Teil 1
Mila und Ben sind fast vier. Sie wohnen im selben Haus. Heute ist ein ruhiger Nachmittag. Die Sonne scheint durch das Fenster. Im Hof steht ein kleiner Sandkasten.
Mila hält eine rote Schaufel. Ben hält einen blauen Eimer. Sie lächeln sich an.
„Hallo, Ben“, sagt Mila.
„Hallo, Mila“, sagt Ben. „Wollen wir zusammen spielen?“
„Ja“, sagt Mila. „Zusammen ist schön.“
Sie setzen sich an den Sand. Mila macht einen Hügel. Ben macht ein Loch. Sie arbeiten nebeneinander. Der Sand ist warm und weich.
„Ich will eine Burg bauen“, sagt Mila.
„Ich auch“, sagt Ben. „Eine große Burg!“
Mila nickt. „Wir können zusammen eine große Burg bauen.“
Ben klatscht in die Hände. „Ja!“
Dann sieht Ben eine kleine Form, eine Sternform, im Sandkasten. Er greift danach.
Mila greift auch danach. Beide Hände sind auf der Sternform.
Mila schaut Ben an. Ben schaut Mila an. Es ist einen Moment still.
Ben sagt leise: „Ich hab sie zuerst gesehen.“
Mila sagt auch leise: „Ich brauche sie für das Dach.“
Beide fühlen sich ein bisschen eng im Bauch. Aber niemand ist böse. Nur unsicher.
Mila atmet aus. „Ben, wir müssen reden. Erst reden, dann machen.“
Ben nickt langsam. „Ja. Erst reden.“
Mila sagt: „Wir können uns absprechen.“
Ben fragt: „Wie?“
Mila zeigt auf ihre Finger. „Wir machen einen Plan. Erst du, dann ich. Oder zusammen.“
Ben denkt kurz nach. „Zusammen ist besser.“
Mila lächelt wieder. „Dann benutzen wir die Sternform zusammen. Du drückst, ich halte.“
„Okay“, sagt Ben. „Danke.“
Sie halten die Form beide. Ben drückt sie in den Sand. Mila hält sie fest. Sie drehen sie vorsichtig um. Ein Stern aus Sand liegt da. Ein schöner Stern.
„Oh!“, sagt Ben. „Der ist toll!“
„Ja“, sagt Mila. „Unser Stern.“
Ben sagt: „Unser, ja.“
Sie machen noch einen Stern. Und noch einen. Drei Sterne für die Burg.
Mila sagt: „Wenn wir reden, geht es besser.“
Ben nickt. „Wenn wir reden, sind wir Freunde.“
Teil 2
Die Burg wächst. Ein Wall, ein Tor, ein kleiner Weg. Mila macht kleine Fenster mit der roten Schaufel. Ben macht einen Graben mit dem blauen Eimer.
Da kommt Frau Sommer aus dem Erdgeschoss vorbei. Sie hat eine kleine Gießkanne.
„Hallo, ihr zwei“, sagt sie freundlich.
„Hallo!“, sagen Mila und Ben.
Frau Sommer schaut die Burg an. „Oh, wie schön. Baut ihr zusammen?“
„Ja“, sagt Mila. „Wir sprechen erst, dann bauen wir.“
Ben sagt stolz: „Wir haben einen Plan.“
Frau Sommer nickt. „Das ist klug. Ihr seid gute Baumeister.“
Mila zeigt auf den Graben. „Ben hat den Graben gemacht.“
Ben zeigt auf die Fenster. „Mila hat die Fenster gemacht.“
Sie lächeln. Es fühlt sich warm an.
Dann sehen sie neben dem Sandkasten einen kleinen Korb mit runden Steinen. Die Steine sind bunt: grau, braun, ein bisschen weiß. Frau Sommer sammelt sie manchmal für den Garten.
Ben will sofort einen Stein nehmen. Mila will auch einen. Diesmal stoppen beide kurz.
Mila sagt: „Erst reden.“
Ben sagt: „Ja. Was machen wir mit den Steinen?“
Mila überlegt. „Wir können Wege machen. Oder eine Brücke.“
Ben wird ganz ruhig vor Freude. „Eine Brücke! Über den Graben.“
Mila nickt. „Aber wir brauchen viele Steine. Wir teilen.“
Ben fragt: „Wie teilen wir?“
Mila sagt: „Du nimmst zwei, ich nehme zwei. Immer so.“
Ben hält zwei Finger hoch. „Zwei und zwei.“
„Zwei und zwei“, wiederholt Mila.
