Kapitel 1: Keksdosen-Krach um Punkt sieben
Ich heiße Klack, bin eine Brotdose mit orangefarbenem Deckel und wohne in einem Rucksack, der nach Turnhalle und Apfel riecht. Mein Zwilling heißt Klick. Wir sehen gleich aus, nur dass Klick einen winzigen Kratzer hat, der aussieht wie ein Komma.
„Komma-Gesicht!“, rufe ich.
„Deckel-Diva!“, schnappt Klick zurück.
Wir liegen beide auf dem Küchentisch, direkt neben einem Berg aus Socken, Comics, Ladekabeln und einem ziemlich mutigen Stück Brokkoli, das offenbar aus dem Gemüsefach geflohen ist.
„Heute ist Aufräumtag“, sagt unsere Besitzerin Mia und schiebt ihre Brille hoch. „Und ihr zwei helft. Mission: ‘Aufräumen im Tanzmodus'.“
„Tanzen?“, fragt ihr Bruder Tom und versucht, seinen Fuß wie eine Discokugel zu drehen. Es sieht eher aus wie ein Wackelpudding auf Eis.
Klick flüstert: „Die meinen doch nicht… wirklich…“
Doch. Mia klatscht in die Hände. „Regel eins: Alles wird nur aufgehoben, wenn man dabei mindestens einen Tanzschritt macht.“
„Und wenn man aus Versehen hinfällt?“, fragt Tom.
„Dann zählt es als Breakdance“, sagt Mia streng.
Ich spüre, wie mein Deckel vor Aufregung ein kleines „Plopp!“ macht. Endlich mal Action! In der Schule bin ich meistens nur still und halte ein Käsebrot aus.
„Okay“, sage ich zu Klick, „wir zeigen denen, wie man richtig ordentlich… äh… tanzt.“
Klick schnaubt. „Solange du nicht wieder den ‘Schüttel-den-Deckel'-Move machst. Danach hatte ich drei Tage lang Krümel im Scharnier.“
„Das war Kunst!“
Mia dreht die Musik auf. Ein Beat hüpft durch die Küche wie ein Gummiball: Bumm-tschack, bumm-tschack.
Und dann geht's los.
Tom schnappt sich eine Socke, macht einen Moonwalk und… zack! Die Socke landet im Mülleimer.
„Falsch!“, ruft Mia. „Socken sind keine Bananenschalen!“
„Ich hab nur… aus Versehen…“, stammelt Tom, während er schnell wieder rückwärts moonwalkt und die Socke rettet.
Klick und ich werden geschnappt, jeder in einer Hand. Mia hält mich hoch wie ein Mikrofon. „Klack, du bist heute der Ansager!“
Ich räuspere mich, so gut eine Brotdose das kann. „Achtung, Achtung! Bitte alle Gegenstände— äh— alle Sachen— äh— alle… Dingsis… in die richtigen Orte! Im Rhythmus!“
Klick flüstert: „Du bist nervös.“
„Bin ich nicht. Mein Deckel ist nur… lebhaft.“
Der Brokkoli rollt gefährlich nah an den Rand des Tisches. Tom macht einen dramatischen Sprung, ruft „Hiii-yaa!“ und fängt ihn wie einen Fußball.
„Gerettet!“, jubelt er.
„Brokkoli in die Küche“, sagt Mia.
„Das ist die Küche“, sagt Tom.
„In den Kühlschrank“, korrigiert Mia.
Wir kichern beide. Also Klick und ich. Innerlich. Äußerlich klingt es eher wie „Klick-klack“.
Als der Sockenberg schrumpft und der Comicstapel endlich nicht mehr aussieht wie ein schiefer Turm, atmet Mia erleichtert aus. „So. Und jetzt fehlt nur noch die Kiste mit…“
Tom zieht eine Grimasse. „Mit diesen… Partytröten vom letzten Geburtstag?“
Mia nickt. „Genau. Die müssen zurück in den Schrank. Und…“ Sie schaut zu uns. „Ihr zwei kommt mit. Wir brauchen Nachschub an… Motivation.“
Klick hebt seinen Deckel ein Stück. „Motivation?“
Mia grinst. „Wir gehen in den Laden für Scherzartikel.“
Ich höre das Wort „Scherzartikel“ und mein Scharnier kribbelt. Ein Laden voller Quietschesachen, Konfetti und garantiert mindestens ein Gummihuhn.
