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Pirategeschichte 9/10 Jahre Lesen 16 min.

Die Sturmhand-Flagge und der listige Hering im Nebelkanal

Kapitänin Rika und ihre bunte Crew reisen zur Insel Kesselkrabbe, um besondere Farbe für die alte Piratenflagge zu bekommen, und müssen sich dabei Rätseln, Nebel und dem gefürchteten Kapitän Kratzbart entgegenstellen.

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Eine Piratenkapitänin Mitte fünfzig mit gebräuntem, faltigem Gesicht, kurzem zerzaustem Haar und entschlossenem, lächelndem Blick trägt einen nachtblauen Mantel mit Messingknöpfen und rotem Schal und steht an der Bugspitze, eine neue große schwarze Fahne mit silbernem Halbmond und kleinem Hering unten haltend, der Wind bläht die Flagge; ein etwa 12-jähriger Junge mit braunen, zerzausten Haaren und lebhaften Augen lächelt neugierig und hält eine Tüte mit silberner Pulverladung, von der er etwas in den Himmel streut; eine rundliche, etwa 30-jährige Köchin mit fleckiger Schürze steht beim dampfenden Kessel am Mast und wischt sich die Hände ab; eine circa 20-jährige Matrosin, schlank und konzentriert, justiert ein Tau an Steuerbord, die Füße auf glänzenden Planken; Schauplatz: altes, lackiertes Dreimastholzschiff mit überkreuzten Takelagen, Fässern und Netzen, kupfernes Dämmerungshimmel, welliges Meer mit silbernen Reflexen und dunklen Felsen in der Ferne; Szene: triumphaler Moment nach einer gefährlichen Passage, die neue Fahne entfaltet und im dramatischen Gegenlicht schimmernd, stilisierte Art-déco-Beleuchtung, kontrastreiche Farben und klare geometrische Formen, Komposition zentriert auf Kapitänin und Fahne, mutige und warme Atmosphäre, klare Linien, begrenzte Farbpalette (Nachtblau, Kupfer, Silber, Rot), sichtbare Holz- und Stofftexturen und dramatische Gegenbeleuchtung. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Die Flagge, die nach gestern roch

Kapitänin Rika Sturmhand stand am Heck ihrer kleinen, schnellen Brigg und hielt ein zusammengerolltes Stück Stoff wie einen nassen Fisch in der Hand. Der Wind zupfte daran, als wollte er sagen: Lass mich los, ich kann auch alleine wehen.

„Das ist also das berühmte Erbstück?“ fragte Juri, der Schiffsjunge, und schielte mit einem Auge, als könnte die Flagge zurückschielen.

Rika nickte. „Von meiner Großtante. Sie war Piratin, bevor es cool war. Und bevor Leute anfingen, Totenköpfe auf alles zu malen, sogar auf Teetassen.“

Sie rollte die Flagge auf. Ein verblasstes Bild kam zum Vorschein: ein krummer Mond, ein schief grinsender Totenkopf und – niemand wusste, warum – ein winziger Hering daneben.

Mina, die Zimmerfrau, prustete. „Ein… Hering?“

„Nicht lachen“, sagte Rika, aber ihre Mundwinkel zuckten. „Der Hering gehört dazu. Tradition. Außerdem ist die Farbe völlig hinüber. Ich will sie neu streichen. Sauber. Klar. Praktisch.“

„Praktisch ist langweilig“, meinte Koch Odo und wischte sich Mehl von der Nase. „Aber neu ist neu. Welche Farbe?“

Rika tippte mit dem Finger auf den Totenkopf. „Mitternachts-Schwarz. Und der Mond wird richtig silbern. Der Hering… na ja, der bleibt ein Hering.“

Juri zog eine Augenbraue hoch. „Und warum so dringend?“

Rika zeigte nach vorn, wo am Horizont ein grauer Streifen lag wie ein zorniger Stirnrunzler. „Weil wir in drei Tagen am Riff der Flüsternden Saborde vorbeimüssen. Dort bläst Salzluft alles aus. Wenn wir's jetzt nicht machen, sieht die Flagge aus wie ein alter Lappen. Und wer einen Lappen hisst, wird wie ein Lappen behandelt.“