Sie nehmen Steine. Zwei für Ben, zwei für Mila. Zwei und zwei. Zwei und zwei. Es ist wie ein kleines Spiel.
Ben zählt langsam: „Eins, zwei.“
Mila zählt auch: „Eins, zwei.“
Sie legen die Steine an den Rand vom Graben. Stück für Stück. Dann legen sie Steine quer darüber.
Ben hält einen Stein hin. „Hier, Mila.“
Mila nimmt ihn. „Danke, Ben.“
Mila hält einen Stein hin. „Hier, Ben.“
Ben nimmt ihn. „Danke, Mila.“
Die Brücke ist fertig. Nicht groß, aber fest. Sie drücken ganz vorsichtig mit dem Finger darauf.
„Sie hält!“, sagt Ben.
„Sie hält!“, sagt Mila.
Ben schaut Mila an. „Wenn wir uns absprechen, klappt es.“
Mila sagt: „Und wir bleiben freundlich.“
Da kommt ein drittes Kind vorbei, ein Junge mit einem gelben Hut. Er heißt Amir und ist auch fast vier. Er bleibt stehen und schaut die Burg an.
„Hallo“, sagt Amir leise.
Mila winkt. „Hallo, Amir.“
Ben winkt auch. „Hallo! Willst du mitspielen?“
Amir schaut auf seine Schuhe. „Ich weiß nicht.“
Mila spricht sanft: „Du kannst mit uns bauen. Wir reden erst, dann machen wir.“
Ben nickt. „Ja. Wir haben Regeln. Die sind nett.“
Amir hebt den Kopf. „Welche Regeln?“
Mila sagt: „Wir fragen. Wir hören zu. Wir teilen.“
Ben ergänzt: „Und wir sagen ‘Bitte' und ‘Danke'.“
Amir lächelt ein kleines bisschen. „Okay.“
Mila zeigt auf den Korb. „Amir, willst du zwei Steine nehmen? Dann nehmen wir auch zwei.“
Amir nimmt vorsichtig zwei Steine. „Eins, zwei.“
Ben sagt: „Gut! Dann legen wir sie zusammen hin.“
Sie bauen zu dritt einen zweiten Weg. Amir legt die Steine gerade. Mila klatscht leise. Ben sagt: „Super, Amir.“
Amir wird größer im Herzen. „Ich bin auch Baumeister.“
Teil 3
Die Sonne wird langsam weich. Der Hof wird ruhiger. Die Burg steht da, mit Sternen, mit Brücke, mit Weg. Drei Kinder sitzen davor.
Mila sagt: „Wollen wir unsere Burg feiern?“
Ben fragt: „Wie feiern?“
Mila denkt nach. „Mit einem kleinen Lied. Oder mit einem Klatsch.“
Amir sagt: „Ich kann klatschen.“
Ben sagt: „Ich auch.“
Sie sprechen kurz ab, ganz ruhig. „Erst Mila, dann Ben, dann Amir“, sagt Mila.
„Okay“, sagen Ben und Amir.
Mila klatscht: klatsch, klatsch. Ben klatscht: klatsch, klatsch. Amir klatscht: klatsch, klatsch. Dann zusammen: klatsch, klatsch, klatsch. Sie lachen leise.
Frau Sommer kommt noch einmal vorbei. „Was für ein schönes Fest“, sagt sie.
Mila sagt: „Wir sind Freunde.“
Ben sagt: „Wir reden miteinander.“
Amir sagt: „Und wir teilen.“
Frau Sommer nickt. „Das ist echte Freundschaft. Kleine Worte machen viel.“
Dann räumen sie auf. Nicht schnell, ganz in Ruhe. Mila legt die Formen zurück. Ben stellt den Eimer hin. Amir legt die Steine wieder in den Korb. Sie helfen einander.
Ben sagt: „Mila, morgen spielen wir wieder?“
Mila sagt: „Ja. Morgen wieder.“
Amir fragt: „Darf ich auch wieder kommen?“
Mila und Ben sagen zusammen: „Ja, gerne.“
Der Abend kommt. Die Luft ist mild. Mila geht mit ihrer Mama nach oben. Ben geht zu seinem Papa. Amir geht zu seiner Oma. Alle sind in der Nähe. Alle sind sicher.
Im Bett denkt Mila an den Stern aus Sand. Sie flüstert: „Erst reden, dann machen.“
Ben flüstert in seinem Bett: „Zusammen ist besser.“
Amir flüstert: „Ich habe Freunde.“
Und so schlafen sie ruhig ein. Warm im Bauch. Mit einem kleinen Plan für morgen.