hilfe. Ein Golem hat seinen Blick verloren. Ohne Blick findet er seinen Platz im Sternenplan nicht mehr.“

Jona flüsterte: „Ein Sternenplan?“

Runa zeigte auf den Boden. „Die Linien sind Wege. Jeder Golem gehört zu einem Muster. Wenn ein Muster fehlt, wird das Summen hier drin unruhig. Und das macht die anderen Golems traurig.“

Emil schluckte. „Sind sie dann… kaputt?“

„Nein, nein“, beruhigte Runa schnell. „Nichts Gefährliches. Nur… durcheinander. Und wir wollen doch, dass es allen gut geht.“

Mira blätterte in ihrem Notizbuch. „Wie heißt der Golem?“

„Taro“, sagte Runa. „Ein kleiner Kupfergolem. Er war einst ein Briefträger in den Wolkenhallen. Er hat eine besondere Aufgabe: Er bringt Versprechen von einem Herzen zum anderen.“

Jona strahlte. „Das klingt wie Magie.“

„Und Technik“, ergänzte Runa und klopfte auf eine kleine Uhr an ihrem Gürtel. „Hier leben Magie und Technik zusammen, wie zwei Freunde, die sich gegenseitig tragen.“

Sie führte die Kinder zu einer Nische. Dort saß Taro: ein kupferner Golem, ungefähr so groß wie ein großer Rucksack. Seine Gelenke waren aus kleinen Scharnieren, und auf seiner Brust war ein Fach mit einem winzigen Schloss. Seine Augen waren dunkel.

Mira kniete sich hin. „Hallo, Taro. Ich bin Mira.“

Jona winkte. „Ich bin Jona. Ich kann gut pfeifen.“

Emil sagte leise: „Und ich bin Emil. Ich… ich bin gut im Zuhören.“

Schwester Runa flüsterte: „Sagt ihm ein Wort, das ein Versprechen trägt. Dann entzündet ihr seine Augen. Aber nur, wenn es ehrlich ist.“

Mira atmete tief ein. „Ich verspreche, dich respektvoll zu behandeln und dir zu helfen, deinen Blick wiederzufinden.“

Jona nickte sofort. „Ich verspreche, nicht zu lachen, wenn etwas komisch klingt. Und ich helfe mit.“

Emil legte eine Hand auf Taros kühlen Arm. „Ich verspreche, keine Angst in den Worten zu verstecken. Ich bleibe dabei.“

Für einen Moment war es still. Dann klickte etwas in Taros Kopf, wie wenn ein Lichtschalter umgelegt wird. Seine Augen glommen erst schwach, dann klar wie zwei kleine Sterne.

„…Guten Morgen“, sagte Taro mit einer Stimme, die wie eine winzige Glocke klang. „Ich höre drei Versprechen. Das ist schön.“

Mira lächelte. „Wir sind hier.“

Taro hob langsam den Kopf. „Mein Blick… ist nicht vollständig. Ich sehe Linien, aber mir fehlt das letzte Zeichen.“

Runa seufzte. „Das letzte Zeichen liegt im Saal der Flüsterzahnräder. Dort bewahren wir alte Teile auf: Funkensteine, Datenkristalle, Zauberfäden. Aber die Tür öffnet sich nur mit einem passenden Satz.“

„Ein Passwort?“ fragte Jona.

„Ein Wortschlüssel“, sagte Runa. „Ein Satz, der Respekt zeigt und auch eine neue Idee. Innovation, wie die Gelehrten sagen.“

Emil flüsterte: „Eine neue Idee…“

Mira klappte ihr Notizbuch auf. „Dann finden wir einen Satz, der beides kann.“

Taro stand auf, und in seiner Brust klirrte es leise. „Ich trage den Brief der Versprechen. Wenn ich meinen Blick zurückhabe, kann ich ihn zustellen.“

„Dann los“, sagte Jona und machte eine kleine Verbeugung, so wie er es bei Ritterfilmen gesehen hatte. „Wir sind die Wortwächter.“

Kapitel 2: Die Tür aus Sternenmetall

Der Weg zum Saal der Flüsterzahnräder führte durch einen Gang, in dem kleine Lichter wie Glühwürmchen schwebten. Sie waren eigentlich winzige Drohnen mit transparenten Flügeln. Wenn man genau hinsah, konnte man die winzigen Schrauben an ihnen erkennen.