Mina klopfte auf das Geländer. „Dann brauchen wir Farbe. Viel Farbe.“

„Genau“, sagte Rika. „Und die gibt's nur auf der Insel Kesselkrabbe. Dort wohnt Maler-Moritz.“

Odo machte ein dramatisches Gesicht. „Der Mann, der einmal eine Krake so gemalt hat, dass sie sich selber erschreckt hat?“

„Der“, sagte Rika. „Und er verkauft nur an Leute, die Mut haben. Oder sehr gute Geschichten.“

Juri grinste. „Dann sind wir ja reich.“

Rika hob die Flagge hoch, sodass der Wind sie ein wenig aufblähte. „Nicht reich. Aber zäh. Und klug. Also: Segel setzen! Wir holen Farbe – und wir holen sie, ohne uns von irgendwem ins Meer pusten zu lassen.“

Kapitel 2: Die Insel Kesselkrabbe und der Maler mit den schiefen Schuhen

Die Insel Kesselkrabbe sah aus, als hätte jemand einen grünen Hügel mitten in die See gekippt und vergessen, ihn wieder einzusammeln. Am Strand lagen runde Steine wie riesige Bonbons, und zwischen den Palmen hingen alte Netze, die im Wind klapperten.

„Da!“ rief Juri und zeigte auf eine Hütte, deren Dach aus bunten Planken bestand. Davor stand ein Mann mit einem Pinsel so groß wie ein Besen. Seine Schuhe waren unterschiedlich: einer rot, einer blau.

„Willkommen“, sagte Maler-Moritz, ohne sich umzudrehen. „Ich habe euch schon gerochen.“

Odo schnupperte beleidigt. „Ich habe heute gebadet!“

Moritz drehte sich um. Sein Bart war voller Farbflecken. „Nicht ihr. Euer Wunsch. Wünsche riechen immer ein bisschen nach Ärger.“

Rika trat vor. „Ich brauche Farbe. Gute Farbe. Für eine alte Piratenflagge.“

Moritz legte den Kopf schief. „Für eine Flagge? Das ist viel Verantwortung. Eine Flagge ist wie ein Gesicht. Zeig sie mir.“

Rika rollte das Erbstück aus. Der Totenkopf grinste schief, als wüsste er einen Witz, den alle anderen verpasst hatten.

Moritz pfiff leise. „Oh! Die Sturmhand-Flagge. Mit dem Hering. Das ist selten.“

„Und blass“, sagte Rika. „Ich will sie neu. Aber richtig.“

Moritz tippte sich mit dem Pinsel an die Nase. „Ich verkaufe Farbe nur gegen eine Probe eurer Kreativität. Macht etwas aus dem, was ihr habt. Ohne Gold. Ohne Drohen. Und ohne jemanden zu kitzeln, bis er aufgibt. Das zählt nicht.“

Juri flüsterte: „Schade.“

Moritz deutete auf drei Fässer: eins mit schwarzer Pechfarbe, eins mit silbernem Glanzpulver und eins mit… „Hering-Grau“, wie ein Schild daran verkündete.

„Diese Fässer sind verschlossen“, sagte Moritz. „Die Schlüssel liegen dort.“ Er zeigte auf einen Pfahl mit einem Rätselzettel, der im Wind flatterte.

Mina las laut: „Was wird größer, wenn man es teilt, und kleiner, wenn man es behält?“

Odo kratzte sich am Kopf. „Ein Kuchen?“

„Wenn man Kuchen teilt, wird er nicht größer“, sagte Rika trocken. „Er wird nur… trauriger.“

Juri schnalzte mit der Zunge. „Ein Geheimnis?“

Moritz nickte langsam. „Fast.“

Rika sah zum Meer, dann zur Crew. „Mut“, sagte sie. „Mut wird größer, wenn man ihn teilt. Wenn man ihn für sich behält, schrumpft er.“

Moritz grinste, als hätte der Totenkopf auf der Flagge ihm etwas zugeflüstert. „Das ist die richtige Art von Antwort.“ Er nahm drei kleine Schlüssel von einem Haken. „Aber eins noch: Auf dem Rückweg müsst ihr am Nebelkanal vorbei. Dort wartet Kapitän Kratzbart. Er sammelt alles, was glänzt. Auch Flaggen.“

