Es war einmal, in einem weit entfernten, glitzernden Zauberland, wo die Bäume bunte Fransen trugen und die Schmetterlinge Purzelbäume flogen. Inmitten des Königreichs Funkelstein stand ein Schloss, das beim Niesen leise gluckste. Hier lebte Prinzessin Jula, die die lustigste Aufgabe im ganzen Schloss hatte: Sie war die offizielle Kapen-Aufräumerin. Jede Zauberin, jeder Zauberer und sogar die kleinen Zauberwichtel brachten ihre magischen Umhänge zu ihr. Jula liebte die vielen bunten, flatternden Stoffe, die beim Zusammenlegen kitzelten und manchmal sogar kicherten.
Ein ganz gewöhnlicher, lustiger Morgen
An einem kunterbunten Morgen, als die Sonne durch die Regenbogenfenster schien, stapfte Jula mit großen, schlurfenden Schritten, die wie Seifenblasen platzten, in den Kapensaal. Der Raum war so groß wie ein halber Elefant und so hoch wie ein Drachenschwanz, und überall hingen Capes in allen Farben: rote mit goldenen Sternen, blaue mit silbernen Streifen, grüne mit wackelnden Glöckchen. Sie alle dufteten nach etwas anderem: nach Karamell, nach Minze, nach frisch gemähtem Gras.
„Guten Morgen, ihr flatterhaften Kitzelmonster!“, rief Jula. Die Capes antworteten mit einem leisen Rascheln – sie waren nämlich ein bisschen kitzlig, wenn man sie berührte.
Jula begann, die Capes zu sortieren. Blau zu Blau, Glöckchen zu Glöckchen, Karamell zu Minze. Doch plötzlich, als sie gerade das violette Cape von Zaubermeister Funkel in die Luft schwang, hörte sie ein leises „Hatschi!“
Da! Das Cape kicherte! Es zuckte und wirbelte umher wie ein frecher Wind. Jula stutzte. „Na, das ist aber ein wildes Stück Stoff!“, lachte sie. Das Cape landete auf ihrem Kopf und flüsterte: „Komm spielen!“
Ein magisches Durcheinander
Plötzlich begannen alle Capes zu leben. Sie rutschten vom Regal, tanzten über den Boden, flatterten um Julas Füße und machten Purzelbäume. Ein grünes Cape wickelte sich um ihren Arm und zwickte sie sanft. „Komm!“, rief das rote Cape, „Wir wollen Abenteuer!“
Jula quietschte vor Vergnügen. „Na gut, aber nur ein kleines Abenteuer! Dann wird wieder aufgeräumt, versprochen!“
Wie ein Schwarm fröhlicher Vögel stürmten die Capes durch das Schloss und landeten – schwupps! – in der großen Zauber-Saal, wo die Lehrmeisterin, Frau Professorin Zwirbelfein, gerade auf ihren Stuhl kletterte, um das große Buch der Zaubersprüche zu holen.
„Was ist denn hier los?“, rief sie, als das gelbe Cape um ihren Stuhl tanzte. Die Capes kicherten und warfen Glitzerstaub in die Luft. Der Raum funkelte, als hätte jemand tausend Seifenblasen mit Zauberglück gefüllt. Jula lachte und rollte sich auf dem Boden vor Freude. Die Capes purzelten um sie herum, wie kleine bunte Wirbelstürme.
Doch dann – plumps! – landete das violette Cape mitten auf dem großen Zauberbuch, das prompt ein lautes „Hatschi!“ machte. Mit einem Mal wirbelten die Seiten umher, ein Zaubertrank kippte um, und plötzlich war die ganze Zauber-Saal voller funkelnder Bonbon-Schneeflocken! Sie schmolzen auf den Nasenspitzen und kitzelten die Ohren. Alle lachten und hüpften umher.
„Oh, du liebe Güte!“, rief Frau Professorin Zwirbelfein, „so ein Durcheinander!“
Jula kicherte: „Keine Sorge, ich bringe alles wieder in Ordnung!“
Der Zauber des Aufräumens
Mit einem klugen Plan lockte Jula die Capes zurück in den Kapensaal. „Wer am schnellsten am Haken hängt, bekommt ein Extra-Kitzelbad!“, rief sie. Sofort stürzten sich die Capes, lachend und flatternd, zurück auf ihre Plätze. Das rote Cape schaffte es als Erstes und bekam ein besonders kräftiges Kitzeln von Jula.
Dann nahm sie das Zauberbuch, pustete den Glitzerstaub herunter und ordnete alles in der Zauber-Saal wieder richtig. Die Bonbon-Schneeflocken sammelte sie in ein Glas, damit sie später mit den Schlossmäusen teilen konnte. Frau Professorin Zwirbelfein zwinkerte ihr zu: „Du bist wirklich eine Zauber-Aufräum-Prinzessin!“
Jula strahlte. „Mit freundlichen Capes und einem fröhlichen Kitzeln ist alles halb so wild!“
Ein leises, zauberhaftes Ende
Am Abend, als die Sonne langsam hinter den glitzernden Hügeln verschwand, saßen die Capes auf ihren Haken und summten leise Schlaflieder. Jula schlich durch den Kapensaal, kraulte noch einmal ein besonders kitzliges Cape und gähnte.
Sie setzte sich in den großen, weichen Sessel in der Ecke, schloss die Augen und lauschte dem ruhigen Atmen der Capes. Wie ein sanfter Windhauch wehte ein Gefühl von Geborgenheit durch den Saal.
Alles war wieder an seinem Platz. Kein Cape lag mehr auf dem Boden, das Zauberbuch schlief friedlich, und die Bonbon-Schneeflocken funkelten leise im Glas.
Jula atmete tief ein, dann langsam aus. Ihr Atem wurde ganz ruhig, wie das sanfte Schwingen eines Zauberpendels. Und während draußen die Sterne über Funkelstein leuchteten, schlief die kleine Prinzessin ein – sicher und glücklich, umgeben von ihren fröhlichen, magischen Capes und dem wohligen, regelmäßigen Atmen des ganzen Schlosses.