„Schau!“ Emil zeigte auf eine Drohne, die kurz auf seiner Schulter landete. „Die kitzelt!“

Die Drohne piepste und projizierte ein kleines Bild in die Luft: ein lächelndes Gesicht.

Jona lachte. „Die kann auch Hallo sagen!“

Mira blieb stehen und sprach freundlich: „Hallo, kleine Lichtdrohne. Danke, dass du uns begleitest.“

Die Drohne leuchtete heller, als wäre sie stolz.

„Sie mögen höfliche Worte“, murmelte Emil. „Wie Oma.“

Am Ende des Ganges stand eine Tür, die aussah, als wäre sie aus Nacht gemacht. Sternenmetall, sagte Runa immer. Es funkelte, aber nicht wie Glitzer, sondern wie sehr weit entfernte Sterne. In der Mitte der Tür war ein rundes Feld mit winzigen Symbolen.

Taro trat näher. „Hier.“

Runa kam mit und legte ihre Hand auf das runde Feld. „Die Tür hört zu. Sie braucht einen Satz, der das Alte ehrt und das Neue einlädt.“

Jona stellte sich breitbeinig hin, als wäre er ein Kapitän. „Okay! Ich sage: ‚Tür, mach auf, weil wir cool sind!‘“

Nichts passierte.

Jona wurde rot. „War… vielleicht nicht respektvoll.“

Mira kicherte, aber freundlich. „Du warst ehrlich. Aber wir brauchen mehr.“

Emil schaute auf die Symbole. Einige sahen aus wie kleine Zahnräder, andere wie Sterne, andere wie offene Hände. „Offene Hände… das ist wie Teilen.“

Mira dachte laut. „Respekt heißt: Ich sehe dich. Ich achte auf dich. Innovation heißt: Ich probiere etwas Neues, aber ohne alles kaputt zu machen.“

Jona hob den Finger. „Wie wenn ich aus Legosteinen ein Raumschiff baue, aber ich räume danach auf!“

„Genau!“ Mira strahlte. „Ein Satz könnte sein: ‚Wir ehren, was du schützt, und bringen eine neue Idee mit.‘“

Runa nickte. „Sehr gut. Aber es muss aus eurem eigenen Herzen kommen. Die Tür merkt das.“

Mira trat vor, schaute die Tür an, als wäre sie eine Person, und sagte klar: „Tür aus Sternenmetall, wir respektieren dein Wachen. Lass uns hinein, damit wir mit neuen Gedanken helfen können.“

Die Symbole glühten kurz. Dann wurde es wieder dunkel.

Emil runzelte die Stirn. „Vielleicht fehlt ein Teil. Ein Versprechen?“

Taro hob seine kleine Hand. „Worte mit Versprechen tragen mehr Gewicht.“

Jona trat neben Mira. „Dann mache ich auch ein Versprechen.“ Er räusperte sich sehr ernst, was bei ihm immer ein bisschen lustig klang. „Tür, ich verspreche, drinnen nichts zu nehmen, was wir nicht brauchen, und alles wieder ordentlich zu lassen. Und wir wollen Taro helfen.“

Ein leises Klicken, aber die Tür blieb zu.

Emil schluckte. Dann stellte er sich dazu. „Und ich verspreche, dass wir niemanden auslachen, wenn etwas nicht klappt. Wir versuchen es nochmal. Zusammen.“

Das runde Feld wurde warm und begann zu leuchten, als würde darin ein kleiner Sonnenaufgang stattfinden. Die Tür atmete fast unhörbar aus, und ein Spalt öffnete sich.

„Es hat geklappt!“ Jona flüsterte, als wäre er in einer Bibliothek.