„Mission ‘Aufräumen im Tanzmodus' bekommt ein Upgrade!“, rufe ich.
Klick seufzt, aber ich sehe, wie sein Komma-Kratzer fast lächelt.
Kapitel 2: Der Laden, der nach Kaugummi und Chaos riecht
Der Scherzartikelladen heißt „Lach-Labor“. Schon das Schaufenster ist eine Warnung: Ein falscher Bart winkt, eine Gummispinne hängt an einem Faden und ein Schild blinkt: „Betreten auf eigene Kichergefahr!“
Tom drückt die Nase an die Scheibe. „Da drin lebt bestimmt ein Clown.“
„Oder fünf“, sagt Mia.
Als wir eintreten, macht eine versteckte Matte „Piep!“. Dann „Tröööt!“ Dann „Miau!“. Tom springt zur Seite.
„Das war der Boden!“, ruft er empört. „Der Boden hat mich angemauzt!“
Ein Verkäufer kommt um die Ecke. Er trägt eine Fliege, die aussieht, als hätte sie gerade einen Witz gehört. „Willkommen im Lach-Labor! Darf ich Ihnen ein… höfliches Quietschen anbieten?“
„Wir suchen… äh… Motivation“, sagt Mia.
Der Verkäufer nickt ernst, als wäre Motivation ein seltener Käse. „Dann empfehle ich: den ‘Tanz-Besen 3000'—“
„Gibt's auch was ohne Besen?“, fragt Tom.
„Oder ohne 3000?“, murmelt Mia.
Ich sehe sie: eine ganze Wand voller Sachen, die nur dafür gemacht sind, dass jemand „Hä?!“ sagt. Furzkissen in allen Größen. Eine Dose mit der Aufschrift „Unsichtbarer Tinte— nicht trinken“. Und ein Regal nur für Dinge, die „Plopp!“ machen.
Klick und ich werden auf den Tresen gesetzt. Neben uns liegt ein Gummihuhn, das so guckt, als hätte es schon alles gesehen.
„Du bist neu“, flüstere ich dem Huhn zu.
Das Huhn antwortet nicht, aber ich schwöre, es blinzelt.
Tom entdeckt ein Set aus Mini-Konfetti-Kanonen. „Damit könnten wir beim Aufräumen die Socken… feiern?“
„Oder die Socken damit erschrecken“, sagt Mia.
Der Verkäufer schiebt eine Schachtel heran. „Hier: ‘Die tanzende Ordnung'. Enthält: Klebe-Füße für Möbel, eine Musik-Tröte und—“
„Eine Tröte?“, fragt Tom und leuchtet wie eine Taschenlampe.
„Eine sehr ernsthafte Tröte“, sagt der Verkäufer.
Klick beugt sich zu mir. „Wetten, Tom drückt sie gleich?“
Tom drückt sie gleich.
„TRÖÖÖÖT!“
Im Laden wackeln die falschen Schnurrbärte.
Eine ältere Dame am Regal mit den Zauberstiften zuckt zusammen, dann lacht sie. „Oh, das erinnert mich an meinen Mann. Der hat auch immer… Tröööt.“
Tom wird rot. „Sorry! Die Tröte hat angefangen!“
Mia hält die Schachtel hoch. „Die nehmen wir. Aber nur, wenn wir uns über eine Sache einig sind: Wer von euch beiden—“ sie schaut Tom und sich selbst an „—ist zuhause für die Partytröten zuständig?“
Tom verschränkt die Arme. „Ich? Nie im Leben. Die kleben immer am Mund fest.“
„Das stimmt nicht“, sagt Mia. „Du hast nur einmal versucht, damit gleichzeitig zu reden und zu pusten.“
„Das war ein Experiment!“
Klick und ich tauschen einen Blick. Das wird gut.
Der Verkäufer hebt einen Finger. „Konflikte löst man hier im Lach-Labor traditionell mit…“
„Nicht mit einem Furzkissen, bitte“, sagt Mia schnell.
„… mit Schere-Stein-Papier“, beendet er feierlich und zieht tatsächlich eine kleine, goldene Schere aus der Tasche. „Symbolisch.“
Tom grinst. „Okay. Entscheidend. Ein für alle Mal.“
Mia nickt. „Eins, zwei, drei…“
Ich flüstere Klick zu: „Wenn Tom verliert, trötet er trotzdem. Nur aus Trotz.“
Klick flüstert zurück: „Wenn Mia verliert, organisiert sie es so, dass Tom trotzdem trötet. Aus… Planung.“
„Schere… Stein… Papier!“
Mia zeigt Papier. Tom zeigt Stein.
