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Geschichte über die Geschlechtergleichheit 9/10 Jahre Lesen 11 min.

Die gemischten Spielecken: Mut für alle Kinder

Mina schlägt vor, die Spielecken in ihrer Klasse zu mischen, woraufhin die Kinder gemeinsam Berufe entdecken und Geschlechterrollen hinterfragen.

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Ein etwa 10-jähriges Mädchen mit kastanienbraunen Zöpfen, rundem Gesicht und Sommersprossen lächelt selbstbewusst, trägt einen zu großen gelben Bauhelm, hält einen kleinen Holzklotz und streckt die Hand zum Einladen; rechts von ihr baut ein etwa 10-jähriger Junge mit kurzen schwarzen Haaren konzentriert eine Spielrampe neben einem Mini-Kartonhangar; links rührt ein etwa 9-jähriges blondes Mädchen mit geflochtener Frisur und schelmischen Augen in einem rosa Topf falsche Suppe vor einer Plastik-Küchenzeile; im Vordergrund hockt ein etwa 10-jähriger rothaariger, etwas schüchterner Junge und baut eine kleine Mauer aus Bausteinen neben einer Spielzeugkiste; der Klassenraum ist farbenfroh und hell mit hellem Holzboden, gestreiftem Teppich, niedrigen Regalen, Tier- und Werkzeugpostern und weichem Licht durch ein großes Fenster; Hauptsituation: Mini-Küche und Bauzone sind vermischt — fröhliche, inklusive, lebhafte Atmosphäre, Kinder kooperieren und lachen, lebendige Farben, sichtbare Karton- und Plastiktexturen, warmer optimistischer Stil. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Ein Vorschlag mit kleinem Kribbeln

Mina war zehn und hatte heute dieses „Ich-will-was-anders“-Gefühl im Bauch. In der Pause beobachtete sie die Spielecken im Klassenzimmer: da drüben die Bauecke mit Holzklötzen und Autos, daneben die Puppenecke mit Küche, Decken und winzigen Tellern. Es war nicht verboten, überall zu spielen – aber irgendwie landeten immer die gleichen Kinder in den gleichen Ecken.

Mina schaute zu Leo, der in der Bauecke eine Garage baute und dabei so konzentriert die Zunge zwischen die Lippen klemmte, als würde er ein echtes Haus bauen. In der Puppenecke rührte Jule in einem Plastiktöpfchen und flüsterte: „Suppe für alle!“

Mina ging zur Klassenlehrerin, Frau Keller, die gerade Zettel sortierte. „Dürfen wir heute mal die Spielecken mischen? Also… dass die Bauecke auch eine Küche bekommt und die Puppen auch mal in die Garage ziehen?“

Frau Keller hob die Augenbrauen, aber nicht streng. Eher neugierig. „Eine spannende Idee. Warum möchtest du das?“

Mina zuckte mit den Schultern. „Weil… ich mal Baggerfahrerin sein will und Leo vielleicht auch kochen. Und Sam… na ja, Sam mag manchmal beides, aber traut sich nicht immer.“

Sam stand nicht weit weg und tat so, als würde er an seinem Turnbeutel zupfen, hörte aber ganz genau zu.

Frau Keller nickte langsam. „Dann machen wir das als Klassenexperiment. Aber fair: Wir reden vorher über Regeln. Respekt, keine Sprüche und jeder darf jederzeit wechseln.“

Mina spürte, wie das Kribbeln größer wurde – diesmal vor Freude.

Kapitel 2: Die gemischte Spielewelt

Nach der Mathe-Stunde stellte Frau Keller alle in einen Kreis. „Heute mischen wir unsere Spielecken. Das heißt: Niemand sagt ‚Das ist nur für Jungen‘ oder ‚Das ist nur für Mädchen‘. Und niemand lacht, wenn jemand etwas ausprobiert.“

Tom meldete sich. „Aber Puppen sind doch… na ja…“

Frau Keller fragte ruhig: „Was genau meinst du mit ‚doch‘?“

Tom wurde rot. „Mein Onkel sagt, das ist Mädchenkram.“

Mina hob die Hand. „Mein Papa kocht jeden Abend. Und der hat auch nicht plötzlich… äh… ein Kleid an.“ Ein paar Kinder kicherten, und Mina merkte, dass sie selbst lachen musste. „Also, ich meine: Kochen ist einfach kochen.“

Sam sagte leise: „Und ich hab zu Hause eine Puppe. Die ist ein Astronaut. Der kann auch in der Garage wohnen.“

Da war es kurz still. Dann grinste Leo. „Ein Astronaut in meiner Garage? Der braucht bestimmt eine Raketen-Reparaturstation!“ Er sprang auf. „Komm, Sam, wir bauen eine.“

Mina schnappte sich einen gelben Bauhelm aus der Verkleidungskiste und setzte ihn auf. Er wackelte ein bisschen und rutschte ihr über die Stirn. „Ich sehe aus wie eine Kartoffel mit Helm“, murmelte sie. Jule prustete los.