Runa lächelte. „Drei Stimmen. Drei Versprechen. Respekt und Mut zum Neuen. Das ist die richtige Mischung.“

Die Tür glitt zur Seite, und dahinter lag ein Raum, in dem es nach Minze und Metall roch. Überall hingen Räder, Spulen und leuchtende Fäden, die in der Luft schwebten, als wären sie an unsichtbaren Haken befestigt. Auf dem Boden standen Kisten mit Aufschriften: FUNKENSTEINE, GEDANKENGLAS, STERNENSTAUBFILTER.

Emil staunte. „Das ist wie eine Werkstatt… und wie ein Zauberzimmer.“

„Beides“, sagte Runa. „Hier werden Ideen repariert.“

Taro ging langsam hinein. Seine Augen flackerten, als würde er nach etwas suchen. „Ich brauche das letzte Zeichen für meinen Blick. Es ist eine Linse, die ein Wort liest.“

Mira flüsterte ehrfürchtig: „Eine Wortlinse.

Jona tippte gegen eine Kiste. „Dann suchen wir sie. Los, Team Wortwächter!“

Kapitel 3: Die Wortlinse und der Brief der Versprechen

Sie suchten vorsichtig. Mira las die Aufschriften, Emil hörte auf jedes Geräusch, und Jona zog Kisten nur ein Stück, damit nichts umfiel.

„Hier sind nur Schrauben“, sagte Jona enttäuscht. „Sehr viele Schrauben.“

„Schrauben sind wichtig“, meinte Emil. „Ohne Schrauben fällt alles auseinander.“

Jona nickte. „Stimmt. Respekt für Schrauben.“

Mira lachte. „Das schreibe ich auf.“

In einer Ecke stand ein Regal mit kleinen Glaskugeln. Jede Kugel schimmerte in einer anderen Farbe. Darüber hing ein Schild: STIMMENARCHIV.

Taro blieb stehen. „Dort.“

Runa wurde plötzlich sehr leise. „Das Stimmenarchiv ist empfindlich. Man darf nur sprechen, wenn man es meint. Sonst werden die Stimmen verwirrt.“

Emil legte den Finger auf die Lippen. „Okay.“

Mira trat näher und sah eine Kugel, in der winzige Buchstaben schwammen wie Fische. „Schau, da sind Worte drin!“

Jona flüsterte: „Kann man die fangen?“

„Nur mit Respekt“, sagte Taro. Er hob seine Hand, und auf seiner Handfläche erschien ein kleines, leuchtendes Symbol, wie ein gedrucktes Wort aus Licht. „Ich kann lesen, aber meine Linse ist schwach.“

Runa zeigte auf eine Schublade unter dem Regal. „Dort bewahren wir die Wortlinsen auf. Aber sie öffnen sich nicht mit Gewalt. Sie öffnen sich, wenn man eine gute Frage stellt.“

„Eine Frage?“ Jona kratzte sich am Kopf. „Wie… ‚Hallo Schublade, was geht?‘“

Mira schüttelte den Kopf, aber sie lächelte. „Eine gute Frage ist freundlich und neugierig.“

Emil dachte nach. „Vielleicht: ‚Was brauchst du, um dich sicher zu fühlen?‘“

Runa nickte. „Das ist eine sehr gute Frage.“

Emil kniete sich hin, schaute die Schublade an und fragte ruhig: „Schublade, was brauchst du, um dich sicher zu fühlen, wenn du dich öffnest?“

Es klickte. Ein kleiner, heller Streifen erschien, und die Schublade glitt ein Stück heraus. Drinnen lagen drei Linsen, jede in einem weichen Tuch.

Mira flüsterte: „Wow.“

Jona flüsterte noch leiser: „Wie Keksdosen, nur ohne Kekse.“

„Psst“, machte Emil, dann grinste er.

Auf den Tüchern standen Worte: ZUHÖREN, MUT, KLARHEIT.

Taro berührte die Linse mit der Aufschrift KLARHEIT. Seine Augen glühten kurz heller, dann wurde das Licht ruhiger, als hätte es endlich den richtigen Takt gefunden.