Mina verschränkte die Arme. „Dann glänzen wir eben nicht.“

Rika nahm die Schlüssel. „Oder wir glänzen genau so, wie wir wollen.“

Moritz beugte sich vor und senkte die Stimme. „Kreativität ist die beste Kanone. Sie macht Lärm im Kopf des Gegners.“

Odo kicherte. „Ich habe auch eine Kanone. Sie heißt Bohnen-Eintopf.“

„Dann los“, sagte Rika. „Wir malen, bevor uns jemand die Pinsel klaut.“

Kapitel 3: Nebelkanal und Kratzbarts Fangzähne

Zurück an Bord roch das Deck bald nach Farbe und Salz. Mina spannte die Flagge auf einen Rahmen, als wäre sie ein Segel für eine Maus. Odo rührte Farbe in einem Eimer und sang dabei falsch, aber begeistert.

Rika setzte den ersten schwarzen Strich. Das Mitternachts-Schwarz war so tief, als könnte man hineinfassen und eine Handvoll Nacht herausziehen.

„Silber für den Mond“, murmelte Juri und pustete Glanzpulver vorsichtig, bis seine Nase selber glitzerte. „Jetzt sehe ich aus wie ein feiner Fisch.“

„Ein feiner Hering“, sagte Odo.

Alle lachten, sogar Rika. Dann wurde ihr Gesicht wieder ernst. Vor ihnen schob sich Nebel über das Wasser, dick wie Haferbrei.

„Nebelkanal“, sagte Mina. „Da drin hört man manchmal Stimmen.“

„Wenn's Stimmen sind, sollen sie wenigstens ‘Bitte' sagen“, knurrte Odo.

Rika stellte die fertige Flagge noch nicht auf. Stattdessen rollte sie sie zusammen und legte sie in eine Kiste. „Noch nicht. Erst, wenn es klug ist.“

Der Nebel schluckte die Welt. Man sah nur ein paar Meter. Das Wasser klatschte heimlich gegen den Rumpf, und irgendwo klang ein metallisches Klirren.

„Schiff an Steuerbord“, flüsterte Juri.

Aus dem Nebel tauchte ein großes, dunkles Segel auf – und darauf prangte ein goldener Totenkopf, der aussah, als hätte er alle Zähne geklaut, die er finden konnte.

„Kratzbart“, sagte Rika. Ihre Stimme blieb ruhig, aber ihre Hand lag fest am Steuerrad.

Eine tiefe Stimme dröhnte über das Wasser. „He, kleine Brigg! Zeigt eure Flagge! Ich sammle Kunst.“

Odo murmelte: „Der sammelt auch Nasen, wenn sie ihm gefallen.“

Rika überlegte schnell. Kämpfen im Nebel war dumm. Weglaufen war schwer. Also… etwas Drittes.

„Mina“, flüsterte sie. „Die alte Flagge. Die ganz blasse.“

Mina riss die alte, fleckige Flagge aus einer Truhe. Rika hob sie an einem Besenstiel hoch, gerade so, dass man sie im Nebel erkennen konnte.

Kratzbarts Schiff kam näher. „Das ist ja… traurig“, rief er. „So ein Lappen! Den will ich nicht. Aber ich will euer Schiff. Und eure Farbe. Und euren Topf, der so lecker riecht.“

Odo hielt den Deckel seines Kessels fest. „Finger weg, Bartgesicht!“

Rika hob die Hand. „Wartet. Wir handeln.“

„Piraten handeln selten“, lachte Kratzbart.

„Ich schon“, sagte Rika. „Ich bin pragmatisch. Du willst Glanz? Dann bekommst du Glanz. Aber nicht von uns – von deiner eigenen Gier.“

Sie nickte Juri zu. Juri verstand sofort. Er nahm heimlich eine Handvoll Silberpulver, kletterte zum Bug und warf es hoch in den Nebel, wo der Wind es packte.

Plötzlich funkelte der Nebel wie ein Sternenfeld. Kratzbarts Leute riefen: „Goldregen!“

„Sammelt!“ brüllte Kratzbart. Sein Schiff drehte ab, um die glitzernde Wolke zu verfolgen.

„Jetzt!“ zischte Rika. Mina setzte ein kleines Zusatzsegel, Odo schob den Eintopf zur Seite, als wäre er Ballast, und Rika lenkte die Brigg leise zwischen zwei dunklen Felsen hindurch.