„Yes!“, ruft Mia und macht einen Siegestanz, der aussieht wie ein zufriedener Pinguin.
Tom starrt seine Hand an, als hätte sie ihn verraten. „Mein Stein… war zu nett.“
Der Verkäufer nickt, als sei das eine tiefgründige Erkenntnis. „Der Stein der Freundlichkeit. Sehr selten.“
Tom seufzt dramatisch. „Na gut. Ich bin zuständig. Aber nur, wenn ich beim Aufräumen den DJ spielen darf.“
„Deal“, sagt Mia.
Und so wird ein Spiel entschieden, das unser Wohnzimmer später verändern wird.
Kapitel 3: Das große Tröten-Ballett im Wohnzimmer
Zuhause schüttet Tom die Partytröten-Kiste auf den Teppich. Es klingt wie ein Schwarm sehr aufgeregter Enten.
„Wir brauchen eine Strategie“, sagt Mia und stellt die Schachtel ‘Die tanzende Ordnung' daneben.
Klick und ich liegen auf dem Sofa und tun so, als seien wir sehr wichtig.
Tom nimmt eine Tröte, setzt sie an— und Mia hebt warnend den Zeigefinger. „Regel zwei: Jede Tröte darf nur ertönen, wenn etwas ordentlich weggepackt wird.“
„Das ist… grausam“, sagt Tom.
„Das ist… genial“, sage ich.
„Du bist eine Brotdose“, sagt Tom.
„Und du bist ein Mensch, der gerade mit einer Tröte diskutiert“, kontere ich.
Tom blinzelt. „Hast du… gesprochen?“
Mia klopft Tom auf die Schulter. „Er hat… Dosen-Charisma.“
Klick raunt: „Du wirst noch auffliegen.“
„Ich? Niemals. Ich bin verschlossen“, sage ich stolz und mache ein zufriedenes „Klack“.
Tom legt Musik auf. Diesmal ist es schneller. Der Beat hüpft durchs Zimmer wie ein Kaninchen mit Koffein.
Mia macht die ersten Moves: Sie schnappt sich ein Ladekabel, dreht es wie ein Lasso und lässt es in der Schublade verschwinden. „TRÖÖÖT!“ ruft Tom als Belohnung.
Das Geräusch ist so laut, dass sogar der Brokkoli im Kühlschrank wahrscheinlich kurz zusammenzuckt.
Tom räumt ein paar Comics weg und trötet gleich zweimal, „weil es so gut gelaufen ist“. Mia hebt eine Augenbraue. Tom trötet leiser. Also… ein bisschen.
Dann kommt die Kiste mit den Tröten dran.
„Okay“, sagt Tom, „ich mach das. Ich bin zuständig. Ich bin… der Tröten-Hirte.“
Er nimmt eine Handvoll Tröten und versucht, sie in die Kiste zu stopfen. Eine Tröte entfaltet sich dabei plötzlich und schnellt nach vorne wie eine kleine Schlange.
„PFFFT-PLOP!“ macht sie und klebt an seiner Wange.
Tom erstarrt. „Sie… sie hat mich ausgewählt.“
Mia lacht so sehr, dass sie sich am Regal festhalten muss. „Du siehst aus wie ein sehr verwirrter Elefant.“
„Nimm. Das. Ding. Weg“, nuschelt Tom, weil die Tröte seinen Mundwinkel nach außen zieht.
Ich flüstere Klick zu: „Sag nichts. Genieß den Moment.“
Klick flüstert zurück: „Ich genieße. Innerlich.“
Mia versucht, die Tröte abzulösen, aber sie macht dabei „SCHLÖÖRP“, als würde sie Tom einen Abschiedskuss geben.
Tom stolpert rückwärts, tritt auf ein Furzkissen— offenbar aus dem Lach-Labor, das jemand heimlich aus der Tüte hat rutschen lassen— und es macht: „PFFFFFFT!“
Stille.
Dann bricht Mia in Lachen aus. Tom versucht ernst zu bleiben. Es klappt nicht.
„Das war nicht ich!“, sagt Tom.
„Doch“, sagt Mia, „das war dein Fuß. Der hat… gesprochen.“
Ich kann nicht mehr. Mein Deckel springt auf und zu. „Klack-klack-klack!“
Klick macht ein trockenes „Klick“. Das ist bei ihm schon ein Lachanfall.