Gemeinsam schoben sie die Küchenzeile näher an die Klötze. Die Puppen bekamen ein kleines Bett aus Bauklötzen, und die Autos parkten neben dem Mini-Herd. Leo rührte plötzlich in Jules Suppentopf. „Was kommt da rein?“

„Mut“, sagte Jule, „und Nudeln.“

„Und ein bisschen Glitzer?“, fragte Mina.

„Glitzer macht alles besser“, entschied Sam ernsthaft. Dann legte Sam einen silbernen Baustein in den Topf. Alle lachten, aber nicht über Sam – mit Sam.

Tom stand am Rand und sah zu. Mina winkte ihm. „Willst du die Reparaturstation mitbauen? Du kannst die Schranke machen.“

Tom zögerte, dann nickte er. „Okay. Aber ich mache die stärkste Schranke der Welt.“

Als die Pause vorbei war, wirkte das Klassenzimmer, als hätte jemand die Luft neu sortiert. Leichter. Freier.

Kapitel 3: Vor dem Regal „Berufe“

Am Nachmittag ging die Klasse in die Schulbibliothek. Es roch nach Papier und einem Hauch von Staub, der sich wie ein Geheimnis anfühlte. Frau Keller führte sie zu einem Regal mit einem Schild: „Berufe“.

„Wir suchen heute Geschichten über verschiedene Berufe“, erklärte sie. „Und wir schauen, wer darin vorkommt.“

Mina stand vor dem Regal und strich mit dem Finger über die Buchrücken. Feuerwehr, Ärztin, Pilot, Bäckerin, Programmierer… Einige Titel hatten Bilder: ein Feuerwehrmann mit Helm, ein Pilot mit Sonnenbrille, eine Tänzerin im rosa Kleid.

„Warum sind da so viele Männer bei Feuerwehr und Polizei?“, fragte Mina.

Sam zog ein Buch heraus, auf dem eine Polizistin zu sehen war. „Guck mal. Gibt's auch.“

Leo fand ein Buch über eine Hebamme. „Darf ein Mann das sein?“

Frau Keller nickte. „Ja. Männer können Hebammen nicht überall werden, aber sie können in der Geburtshilfe arbeiten. Und sie können wunderbar Babys versorgen. Wichtig ist: Wer passt, wer will lernen, wer ist gut darin.“

Jule hielt ein Buch hoch: „Hier ist eine Ingenieurin. Die baut Brücken!“

Tom blätterte in einem Buch über Köche. „Da ist ein Mann. Und… der hat eine rosa Schürze.“ Er sah kurz unsicher aus.

Mina grinste. „Und? Hat die Schürze ihm das Kochen weggenommen?“

Tom schnaubte. „Nee. Der macht sogar Pfannkuchen.“

Vor dem Regal „Berufe“ wurde es plötzlich ganz still in Mina. Sie stellte sich vor, wie sie später einmal mit Helm auf einer Baustelle steht, aber danach nach Hause kommt und mit ihrem kleinen Bruder eine Gute-Nacht-Geschichte liest. Beides passte in ein Leben. Es musste nicht in Schubladen wohnen.

Frau Keller gab ihnen eine Aufgabe: „Jeder sucht sich ein Buch aus, in dem jemand einen Beruf macht, den ihr nicht sofort mit diesem Geschlecht verbindet. Oder einen Beruf, den ihr selbst spannend findet, egal was andere denken.“

Mina nahm ein Buch über eine Lokführerin. Auf dem Cover lächelte eine Frau im Führerstand, und hinter ihr zog ein Zug durch grüne Felder. Mina spürte wieder dieses Kribbeln – diesmal wie eine Tür, die aufgeht.

Kapitel 4: Ein Plan für die Klassenstunde

Am nächsten Tag legte Mina ihr Lokführerin-Buch auf den Gruppentisch. „Ich will euch was zeigen“, sagte sie und schlug eine Seite auf, auf der die Lokführerin einen Jungen tröstete, der seinen Rucksack im Zug vergessen hatte.