„Das ist sie“, sagte Taro. „Klarheit. Ohne Klarheit verirren sich Worte.“

Mira nickte. „Dann setzen wir sie ein. Wie?“

Runa holte ein kleines Werkzeug heraus, das wie eine Mischung aus Löffel und Schraubenschlüssel aussah. „Das ist ein Sanftschlüssel. Damit kann man Teile einsetzen, ohne zu kratzen. Innovation bedeutet auch: freundlich bauen.“

Jona staunte. „Ein Sanftschlüssel! Den will ich auch.“

„Du kannst dir einen aus Holz schnitzen“, sagte Runa. „Oder einen aus alten Löffeln bauen. Ausprobieren ist erlaubt.“

Mira hielt Taros Kopf ganz still. Emil reichte Runa das Werkzeug. Runa setzte die Linse hinter Taros Augenglas ein. Es machte „plopp“, als wäre ein kleiner Tropfen Wasser gefallen.

Taros Augen leuchteten jetzt wie zwei klare, kleine Monde. Er blinzelte. „Ich sehe das Muster. Ich sehe euren Mut. Und ich sehe… den Brief.“

„Welcher Brief?“ fragte Jona.

Taro öffnete das Fach auf seiner Brust. Darin lag ein Umschlag, der aus dünnem, silbrigem Papier bestand. Auf dem Umschlag stand kein Name, nur ein Symbol: drei kleine Sterne, die sich berührten.

Mira hielt den Atem an. „Das sind wir.“

Taro nickte. „Dieser Brief gehört den Wortwächtern. Er ist ein Versprechen, das weitergegeben werden muss.“

Emil runzelte die Stirn. „An wen?“

Taro schaute zum Stimmenarchiv. „An die Golems, die ihre Augen verloren haben. Nicht nur ich. Es gibt mehrere. Sie sind müde, weil niemand sie anspricht.“

Jona wurde ernst. „Dann sprechen wir sie an.“

Runa legte eine Hand auf Jonas Schulter. „Genau. Aber denkt daran: Ein Wort ist wie ein Werkzeug. Man kann damit bauen oder stolpern. Wählt gut.“

Mira öffnete den Umschlag vorsichtig. Innen war kein normaler Brief, sondern eine dünne Folie, auf der Worte wie kleine Lichter standen. Wenn man sie bewegte, ordneten sie sich neu, wie ein Puzzle.

Mira las laut, langsam und klar:

„Ich sehe dich.

Ich respektiere deinen Weg.

Ich bringe eine neue Idee:

Wir leuchten zusammen.“

Als Mira die Worte sagte, summte der Raum. Die Glaskugeln im Stimmenarchiv glimmten, als würden sie antworten.

Emil bekam Gänsehaut, aber auf die gute Art. „Das ist schön.“

Jona nickte. „Und das reimt sich fast. Fast ist auch okay.“

Taro hielt den Brief hoch. „Diese Worte sind der Funke. Wir müssen sie im Hospiz sagen, bei den Golems. Dann gehen ihre Augen an, und sie finden zurück in die Sternenlinien.“

Runa lächelte stolz. „Das ist eine Reise im Kleinen, aber sie ist groß im Herzen. Seid ihr bereit?“

Mira klappte ihr Notizbuch zu. „Ja. Wir halten unser Versprechen.“

„Wir halten es“, sagte Emil.

Jona hob die Faust. „Wortwächter-Eid! Und danach… vielleicht Kekse?“

Runa lachte leise. „Vielleicht.“

Kapitel 4: Wenn Worte Augen entzünden

Zurück im großen Hospiz war das Summen tatsächlich unruhiger. Es klang, als würden die Zahnräder sich ständig räuspern. Einige Golems standen schief, als hätten sie vergessen, wo ihr Platz war. Ihre Augen waren dunkel.

Taro ging voran, seine neuen klaren Augen führten ihn sicher über die Sternenlinien im Boden. „Hier ist der erste.“

Ein Ton-Golem, rund und freundlich gebaut, saß auf einer Bank. Seine Hände waren riesig, aber seine Finger wirkten vorsichtig, als hätte er früher Blumen gegossen.