Tom steht da, Tröte an der Wange, Furzkissen unter dem Fuß, und sagt: „Das ist die schlimmste Aufräum-Mission aller Zeiten.“
„Die beste“, korrigiert Mia und wischt sich Tränen aus den Augen. „Weiter! Noch drei Ecken!“
Sie teilen das Zimmer in Zonen auf: Sofa-Ecke, Schreibtisch-Ecke, „geheimnisvolle Ecke hinter dem Vorhang“.
In der geheimnisvollen Ecke finden sie— natürlich— ein zweites Furzkissen.
„Wie viele habt ihr gekauft?“, fragt Mia.
Tom guckt unschuldig. „Ich dachte, das sind Sitzkissen. Für… Gäste.“
„Für Gäste, die nie wieder kommen sollen“, sagt Mia.
Sie räumen weiter. Jeder Gegenstand bekommt einen Tanzschritt: Bücher werden gewirbelt, Stifte werden getrommelt, Socken werden mit einer Pirouette in den Korb geworfen. „Wusch! Zing! Plopp!“
Und jedes Mal: „TRÖÖÖT!“
Nach einer Weile sagt Klick leise zu mir: „Weißt du, was komisch ist?“
„Dass Tom freiwillig aufräumt?“, frage ich.
„Dass sie sich gar nicht mehr streiten. Nur… lachen.“
Ich schaue zu Mia und Tom. Tom hält Mia plötzlich eine Tröte hin wie ein Mikrofon. „Sag was, DJ-Chefin.“
Mia räuspert sich dramatisch. „Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Das Wohnzimmer wird… fast… bewohnbar!“
Tom verbeugt sich. „Wir danken für den Applaus.“
Dann passiert das einzig Gefährliche an so viel Spaß: Sie werden übermütig.
Kapitel 4: Der Streich, der zurückwackelt
„Wir könnten“, sagt Tom und senkt die Stimme, „den ultimativen Aufräum-Abschluss-Streich machen.“
Mia kneift die Augen zusammen. „Ultimativ ist ein großes Wort. Was genau?“
Tom holt aus der Schachtel ‘Die tanzende Ordnung' zwei kleine Klebe-Füße. Sie sehen aus wie winzige Turnschuhe.
„Wir kleben die unter…“, flüstert er und zeigt auf den Staubsauger.
Mia starrt den Staubsauger an, als sei er ein schlafender Drache. „Dann… tanzt er?“
„Er wackelt zumindest“, sagt Tom. „Und wenn Papa nachher saugen will, macht der Staubsauger… den Cha-Cha.“
Mia beißt sich auf die Lippe. Sie will streng sein. Wirklich. Aber ihr Grinsen gewinnt. „Okay. Aber harmlos. Versprochen.“
„Harmlos wie ein Kissen“, sagt Tom.
Klick flüstert: „Das ist die klassische Vorstufe zum Chaos.“
Ich flüstere zurück: „Aber lustiges Chaos.“
Sie kleben die Mini-Füße darunter. Der Staubsauger sieht plötzlich aus, als hätte er heimlich Beine bekommen.
Tom stellt ihn an. „Brrrrrrr!“
Der Staubsauger vibriert. Und dann— wackelt er. Erst nur ein bisschen. Dann macht er tatsächlich eine kleine Drehung.
„Er tanzt!“, kreischt Tom.
„Er zittert!“, lacht Mia.
Doch dann saugt der Staubsauger etwas ein. Etwas Langes. Etwas Flatterndes.
Die Trötenkette.
„Oh nein“, sagt Mia.
„Oh ja“, sagt Tom, bevor er versteht, was passiert.
Der Staubsauger zieht eine Tröte nach der anderen ein. Dabei macht jede Tröte ein Geräusch, als würde sie protestieren:
„TRÖT— TRÖÖ— TRÖ—“
Es klingt, als würde ein Elefantenorchester in einen Mixer fallen.
Tom springt vor, will den Staubsauger ausschalten, rutscht aber auf einem einzelnen Konfetti-Schnipsel aus (wer hat den da hingelegt? Niemand. Natürlich niemand) und landet mit einem „WUMMS“ auf dem Teppich.
Mia versucht zu helfen, aber lacht so sehr, dass sie nur noch „Warte— ich— ich kann nicht—“ herausbekommt.