Ein Krachen hallte im Nebel. Kratzbarts Schiff hatte etwas gerammt – wahrscheinlich seine eigene Ungeduld.

Juri atmete aus. „Das war knapp.“

Rika strich ihm kurz über den Kopf. „Mut geteilt“, sagte sie leise. „Hat funktioniert.“

„Und Glitzer geteilt“, meinte Odo. „Noch besser.“

Kapitel 4: Das Riff der flüsternden Saborde

Als der Nebel sich lichtete, sah man es: ein breites Riff, das wie die Zähne eines schlafenden Ungeheuers aus dem Wasser ragte. Zwischen den Felsen lagen alte Schiffswracks. Manche hatten noch kleine, runde Öffnungen im Rumpf – Saborde, durch die früher Kanonen lugten.

Der Wind pfiff hindurch, und das klang wirklich wie Flüstern: schsch… schsch… als würden die Wracks Geheimnisse austauschen.

„Wenn wir da reinfahren, schrammen wir uns auf“, sagte Mina.

„Wenn wir außen herumfahren, holt Kratzbart uns ein“, sagte Juri.

Rika kniff die Augen zusammen. „Dann fahren wir hindurch. Aber nicht blind.“

Sie ließ ein Seil an einem Fass befestigen und über Bord. Das Fass schwamm nebenher, und am Seil konnte Mina spüren, wie die Strömung zog.

„Stärker nach links“, rief Mina. „Da ist eine Rinne!“

Rika steuerte genau danach. Wellen platschten, der Kiel knirschte einmal gefährlich nahe an einem Felsen, und Odo hielt den Eintopf fest, als wäre es ein Baby.

„Wenn wir untergehen, schwimme ich auf Bohnen“, jammerte er.

„Dann wirst du wenigstens nicht hungrig“, sagte Juri.

Mitten im Riff wurde das Flüstern lauter. Ein Wrack lag so nah, dass man das verwitterte Holz sehen konnte. In einem offenen Sabord steckte noch eine alte Kanone wie ein rostiger Arm.

Rika bekam plötzlich eine Idee. „Mina! Ein Brett und ein Stück Stoff!“

„Was vor?“ Mina reichte ihr beides.

Rika schob das Brett vorsichtig in das offene Sabord des Wracks und band den Stoff daran fest, wie an einem kleinen Mast. Dann nahm sie einen Klecks Mitternachts-Schwarz und malte schnell ein Zeichen darauf: einen schiefen Mond – und darunter einen winzigen Hering.

„Warum?“ flüsterte Juri.

„Damit Kratzbart denkt, wir sind hier gestrandet“, sagte Rika. „Eine Spur. Aber eine falsche.“

Kaum war das Zeichen fertig, hörte man in der Ferne wieder Rufe und das Knarren großer Segel.

„Da ist er“, sagte Odo und duckte sich.

Rikas Brigg glitt weiter durch die Rinne. Hinter ihnen tauchte Kratzbarts Bug auf, groß und wütend.

„Sie sind hier!“ brüllte Kratzbart. „Ich sehe ihre Flagge!“

Er steuerte direkt auf das Wrack zu, das Rika markiert hatte. Seine Männer jubelten, bis das Riff sie daran erinnerte, dass es keine Fans von Jubel war: Ein scharfer Felsen ritzte Kratzbarts Rumpf. Sein Schiff schwankte, und er musste abbremsen.

Rika nutzte den Moment, um mit ruhiger Hand weiterzulenken. Ihre Crew war still, aber in ihren Augen tanzte Hoffnung.

„Kapitänin“, sagte Mina leise, „das war… ziemlich schlau.“

Rika zuckte mit den Schultern. „Pragmatismus. Und ein bisschen Theater.“

Odo grinste. „Und ein Hering als Täuschung. Das ist Kunst.“

Als sie das Ende der Rinne erreichten, wurde das Wasser wieder tief und freundlich. Die Flüsterstimmen im Riff wurden leiser, als hätten sie genug geredet.

„Zeit“, sagte Rika und holte die neu bemalte Flagge aus der Kiste.