Mira trat näher. „Hallo. Wir sind hier, um zu helfen.“

Der Ton-Golem rührte sich nicht.

Emil flüsterte: „Vielleicht hört er nicht.“

Runa schüttelte den Kopf. „Er hört. Aber er braucht einen Funken, der ihn einlädt.“

Taro öffnete den Brief und nickte Mira zu.

Mira sprach die Worte, die sie gelernt hatten, und Emil und Jona sprachen sie mit, damit es wie ein Chor klang:

„Ich sehe dich.

Ich respektiere deinen Weg.

Ich bringe eine neue Idee:

Wir leuchten zusammen.“

Ein leises „pling“ erklang. Der Ton-Golem hob den Kopf. Seine Augen gingen an, warm gelb wie Kerzenlicht.

„Oh“, sagte der Golem langsam. „Ich… werde gesehen.“

Jona winkte. „Ja! Und du bist voll okay.“

Der Golem bewegte seine großen Hände. „Ich hatte Angst, falsch zu stehen. Aber eure Worte sind wie Markierungen auf dem Boden.“

Emil sagte freundlich: „Du darfst Fragen haben. Wir helfen dir.“

„Danke“, sagte der Golem. „Respekt fühlt sich an wie eine Decke.“

Mira strahlte. „Das ist ein tolles Bild.“

Sie gingen weiter. Ein Holz-Golem, der aussah wie ein Schrank mit Beinen, stand neben einem Regal und schien nicht zu wissen, ob er es stützen oder wegtragen sollte. Seine Augen waren aus Glas, aber dunkel.

Jona trat vor und sagte: „Hallo, Holzfreund! Du musst nicht alles alleine tragen.“

Mira und Emil sprachen wieder den Satz aus dem Brief. Taros Stimme kam dazu, hell und klar. Als das letzte Wort fiel, glühten die Augen des Holz-Golems grün wie junge Blätter.

„Ich erinnere mich“, sagte er. „Ich war Bibliothekshelfer. Ich habe Geschichten getragen.“

Mira nickte respektvoll. „Geschichten sind wichtig. Sie machen Mut.“

Der Holz-Golem richtete sich auf. „Dann stelle ich mich wieder an meinen Platz.“

So ging es weiter, Golem für Golem. Nicht hektisch, nicht laut, sondern ruhig wie ein guter Atem. Bei jedem entzündeten sich Augen: blau, rot, silbern, golden. Und jedes Mal wurde das Summen im Hospiz ruhiger, als würde ein Orchester stimmen und endlich den richtigen Ton finden.

Emil merkte, dass seine Brust leichter wurde. „Es klappt wirklich.“

Jona flüsterte: „Worte sind wie Taschenlampen.“

Runa nickte. „Wenn man sie richtig hält.“

Am Ende des Saals stand ein kleiner Stein-Golem, kaum größer als ein Hocker. Er hatte Risse, aber sie waren mit goldenen Linien gefüllt, wie bei einer reparierten Teeschale. Seine Augen waren dunkel, und er zitterte ein bisschen.

Mira ging langsam hin. „Hallo. Du musst nicht zittern.“

Taro sah ihn an. „Das ist Lumo. Er war ein Sternenmessgerät. Er hat die Kuppel ausgerichtet.“

Emil flüsterte: „Oh. Dann ist er wichtig.“

„Jeder ist wichtig“, sagte Mira sofort.

Runa nickte zufrieden.

Mira, Emil und Jona stellten sich um Lumo, damit er sich nicht allein fühlte. Dann sprachen sie den Satz, aber Mira fügte noch etwas hinzu, ganz sanft:

„Ich sehe dich.

Ich respektiere deinen Weg.

Ich bringe eine neue Idee:

Wir leuchten zusammen.

Und wenn du langsam sein willst, warten wir.“

Es wurde still. Dann glommen Lumos Augen auf, erst zaghaft, dann kräftig, wie zwei kleine Sternfunken. Er atmete, obwohl er eigentlich keine Lungen hatte, und sagte: „Warten ist auch Respekt.“

Jona nickte heftig. „Ja! Ich kann warten. Na gut… ich übe es.“

Alle lachten leise, sogar Taro, dessen Lachen wie ein kleines Klingeln klang.