Ich rufe: „Notfallplan! Deckel zu und Ruhe bewahren!“
„Du bist eine Dose!“, ruft Tom, diesmal fast bewundernd.
Klick ruft: „Schnell! Stecker ziehen!“
Mia schafft es, den Stecker zu ziehen. Der Staubsauger verstummt. Eine letzte Tröte hängt halb im Schlauch und macht ein trauriges „Pffft“.
Stille.
Dann sagt Tom: „Wir haben die Tröten… aufgeräumt. Im Staubsauger.“
Mia setzt sich auf den Boden und lacht wieder. „Das zählt. Irgendwie.“
Tom zupft die halb verschluckte Tröte heraus. Sie ist etwas zerknittert und sieht beleidigt aus.
„Wir müssen Papa das erklären“, sagt Mia.
Tom hebt beide Hände. „Oder wir machen so, als wäre das… moderne Kunst.“
Klick flüstert: „Jetzt kommt Streit.“
Ich schaue. Mia und Tom sehen sich an. Beide haben Konfetti im Haar. Beide kämpfen mit einem Grinsen.
„Okay“, sagt Mia, „wir sagen die Wahrheit. Zusammen.“
Tom nickt. „Zusammen. Weil… sonst klingt's wie eine Ausrede.“
„Genau“, sagt Mia. „Und außerdem—“ Sie stupst ihn mit dem Ellenbogen. „War's irgendwie… unser gemeinsamer Mist.“
Tom grinst. „Gemeinsamer Mist ist halb so schlimm.“
„Und doppelt so lustig“, ergänze ich.
Klick murmelt: „Nur wenn man danach wirklich aufräumt.“
Und das tun sie. Sie holen die Tröten aus dem Schlauch, sortieren sie, legen alles ordentlich in die Kiste. Ohne Extra-Tröten. Fast feierlich.
Dann kommt Papa nach Hause, sieht den Staubsauger mit Mini-Schuhen und sagt nur: „Warum trägt unser Staubsauger Sneaker?“
Mia und Tom schauen sich an. Dann sagen sie im Chor: „Freundschaftsprojekt.“
Papa blinzelt, dann lacht er. „Na gut. Aber der Staubsauger kriegt keine eigenen Social-Media-Accounts.“
„Schade“, flüstert Tom. „Ich hätte ihn ‘Saug-Boy' genannt.“
Kapitel 5: Das entscheidende Schere-Stein-Papier
Als alles endlich ordentlich ist, liegt eine Sache noch mitten im Raum: Klick und ich.
„Ihr müsst auch zurück in die Küche“, sagt Mia und nimmt mich hoch. „Aber zuerst… Abschlussaufgabe.“
Tom hebt die Kiste mit den geretteten Tröten. „Wer bringt was weg? Ich bin erschöpft. Ich hab mit einer Tröte gekämpft.“
Mia schaut auf die Uhr. „Wir haben noch zehn Minuten, bis Oma zum Abendessen kommt. Also: Aufteilen.“
Tom zeigt auf die Küche. „Du bringst die Tröten in den Schrank. Ich bring die Scherzartikel-Tüte weg.“
Mia verschränkt die Arme. „Moment. Du bist zuständig für die Tröten. Das war der Deal.“
Tom stöhnt. „Das war vor dem Staubsauger-Orchester!“
„Regeln sind Regeln“, sagt Mia.
Tom schaut uns an, als könnten wir schlichten. Ich klappere freundlich mit dem Deckel. Klick bleibt diplomatisch still.
„Okay“, sagt Tom. „Dann… Schere-Stein-Papier. Entscheidend. Noch mal. Aber diesmal… mit Ernst.“
Mia nickt. „Mit mega Ernst.“
Sie stehen sich gegenüber wie zwei Ritter, nur dass der eine Ritter Konfetti in den Haaren hat und der andere einen Trötenabdruck an der Wange.
„Eins… zwei… drei!“
Mia: Schere.
Tom: Schere.
„Unentschieden!“, ruft Tom.
„Nochmal“, sagt Mia.
„Eins… zwei… drei!“
Mia: Stein.
Tom: Papier.