Kapitel 5: Ein neuer Wind und geschlossene Saborde

Auf freier See entrollte Rika das Erbstück. Das Mitternachts-Schwarz leuchtete, der Mond glänzte silbern, und der kleine Hering sah aus, als hätte er gerade einen klugen Plan.

„Hiss sie!“ rief Juri.

Mina zog am Fall, und die Flagge stieg hoch. Der Wind packte sie, blähte sie auf, und für einen Moment schien es, als würde der Totenkopf noch breiter grinsen.

Odo legte eine Hand aufs Herz. „Sieht aus, als könnte sie sogar meine Suppe einschüchtern.“

Rika lachte. Dann wurde sie still. „Meine Großtante hätte das gemocht“, sagte sie. „Alt bleibt alt, aber Farbe kann Neues erzählen.“

Juri nickte. „Und wir haben's selber gemacht.“

„Genau“, sagte Rika. „Kreativität heißt nicht, dass man zaubern kann. Es heißt, dass man hinschaut und denkt: Was kann ich daraus machen?“

Hinter ihnen war Kratzbarts Schiff nur noch ein dunkler Punkt. Vielleicht fluchte er noch immer über Glitzer und Felsen. Vielleicht sammelte er immer noch Silberstaub aus dem Nebel und fand nichts als nasse Luft.

Die Sonne sank, und das Meer wurde kupferfarben. Auf Rikas Brigg war es warm und ruhig. Mina kontrollierte die Planken, Juri knotete Seile, Odo verteilte Eintopf und tat so, als wäre er ein berühmter Küchenpirat.

Dann kam eine Böe, stärker als die anderen. Das Schiff neigte sich, und irgendwo im unteren Deck klapperte es.

Rika runzelte die Stirn. „Alle Saborde prüfen! Ich will keine Überraschung, wenn die Wellen frech werden.“

Mina rannte los, Juri hinterher. Man hörte das Knarren von Holz, das Klacken von Riegeln.

„Hier war eins locker!“ rief Juri.

„Festziehen!“ befahl Rika. „Wir sind durch genug Ärger gesegelt. Jetzt bleibt alles dicht.“

Einer nach dem anderen wurden die Saborde geschlossen, bis es unter Deck still wurde, als hätte das Schiff tief durchgeatmet.

Mina kam zurück und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Alle Saborde sind wieder zu.“

Rika blickte hoch zur neuen Flagge, die stolz im Abendwind flatterte. Sie fühlte sich leichter, als hätte sie nicht nur Stoff bemalt, sondern auch ein Stück Vergangenheit in etwas Mutiges verwandelt.

„Gut“, sagte sie. „Dann kann die Nacht kommen. Und morgen das nächste Abenteuer.“

Die Crew setzte sich zusammen, schlürfte Odos Eintopf und erzählte sich Geschichten, die so frech waren wie der Wind. Über ihnen wachte der silberne Mond, und am Mast grinste die frisch gestrichene Flagge, als wüsste sie: Manchmal ist ein kleiner Hering genau das, was eine Piratencrew braucht.

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Brigg
Ein kleines Segelschiff mit zwei oder mehr Masten, oft schnell.
Erbstück
Ein Gegenstand, der von der Familie übergeben wurde, alt und wichtig.
Mitternachts-Schwarz
Eine sehr dunkle Schwarzfarbe, so tief wie die Nacht.
Saborde
Ein rechteckiges Loch im Schiff, durch das Kanonen hinausschauen konnten.
Riff
Fels oder Korallen dicht unter der Wasseroberfläche, gefährlich für Schiffe.
Nebelkanal
Ein schmaler Meeresweg, der oft von dichtem Nebel bedeckt ist.
Rumpf
Der Hauptkörper eines Schiffes, das Teil, der im Wasser liegt.
Kiel
Der lange Balken am Boden eines Schiffes, der Stabilität gibt.
Rinne
Ein schmaler Wasserweg oder Graben zwischen Felsen, den Schiffe nutzen.
Pragmatismus
Praktisch handeln und Lösungen suchen, die wirklich funktionieren.
Kreativität
Neues erfinden oder Dinge anders und schlau machen.
Wrack
Ein gesunkenes oder zerstörtes Schiff, oft alt und zerbrochen.
Glanzpulver
Feines, glänzendes Pulver, das Funken oder Licht machen kann.

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