„Sie fährt nicht nur den Zug“, erklärte Mina. „Sie hilft auch Menschen. Und sie kann gleichzeitig streng mit den Regeln sein.“

Leo hielt sein Buch hoch: ein Mann als Florist, der Blumen zu Sträußen band. „Der hier sagt: Farben haben keine Geschlechter. Rot ist nicht nur für Jungs und Rosa nicht nur für Mädchen.“

Sam hatte ein Buch über eine Person, die sich weder als Junge noch als Mädchen bezeichnete und als Tierärztin arbeitete. Sam zeigte auf eine Stelle. „Hier steht, dass man ‚sie‘, ‚er‘ oder ‚they‘ sagen kann, wie die Person es mag. Also… man fragt einfach.“

Tom räusperte sich. „Ich hab das Kochbuch. Und ehrlich… der Typ mit der rosa Schürze ist ziemlich cool.“ Er grinste schief. „Vielleicht probiere ich heute zu Hause Pfannkuchen.“

Frau Keller lächelte. „Das ist genau der Punkt. Wir müssen nicht alle gleich sein. Wir sollen gleich viel wert sein. Und wir sollen einander Platz machen.“

Mina hatte noch eine Idee. „Können wir die Spielecken so lassen? Also nicht nur heute. Vielleicht machen wir Schilder: ‚Hier darf jeder spielen‘.“

Jule klatschte in die Hände. „Und wir können Aufgaben mischen! Beim Aufräumen nicht nur die Mädchen. Und beim Tragen nicht nur die Jungs.“

Leo nickte. „Und wenn jemand sagt ‚Das ist doof‘, dann sagen wir: ‚Probier's erst, dann rede.‘“

Sam sagte: „Und wenn jemand trotzdem Angst hat, dann kann man zu zweit anfangen.“

Frau Keller schrieb alles an die Tafel. Es sah aus wie eine kleine Landkarte zu einem faireren Klassenzimmer.

Kapitel 5: Ein Abend voller Dankbarkeit

Eine Woche später fühlte sich die Klasse anders an, ohne dass jemand eine große Rede gehalten hatte. In der Bauecke stand jetzt manchmal eine Puppenwiege aus Klötzen. In der Puppenecke parkte ein Polizeiauto neben dem Spielherd, weil „die Polizei auch essen muss“, wie Leo meinte. Beim Aufräumen trugen Tom und Jule gemeinsam die Kiste mit den schweren Klötzen, während Mina und Leo die Tassen aus der Spielküche stapelten. Niemand machte daraus ein Thema. Genau das war das Schöne.

In der Bibliothek hatten sie ein kleines Plakat aufgehängt, direkt neben dem Regal „Berufe“: „Du darfst werden, was zu dir passt.“ Darunter klebten bunte Zettel mit Wünschen: „Astronautin“, „Erzieher“, „Fußballprofi“, „Tierärztin“, „Bäcker“, „Comiczeichnerin“.

Am Freitag sagte Frau Keller am Ende des Tages: „Ich bin stolz auf euch. Ihr habt nicht nur neue Spiele ausprobiert, sondern auch neue Gedanken. Das ist mutig.“

Mina packte ihren Ranzen und spürte dieses warme Gefühl, als hätte jemand eine Decke um ihr Herz gelegt. Draußen war es schon dunkel, und zu Hause roch es nach Tee. Beim Zubettgehen setzte sich Mina zu ihrer kleinen Schwester, die noch wach war.

„Wie war's in der Schule?“, fragte die Schwester.

Mina erzählte von der Lokführerin, von Sams Astronautenpuppe, von Toms Pfannkuchenplan und von der gemischten Spielewelt. Die Schwester hörte mit großen Augen zu.

„Und was willst du mal werden?“, fragte sie schließlich.

Mina dachte kurz nach. „Vielleicht Lokführerin. Vielleicht auch was ganz anderes. Hauptsache, ich darf ich sein.“

Die Schwester gähnte. „Darf ich auch ich sein?“

„Immer“, sagte Mina und strich ihr über die Haare.

Bevor Mina das Licht ausmachte, flüsterte sie in die Dunkelheit, als würde die ganze Woche zuhören: „Danke, dass wir das ausprobieren durften. Danke, dass wir einander zugehört haben. Danke, dass wir zusammen fairer geworden sind.“

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Klassenexperiment
Ein Versuch, den die ganze Klasse zusammen macht, um etwas Neues zu lernen.
Respekt
Freundlicher Umgang mit anderen, zuhören und nicht gemein sein.
Reparaturstation
Ein Ort, wo Sachen repariert oder wieder ganz gemacht werden.
Lokführerin
Eine Frau, die einen Zug fährt und auf die Strecke achtet.
Bibliothek
Ein Raum oder Haus mit vielen Büchern zum Lesen und Ausleihen.
Geburtshilfe
Hilfe und Arbeit bei der Geburt von Babys im Krankenhaus oder anderswo.
Verkleidungskiste
Eine Kiste mit Kostümen und Hüten zum Anziehen und Spielen.
Regal
Ein Möbelstück mit Brettern, auf denen man Bücher oder Sachen stellt.
Plakat
Ein großes Blatt Papier mit Worten oder Bildern, das etwas zeigt.
Schubladen
Aufziehbare Fächer in Möbeln, wo man Dinge verstaut.
Führerstand
Der Raum vorne im Zug, wo die Lokführerin die Züge steuert.
Aufgabe
Eine Arbeit oder Sache, die man tun oder lernen soll.

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