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Geschichte der Raumfahrt 11/12 Jahre Lesen 20 min.

Die Nebelrast und die Sonnenfäden

Mara Kessler, eine Kartenmacherin, kommt in die Pension Nebelrast, um einen gefährlichen Nebel zu kartieren, doch als sie auf unerwartete Probleme stößt, muss sie mit den Bewohnern zusammenarbeiten, um die Situation zu meistern. Inmitten von Teamarbeit und Herausforderungen entdecken sie die Bedeutung von Zusammenarbeit und Freundschaft.

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Eine Frau namens Mara, etwa 30 Jahre alt, mit schwebenden braunen Haaren und neugierigen, funkelnden Augen, steht in ihrer kleinen Raumfähre, der Wellenläuferin. Sie trägt einen blauen Raumanzug mit silbernen Details und zeigt ein entschlossenes Lächeln, während ihre Hände auf dem Armaturenbrett liegen, bereit, durch den Weltraum zu navigieren. Neben ihr schwebt ein Kind-großer Roboter namens Lukas-3, mit glänzender grüner Farbe und leuchtenden Augen, der fröhlich schwebt und Nachrichten auf seinem Bildschirm anzeigt. Der Ort ist eine Raumfähre mit glatten Metallwänden und Panoramafenstern, die auf ein weites Feld von funkelnden Asteroiden blicken, beleuchtet von einem fernen Stern. Sensoren und Bildschirme zeigen farbige Daten an und schaffen eine futuristische, dynamische Atmosphäre. Die Hauptsituation zeigt Mara, wie sie ihr Raumschiff durch einen Nebel bunter Nebel steuert, umgeben von schwebenden Asteroiden, während sie sich darauf vorbereitet, einen neuen Sektor des Weltraums zu kartografieren, voller Aufregung und Entschlossenheit. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Ankunft in der Pension Nebelrast

Mara Kessler hatte schon viele Häfen gesehen: kalte Drehstationen, leise schwebende Archive, Basare auf Kometen, wo die Preise in Eiskristallen berechnet wurden. Sie war Pragmatikerin. Das hieß für sie: erst messen, dann handeln; erst fragen, dann behaupten. Ihr kleines Schiff, die Wellenläuferin, war gepflegt, funktional und geräumig genug für zwei, auch wenn sie allein flog. An der Konsole klebte ein gelber Aufkleber: „Gründlichkeit spart Treibstoff.“

Vor ihr lag der Schottergürtel von Nereia, eine Ansammlung von Asteroiden, die wie langsam fallende Kiesel um eine blasse Sonne tanzten. Dazwischen flimmerte ein bläulicher Nebel, elektrisch geladen und wunderschön – aber gefährlich für ungeschützte Systeme. Genau den sollte sie kartieren. Der Auftrag war klar, die Methode ebenso: Sensoren kalibrieren, Muster aufnehmen, Flusslinien bestimmen. Doch zuerst wollte sie eine Pause einlegen. Auf dem Navigationsdisplay erschien ein Symbol: eine kleine Teekanne, daneben ein Stern. Die Pension Nebelrast.

„Nicht zu spät werden“, murmelte sie, und schaltete auf Annäherungsmodus. Ihre Stimme klang ruhig; Routine tat gut. Sie betätigte die Dockingsequenz, ein alter, aber verlässlicher Ablauf: Triebwerke drosseln, Haltung korrigieren, Anflugsignal senden. Die Wellenläuferin antwortete mit einem nüchternen „stabil“ auf dem Statusfeld.

Die Pension Nebelrast hing an einem Felsblock wie eine Laterne. Eine Glaskuppel zeigte Pflanzen und Tische, bunte Fähnchen schwebten träge in der zarten Schwerkraft, und ein leises Brummen kündigte die Magnetfelder an, die das Haus vor dem Nebel schützten. Als die Luftschleuse zischte, roch Mara frischen Brotduft und Metall – eine ehrliche Mischung.

„Willkommen in der Nebelrast!“, rief eine kräftige Stimme. Hinter dem Tresen stand eine ältere Frau mit grauen Locken, die in null G sanft wirbelten. Auf ihrem Ärmel stand ihr Name: Ume Tanaka, Verwalterin.