Tom reißt die Arme hoch. „Jaaa! Papier gewinnt! Ich bin frei!“
Mia kneift die Augen zusammen. Dann lächelt sie. „Okay. Du bringst die Scherzartikel weg. Ich mach die Tröten.“
Tom blinkt. „Warte. Das war… nicht der Plan.“
„Doch“, sagt Mia ruhig. „Du hast gewonnen. Also darfst du die Tüte tragen, die noch nach Gummihuhn riecht.“
Tom zieht die Nase kraus. „Das ist ein Fluch.“
„Ein sehr freundlicher Fluch“, sagt Mia und drückt ihm die Tüte in die Hand.
Klick flüstert mir zu: „Sie hat ihn ausgetrickst.“
„Nein“, flüstere ich zurück, „sie hat ihn… freundlich organisiert.“
Tom marschiert los, die Tüte schwenkend. Dabei macht sie „Knister-knister“, als würde sie applaudieren.
Mia räumt die Tröten in den Schrank und sagt dabei: „Ich bin die Tröten-Königin. Alle Tröten verbeugen sich.“
Tom ruft aus dem Flur: „Die Tröten verbeugen sich nur, weil sie Angst vor dem Staubsauger haben!“
„Psst!“, sagt Mia. „Der Staubsauger schläft.“
Als alles verstaut ist, stellt Mia Klick und mich nebeneinander auf die Arbeitsplatte. „Ihr zwei habt gut geholfen.“
„Wir waren die moralische Unterstützung“, sage ich.
Klick nickt. „Und die Geräuschkulisse.“
Mia tippt uns mit dem Finger an. „Team.“
In diesem Moment klingelt es. Oma ist da. Und weil Oma grundsätzlich alles in eine kleine Feier verwandelt, bringt sie… eine Kamera mit.
Kapitel 6: Das Gruppenfoto mit Staubsauger-Sneakern
Oma tritt ein, schaut sich um und bleibt stehen. „Oh! Es ist… ordentlich! Wer seid ihr und was habt ihr mit meinen Enkeln gemacht?“
Tom verbeugt sich. „Wir wurden von einer Brotdose erzogen.“
Mia nickt ernst. „Und von ihrem Zwilling.“
Oma lacht und setzt ihre Tasche ab. „Dann muss das dokumentiert werden. Kommt. Gruppenfoto!“
„Mit allem?“, fragt Tom.
„Mit allem!“, sagt Oma. „Ordnung ist selten. Wie ein Komet. Oder wie Tom, wenn er leise ist.“
„Ich kann leise sein“, sagt Tom sofort.
„Beweis?“, fragt Oma.
Tom öffnet den Mund, schließt ihn wieder und nickt. Stille. Zwei Sekunden. Dann flüstert er: „Das war knapp.“
Oma stellt alle auf: Mia links, Tom rechts, Papa dahinter, Oma vorne. Und dann— sie schiebt den Staubsauger mit den Mini-Schuhen in die Mitte.
„Der gehört dazu“, entscheidet sie. „Der ist heute eindeutig Teil der Familie.“
Mia hebt Klick hoch. Tom hebt mich hoch. Wir sind wie Trophäen, nur ohne Pokalglanz und mit Krümel-Erfahrung.
„Sagt alle ‘Käsebrot'!“, ruft Oma.
„Käsebrot!“, rufen alle.
In dem Moment rutscht Tom fast aus— nicht auf Konfetti, sondern auf seiner eigenen Aufregung— und fängt sich mit einem wilden Tanzschritt.
„Wusch!“, macht sein Fuß.
Mia prustet los.
Papa hält sich den Bauch.
Oma drückt ab.
Klick!
Das Foto hält alles fest: Mia mit einem breiten Grinsen, Tom mitten in einem unfreiwilligen Tanz, Papa, der lacht, Oma, die strahlt, der Staubsauger mit Sneakern wie ein stolzer Star— und Klick und ich, die Zwillinge, dicht beieinander, als würden wir sagen: Zusammen klappt's eben.
Später, als Oma das Foto auf dem Bildschirm zeigt, sagt sie: „Das ist das Schönste daran: Ihr seid ein Team. Ihr zankt, ihr trötet, ihr stolpert… aber am Ende lacht ihr miteinander.“
Tom legt den Arm um Mia. „Auch wenn sie mich mit Schere-Stein-Papier verflucht hat.“
Mia stupst ihn. „Freundschaftsfluch. Sehr selten.“
Klick flüstert: „Mission erfüllt.“
Ich mache ein zufriedenes „Klack“ und denke: Ordnung ist nett. Lachen ist besser. Und am besten ist beides zusammen— mit einem Zwilling an der Seite.