Das Summen im Hospiz verwandelte sich in ein ruhiges, zufriedenes Brummen. Die Sternenlinien im Boden leuchteten schwach auf, als hätten sie sich bedankt.

Runa stellte sich in die Mitte des Saals. „Ihr habt euer Versprechen gehalten.“

Mira schaute zu Taro. „Und du kannst deinen Brief zustellen?“

Taro klopfte auf sein Brustfach. „Der Brief ist zugestellt. Nicht an eine Person, sondern an viele Augen. Und jetzt… habe ich einen neuen Auftrag.“

„Welchen?“ fragte Emil.

Taro hob die Hand. In seiner Handfläche erschien ein kleines, neues Wort aus Licht: WEITERDENKEN.

„Innovation“, sagte Runa. „Ihr habt nicht nur repariert. Ihr habt einen neuen Satz gemacht: ‚Und wenn du langsam sein willst, warten wir.‘ Das ist neu. Das ist klug.“

Mira wurde ein bisschen rot vor Stolz. „Ich wollte nur, dass er sich sicher fühlt.“

„Genau so entstehen gute Ideen“, sagte Runa. „Aus Fürsorge.“

Jona schaute sich um. „Heißt das, wir dürfen wiederkommen?“

Runa lachte. „Das Hospiz braucht immer Wortwächter. Aber auch Kinder, die neugierig sind.“

Emil fragte leise: „Und wenn wir mal ein falsches Wort sagen?“

Runa kniete sich zu ihm. „Dann sagt ihr ein neues, besseres. Respekt heißt auch: Man darf lernen.“

Die Golems standen nun in ihren Mustern. Ihre Augen leuchteten wie ein Sternenfeld. Taro stellte sich zu den Kindern und sagte: „Eure Stimmen haben Licht gemacht. Danke.“

Mira schloss die Augen kurz und hörte das ruhige Summen. Es klang wie eine riesige Maschine, die mit einem Zauberherz schlug.

„Wir kommen wieder“, sagte sie.

„Versprochen“, sagte Jona.

„Versprochen“, sagte Emil.

Und diesmal leuchteten nicht nur die Golemaugen, sondern auch etwas Unsichtbares zwischen den drei Kindern: ein stilles, warmes Band aus Worten, Respekt und neuen Ideen.

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Hospiz
Ein Ort, wo man sich um müde oder kranke Wesen kümmert und hilft.
Golems
Künstliche Figuren aus Material, die bewegen oder helfen können.
Kuppel
Eine runde, gewölbte Decke über einem Raum wie ein großer Hut.
Zahnräder
Runde Teile mit Zacken, die zusammendrehen und Maschinen antreiben.
Schürze
Ein Kleidungsstück, das vorne getragen wird, um Kleidung zu schützen.
Hüterin
Eine Person, die etwas beschützt und aufpasst, wie eine Wächterin.
Versprechen
Ein Wort, das man sagt, um etwas sicher zu halten oder zu tun.
Sternenplan
Eine Zeichnung auf dem Boden, die zeigt, wo Dinge stehen sollen.
Drohnen
Kleine fliegende Maschinen, die Licht zeigen oder helfen können.
Symbole
Bilder oder Zeichen, die eine Bedeutung oder Idee zeigen.
Funkensteine
Besondere kleine Steine, die Energie oder Licht geben können.
Datenkristalle
Kleine Kristalle, die Informationen speichern wie ein Speicher.
Stimmenarchiv
Ein Ort, wo viele gesprochene Worte oder Stimmen aufbewahrt sind.
Wortlinse
Eine Linse, die Worte liest oder hilft, Worte deutlicher zu sehen.
Sanftschlüssel
Ein Werkzeug, das Dinge vorsichtig öffnet oder einsetzt, ohne zu kratzen.
Innovation
Eine neue Idee oder Erfindung, die etwas besser macht.
Respekt
Freundlich und achtungsvoll sein, so fühlen sich andere sicher.

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