„Mara Kessler, Kartenmacherin“, sagte Mara. „Ich brauche Tee und einen Platz mit Sicht auf den Nebel.“

„Beides haben wir im Überfluss. Zimmer C-7 ist frei. Und wenn Sie jemanden zum Schach schlagen brauchen, ist Lukas-3 beleidigt, wenn man ihn nicht fragt.“

Ein runder Roboter schwebte an, grün lackiert, mit einem Display, auf dem abwechselnd Wellenmuster und Gedichte erschienen. „Ich schreibe von Sternen“, piepste er. „Und nehme Milch in den Tee.“

Mara hob eine Augenbraue. „In welcher Reihenfolge?“

„Erst Tee, dann Milch. Es ist eine Frage der Methode“, sagte Lukas-3 ernst und blinkte zufrieden, als Ume lachte.

Ein Haus voller Wege

Die Pension war ein Knotenpunkt. Ein schmaler, vierarmiger Händler namens Ril sortierte Steine, die im Dunkeln leuchteten. Eine Botanikstudentin, Yun, stellte kleine Schalen mit Moos in die Sonne der Kuppel. Zwei Kuriere spielten Karten und wackelten im Takt einer Musik, die nur sie hörten. Über allem lag eine ruhige Ordnung. Werkzeuge hingen nummeriert an der Wand. Ein Plan der Fluchtwege war so klar gezeichnet, dass man ihn im Schlaf hätte ablaufen können.

Mara stellte ihre Tasche ab, prüfte automatisch die Dichtungen am Fenster ihrer Kabine, testete die Notfalllampe und steckte ihre Checkliste zurück in die Tasche. Es beruhigte sie, die Dinge in der Hand zu haben.

„Verreist du allein?“, fragte Yun später, als sie nebeneinander die Kuppel abwischten. Unter ihnen glitzerte der Nebel wie eine Meeresoberfläche.

„Ich reise für die Kartenmacher-Gilde“, sagte Mara. „Wir zeichnen auf, was andere noch nicht gesehen haben. Dann können die, die nach uns kommen, wissen, wohin sie fliegen. Manchmal ist es romantisch. Meistens ist es Arbeit.“

„Arbeit klingt gut. Sie hält die Hände ruhig“, meinte Yun und grinste. „Ume sagt, du seist pragmatisch. Was ist das?“

„Es bedeutet, nicht auf Glück zu warten. Ich sammle Fakten wie Steine und baue daraus einen Weg. Und wenn der Weg bröckelt, baue ich ihn neu.“

Lukas-3 schwebte vorbei und ließ einen Schnipsel Text fallen: „Pragmatik ist Poesie in Arbeitsstiefeln.“ Ume schnalzte mit der Zunge und steckte ihm den Schnipsel in die Werkzeugtasche. „Kein Papiermüll in der Kuppel, Lukas.“

Die Dämmerung der fernen Sonne färbte den Nebel lila, als ein leises Summen stärker wurde. Mara spürte es eher, als sie es hörte. Ein elektrisches Kribbeln im Nacken. Auf dem Paneel neben der Kuppel sprang ein rotes Licht an. Ume schaute hin, runzelte die Stirn und ging zum Terminal.

„Solarfäden“, sagte sie nach einem Blick. „Ein Strom aus geladenen Partikeln auf uns zu. Nicht schlimm, aber unangenehm. Die Außenfelder sind schon alt, und Segment D12 macht seit Tagen Mucken.“ Sie blickte zu Mara. „Ich mag ungern Zeitdruck. Aber hier ist er.“

Mara sah still in den Nebel, der jetzt wie ein Ozean mit weißen Wellenkämmen wirkte. „Okay“, sagte sie. „Lasst uns ordentlich arbeiten.“

Plan in zehn Schritten

Im Gemeinschaftsraum projizierte Ume die Stationskarte. Ril hockte auf einem Stuhl wie ein vierarmiger Frosch, Yun hielt einen Notizstift bereit, Lukas-3 schwebte mit einem ernsthaften Summen, und die Kuriere stellten das Kartenspiel weg.

„D12 ist eines der Magnetfeld-Segmente an der Ostspitze“, erklärte Ume. „Es verteilt die Ladung, damit sie um die Kuppel herumfließt. Wenn es ausfällt, küsst uns der Nebel, und das ist kein freundlicher Kuss.“

„Wie lange bis zum Eintreffen der Fäden?“, fragte Mara.

„Zwanzig Minuten, vielleicht fünfundzwanzig“, sagte Ume. „Der Wind ist launisch.“

Mara atmete ruhig ein. „Dann machen wir es wie auf einem Schiff. Wir teilen auf. Erst Diagnose, dann Reparatur, parallel Absicherung. Wir brauchen einen Plan.“

Sie stellte sich neben die Projektion und zeichnete zehn Punkte in die Luft, die das System aufnahm.

„Eins: Daten aller Segmente auslesen, besonders D12. Zwei: Notstrom für D12 bereitstellen. Drei: Schottfenster der Kuppel in Bereitschaft. Vier: Außenservice für D12 vorbereiten. Fünf: Werkzeug prüfen – keine Überraschungen. Sechs: Werkleitung freischalten, damit niemand stolpert – ich meine, hart diskutiert die Schwerkraft hier. Sie ist gering, aber sie ist da. Sieben: Kommunikation auf offen halten, klare Ansagen. Acht: Plan B: wenn D12 nicht zu retten ist, Last auf D11 und D13 verteilen. Neun: Nachkontrolle aller Systeme. Zehn: Tee.“

„Tee ist wichtig“, bestätigte Lukas-3.

„Wer macht was?“, fragte Ril, seine unteren Hände schon an den Werkzeugen.

„Ume und Lukas-3, ihr klemmt euch ans Terminal. Lest die Daten und legt den Notstrom bereit“, ordnete Mara an. „Ril und ich gehen raus zu D12. Yun, du sicherst innen die Schottfenster und holst die Retter-Seile. Kuriere, ihr bleibt bei der Kommunikation und seid unsere Boten, falls die Funkkanäle rauschen. Alle sagen laut, was sie tun. Keine stummen Helden, okay?“

„Okay“, riefen alle. Es klang wie das Summen eines zuverlässigen Motors.

Sie zogen die Anzüge an. Mara überprüfte Rils Dichtungen und ließ ihn ihre kontrollieren. „Kein Schaumschnee an den Dichtungen?“, fragte er gespannt.

„Kein Schaumschnee“, sagte Mara trocken. „Nur Gummi. Und Vertrauen.“

Die Schleuse öffnete sich, und die Dunkelheit draußen war klar wie Glas. D12 lag wenige Meter unter der Kante, ein schmales Feldsegment, darauf Sensoren, Drähte und die leuchtenden Magnetspulen, die wie schwache Nordlichter flackerten. Der Nebel vor ihnen glühte schon intensiver. Zeit war jetzt keine Wand mehr, an die man sich lehnen konnte; sie war ein Fluss.

„Daten sagen: D12 fällt unter Last ein“, kam Umes Stimme über Funk. „Spule zwei schwankt. Der Notstrom ist bereit, aber die Lastverteilung braucht manuell einen Impuls.“

„Verstanden“, sagte Mara. „Ril, du löst die Abdeckung, ich halte dich mit dem Seil. Dann prüfen wir die Kontakte. Ruhige Hände.“

„Ich habe vier“, sagte Ril, und man hörte sein Lächeln.

Mara arbeitete konzentriert. Sie las die Beschriftung, prüfte mit einem Tester die Leitungen, zeigte Ril, wie man die Kontakte mit einem Graphitpinsel säuberte. „Nur leicht, wie ein Lied, das man flüstert“, sagte sie. „Nicht drücken, nur streichen.“

„Was ist Plan B?“, fragte Ril, während er genau tat, was sie sagte.

„Wenn Spule zwei nicht hält, klemmen wir sie ab und fahren die Last in einem Dreieck über D11 und D13. Die Feldlinien werden ungleichmäßig, aber ausreichend. Ume muss dann die Kuppel in den Schatten der Stütze drehen. Es wird rumpeln.“

„Ich mag kein Rumpeln“, murmelte Lukas-3 im Funk. „Aber ich bin für euch.“

Mara spürte, wie ihre Ruhe alle anderen erreichte. Es war keine Zauberei. Es war nur: Schritt für Schritt.

„Kontakt gereinigt“, meldete Ril. „Spule zwei angeschaut. Sie... hm. Sie hat eine kleine Blase.“

„Eine Materialblase?“, fragte Mara. „Im Mantel?“

„Ja, wie ein Pickel.“

„Okay. Das ist der Fehler unter Last. Er heizt sich, dehnt sich, trennt den Kontakt. Wir können ihn kühlen und die Last langsam hochfahren. Vielleicht überlebt es den Sturm. Ume, habt ihr Kühlgel?“

„Haben wir. Marcus—“ Ume hielt inne. „Entschuldige, ich meinte Lucas-3. Der Name verwechselt sich in meinem Kopf. Lukas, bring das Gel in den Auslass.“

„Schon unterwegs“, piepste der Roboter mit würdevoller Eile.

Mara befestigte die Kühlleitung, hörte das sanfte Zischen, als das Gel die Spule kühle. „Wir machen jetzt eine Lastprobe. Achtung, alle. Ume, gib zehn Prozent. Zähle bis fünf. Dann fünf Prozent mehr.“

„Zehn Prozent. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Fünf Prozent mehr...“

Der Nebel grollte in der Ferne, das Feld summte höher, und die Kuppel vibrierte, als ob sie fröstelte.

„Hält“, sagte Ume. „Noch.“

„Wieder fünf. Langsam. Keine Sprünge.“

„Verstanden. Und... fünf. Hält.“

Mara atmete durch. „Wenn wir so weitergehen, sind wir rechtzeitig oben. Ril, halte die Leitung fixiert. Yun, wie ist es bei dir?“

„Schottfenster schließen weich, alle Pflanzen in den Innenraum zurück“, antwortete Yun. „Ich habe das Moos in eine Kiste umgebettet. Es hat protestiert, aber ich habe ihm erklärt, dass es nur vorübergehend ist.“

„Gut erklärt“, sagte Mara, und man hörte das Lächeln in ihrer Stimme.

Die Stunde des Nebels

Der erste Solarstrom traf die Felder wie unsichtbarer Regen. Alle Displays blinkten kurz, dann stabilisierte sich die Anzeige. Der Nebel vor der Kuppel war jetzt nicht mehr fließend, sondern granuliert, als böten Milliarden kleiner Funken eine leise Show.

„D12 bei fünfzig Prozent“, meldete Ume. „Sechzig... siebenzig... Bei fünfundsiebzig zittert Spule zwei. Kühlen läuft.“

„Bleib bei siebzig“, sagte Mara. „Wir verteilen den Rest.“ Sie schob sich mit Ril zur Kante und blickte hinüber zu D11 und D13. „Ume, bereite die Dreiecksverteilung vor. Gib D11 zehn Prozent mehr, D13 fünf. Dann halte. Keine Eile.“

„Ich bin alt genug, um nicht zu eilen“, sagte Ume trockener als der Asteroidenstaub.

Plötzlich krachte es doch. Ein klirrendes Geräusch, wie ein zerspringendes Glas, fuhr allen in die Ohren. „Was war das?“, fuhr ein Kurier erschrocken dazwischen.

„Die Außenverglasung an West, Segment W2. Ein Mikrometeor. Kein Loch, nur ein Riss“, sagte Yun rasch, schon mit dem Reparaturkitt in der Hand. „Ich bin dran.“

„Nicht allein“, sagte Ume sofort. „Kurier Eins, hilf ihr. Redet miteinander.“

„Reden ist meine Stärke“, sagte der Kurier. „Man nennt mich Funky.“

„Niemand nennt dich so“, brummte sein Freund.

Mara hielt die Augen auf D12. „Ril, du bleibst bei mir. Konzentriere dich auf die Spule. Sag mir früh, wenn du etwas siehst.“

„Ich sehe mehr, wenn ich ruhig bin“, antwortete er leise.

„Ich auch“, sagte Mara.

Die Minuten wurden lang und kurz zugleich. Das Feld sang, der Nebel flimmerte, die Kühlleitung zischte. Yun lachte einmal kurz, als der Kitt zu sprudern begann. „Er hat zu viel Druck gehabt“, sagte sie. „Wie ich, wenn ich aufgeregt bin.“

„Wir sind fast da“, sagte Ume. „Neunzig Prozent verteilt. D12 hält bei siebzig, D11 fünfundachtzig, D13 fünfundsiebzig. Die Kuppel ist in den Schatten gedreht. Es rumpelt.“

„Ich halte den Tee fest“, meldete Lukas-3 heldenhaft.

„Noch drei Minuten Spitzenlast“, sagte Mara. „Alle atmen. Ein. Aus. So. Und keine Heldentaten.“

„Zu spät“, sagte der Kurier Funky. „Ich habe die Kittpistole umgedreht und sie gehorcht mir.“

„Das zählt nicht“, sagte Ume trocken.

Dann war es vorbei. Nicht mit einem Tusch, sondern mit einem leisen Nachlassen. Die Anzeigen fielen in den grünen Bereich. Der Nebel wurde wieder weich, das Summen tiefer. Der Raum schien einen kleinen, zufriedenen Seufzer zu tun.

„Wir haben es“, sagte Ume. „D12 lebt noch. Spule zwei knistert, aber sie ist tapfer.“

„Gut gemacht“, sagte Mara. Sie löste das Seil und klopfte Ril leicht auf die Schulter. „Saubere Arbeit.“

„Es war schön, wie du gezählt hast“, sagte Ril ernst. „Ich zähle jetzt alles.“

„Fang mit den Tassen an“, antwortete Mara.

Ein Foto fürs Gedächtnis

Die Pension füllte sich mit Stimmen. Jemand stellte eine Musik an, die klang wie Regen auf Zelten. Ume schaltete die Außenfelder in den Sparmodus, die Kuppel blähte sich wieder weicher, und Yun holte das Moos zurück an die Sonne. Der Riss im Westsegment glänzte wie ein geheilter Schnitt; man sah die Naht wie eine feine Narbe.

„Ich hätte gerne ein Bild“, sagte Ume plötzlich, als würde sie es sich gerade jetzt erlauben. „Nicht von der Technik. Von uns.“

„Ich habe eine Kameradrohne“, meldete Lukas-3 stolz. „Sie heißt Krümel. Ich gebe ihr gerne Anweisungen. Bitte nicht mit Tee bewerfen.“

Krümel flog klackernd hoch und blinkte freundlich. „Gruppenfoto-Modus“, schnarrte die kleine Kamera mit einer Stimme wie eine ältere Schildkröte. „Lächeln optional. Authentizität bevorzugt.“

Sie stellten sich unter die Kuppel. Ril hielt eine Magnetbürste wie eine Fahne. Yun hatte ein Moosstück in der Hand, das aussah wie eine kleine grüne Insel. Die Kuriere standen Rücken an Rücken und versuchten, sich ernst zu halten. Ume ruhte eine Hand auf Lucas-3, dessen Display das Wort „Hurra“ in 128 Schriften zeigte.

„Mara?“, fragte Ume. „Willst du in der Mitte stehen? Du hast heute den Takt gesetzt.“

Mara schüttelte den Kopf und lächelte. „Wenn es schon um Erinnerung geht, dann sollten die sein, die hier wohnen, vorn. Ich stelle mich daneben.“

„Daneben ist ein guter Ort“, sagte Ume sanft.

Krümel summte, als sie die Belichtung justierte. „Bitte ruhig atmen. Drei, zwei, eins...“

„Wartet“, sagte Mara, und hob einen Zeigefinger. „Eine Sache noch. Wir schreiben drauf, was wir getan haben. Nicht nur: wir haben es geschafft. Sondern: wie. Dann wissen wir beim nächsten Mal die Schritte, nicht nur das Ziel.“

Ume nickte, als hätte sie damit gerechnet. „Schreib du. Deine Schrift ist ordentlich. Und du machst hübsche Pfeile.“

„Hübsche Pfeile sind die halbe Miete“, murmelte Yun.

Das Foto entstand, als alle gerade zu sprechen begannen. Ril war eingefroren mit halb geöffnetem Mund, Ume blinzelte, Lucas-3 zeigte ein so großes „Hurra“, dass es über seinen Bildschirm hinauszugehen schien. Die Kuriere waren unerwartet ernst, Yun hielt das Moos wie einen Schatz. Und Mara – Mara stand leicht seitlich, die Hand mit dem Stift am Rand der Tafel, auf der bereits stand: „D12: Diagnose – Kühlen – Last verteilen – langsam, laut, zusammen.“

„Noch eins“, bat Krümel, „für die, die beim ersten die Augen zu hatten.“

„Ich hatte keine Augen zu“, sagte Alesh, einer der Kuriere.

„Du hast keine Augen“, kicherte Yun und zeigte auf seine Sonnenbrille.

Sie machten noch ein Bild. Dann nannte Ume den Tee, und es gab Brot mit Honig aus der Hydroponik. Jeder erzählte, wo er herkam. Ril berichtete von einem Markt in einem Nebel, der wie Pfefferminz roch. Yun erzählte von einer Bibliothek, die Pflanzenbücher mit Duft speicherte. Lucas-3 trug ein Zweizeiler vor: „Die Felder singen tiefer heut, der Nebel hat uns nicht gebeut.“

„Das reimt sich nur fast“, murmelte Ume.

„Fast ist manchmal schön“, sagte Mara und strich den Satz über Plan B auf der Tafel gerade.

Abreise nach Ordnung

Am nächsten Morgen war die Pension wieder der ruhige Ort, den Mara zuerst betreten hatte. Ril half ihr, das Seil zu verstauen. Yun gab ihr ein Glas mit Moos – nicht zum Mitnehmen, nur zum Anschauen –, und die Kuriere gaben ihr klatschende Handschläge in der Luft.

„Du kommst wieder, oder?“, fragte Ume, als Mara ihren Helm unter den Arm klemmte.

„Ich hoffe es“, sagte Mara. „Ich habe die Ionenspur noch nicht fertig. Aber ich hinterlasse euch meine Protokolle. Sie sind sauber und knapp. Wenn eine neue Spule kommt, könnt ihr die Schritte leicht übernehmen.“

„Wir werden deine hübschen Pfeile vermissen“, sagte Ume lakonisch. „Und deine ruhige Stimme, wenn es rumpelt.“

„Es rumpelt überall mal“, erwiderte Mara. „Dann zählt man. Oder lacht. Oder beides.“

„Warte.“ Ume zog einen dünnen Umschlag hervor. „Krümel hat die Fotos gespeichert. Ich habe eins ausgedruckt. Oldschool. Falls der Nebel alle Dateien kitzelt.“

Mara nahm das Bild. Es fühlte sich überraschend schwer an. Ein Augenblick auf Papier: unordentlich ordentliche Menschen (und Roboter), die zusammen etwas getan hatten, was nur zusammen ging. Sie steckte es in die Kartentasche, zwischen die Pläne des Nebels. Es passte.

„Wenn du draußen bist, lies den Nebel wie ein Buch, das du schon mal geliebt hast“, riet Lucas-3. „Und schick uns ein Gedicht.“

„Ein paar Fakten tun's auch“, sagte Mara.

„Auch schön.“

Sie stieg in die Wellenläuferin und betrachtete ihre Checkliste. Sie arbeitete sie wie ein kleines Ritual ab:

– Dock-Entriegelung prüfen. Grün.

– Triebwerke in Bereitschaft. Grün.

– Felder der Pension nicht belasten. Grün.

– Kurs auf Ionenspur setzen. Grün.

„Klarer Start“, sagte sie in die Kabine. Niemand antwortete, und das war genau richtig.

Draußen war der Nebel wieder widerständige Schönheit. Ihre Sensoren streckten sich ihm entgegen wie neugierige Fühler. Daten liefen über die Displays wie Wasserläufe über Stein. Mara fühlte ein sanftes Kribbeln, kein Alarm – nur die Gewissheit, dass dies ihr Ort war: zwischen Menschen, die Werkzeuge reich reichten, und Mustern, die sich erklären ließen, wenn man geduldig fragte.

„Wellenläuferin an Pension Nebelrast“, sagte sie über Funk. „Danke für das Dach, das ihr dem Sturm gehalten habt.“

„Pension Nebelrast an Wellenläuferin“, antwortete Ume. „Danke, dass du uns deine Schritte geliehen hast.“

„Ich habe sie nicht verliehen“, sagte Mara. „Ich habe sie geteilt.“

„Schön gesagt“, bemerkte Lucas-3. „Fast ein Gedicht.“

Die Wellenläuferin drehte sich ins Licht, und der Nebel öffnete eine Gasse, so schmal und leicht wie ein Seufzer. Mara lächelte in die Bordkamera, die am Rand der Konsole saß, und fühlte die Wärme eines Hauses irgendwo hinter sich und die weite Arbeit vor sich. Dann hob sie die Hand, tippte gegen den Rahmen, und zwinkerte der Kamera zu.

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Pension
Ein Ort, wo Menschen übernachten und oft auch essen können.
Nebel
Eine Ansammlung von Wassertröpfchen in der Luft, die die Sicht einschränken.
Schottfenster
Ein Fenster, das in einem Schiff oder Gebäude verwendet wird, um den Zugang zu kontrollieren.
Spule
Ein Gegenstand, der Draht oder eine andere Art von Material aufwickelt, oft in elektrischen Geräten.
Kuppel
Eine runde, gewölbte Struktur, die oft das Dach eines Gebäudes bildet.
Protokolle
Schriftliche Aufzeichnungen von Ereignissen oder Informationen.

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