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Detektivgeschichte 5/6 Jahre Lesen 18 min.

Detektivin Mira Mohn und der verschwundene goldene Stern

Die junge Detektivin Mira untersucht, warum im Schaufenster der Bäckerei ein goldener Papierstern verschwunden ist, und folgt dabei Spuren und Geheimnissen, die sie zu ihren Nachbarn führen.

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Die Detektivin Mira, rundes Gesicht, wachsamer Blick, konzentriert und beruhigend, sitzt im hellblauen Mantel mit gestreifter Schal und hält vorsichtig das goldene Papier einer großen, eingerissenen Sternen-Dekoration; rechts von ihr sitzt der etwa 10-jährige Benni mit zerzausten kastanienbraunen Haaren, beschämt aber erleichtert, den abgebrochenen Goldfetzen in den Händen; hinter dem Holztheken steht die etwa 50-jährige Frau Kessler mit grauen, zum Dutt gebundenen Haaren, bewegt und etwas streng, mit mehligem beigen Schürzenklecks und zitternder Hand zum Helfen; die etwa 6-jährige Lina mit braunen Zöpfen ist schüchtern und stolz, hält einen Kleber oder Glitzer, mit grünem Hut am Arm; links lehnt der etwa 40-jährige Herr Tali mit kurzem Bart hilfreich und großzügig über den Tisch und stellt eine Schachtel mit Drahtfäden und Mini-Fahrradlampen dazu; der Ort ist die Bäckereifront, jetzt improvisierte Werkstatt mit hellem Holztheke, blauem Vorhang, warmem gelbem Licht, Mehlgläsern, Utensilien und einer kleinen runden Tischmitte, wo alle ruhig und zärtlich gemeinsam den goldenen Papierstern mit Schere, Kleber, grünen Fäden und Stecklampen reparieren. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

1. Der fehlende Stern

Detektivin Mira Mohn wohnte in der Lindenstraße. Sie hatte einen kleinen Notizblock, einen weichen Bleistift und sehr aufmerksame Augen. Wenn etwas nicht stimmte, merkte sie es.

An diesem Morgen roch es nach warmen Brötchen. Vögel sangen. Und trotzdem war etwas anders.

Im Schaufenster von Frau Kesslers Bäckerei stand sonst immer ein großer Papierstern. Gold, mit Glitzerpunkten. Der Stern hing an einer blauen Schnur und drehte sich langsam, wenn die Tür aufging.

Heute war die Schnur da. Aber der Stern war weg.

Frau Kessler wischte den Tresen, immer wieder, obwohl er schon sauber war. Ihre Stirn war gerunzelt.

„Guten Morgen“, sagte Mira ruhig.

Frau Kessler seufzte. „Guten Morgen… Mira. Es ist… mein Stern.“

Mira nickte. „Der Stern fehlt.“

„Ich habe ihn gestern Abend noch gesehen“, flüsterte Frau Kessler. „Heute früh war er weg. Und ohne den Stern fühlt sich das Schaufenster leer an.“

Mira schrieb in ihren Block: Papierstern weg. Blaue Schnur hängt noch.

„Hat jemand die Schnur durchgeschnitten?“ fragte Mira.

Frau Kessler schüttelte den Kopf. „Nein. Die Schnur hängt. Als wäre der Stern einfach… abgenommen worden.“

Mira beugte sich näher ans Fenster. Ganz unten, am Rand der Scheibe, klebte etwas. Ein winziger Glitzerpunkt. Gold.

Sie sah sich um. Vor der Bäckerei lagen kleine, dunkle Krümel auf dem Boden. Nicht viele. Nur ein paar.

„Frau Kessler“, sagte Mira, „wer war gestern Abend noch hier?“

„Nur Benni“, sagte sie. „Er hat geholfen, die Stühle hochzustellen. Und dann habe ich abgeschlossen.“

Benni wohnte in der Nachbarwohnung. Er war freundlich und schnell, aber manchmal auch ungeduldig.

Mira blieb sachlich. „Und heute früh?“

„Ich kam um sechs“, sagte Frau Kessler. „Da war die Tür zu. Der Stern war schon weg.“

Mira sah auf die blaue Schnur. Sie schwang ganz leicht, obwohl niemand die Tür berührte. Vielleicht war es nur die Luft.

„Ich finde ihn“, sagte Mira. „Aber ich brauche deine Hilfe. Erinnerst du dich an ein Detail? Einen Geruch, ein Geräusch, irgendetwas?“

Frau Kessler schloss kurz die Augen. „Ich… ich glaube, ich habe gestern Abend ein leises Klappern gehört. Draußen. Wie etwas aus Metall.“

Mira schrieb: leises Klappern, Metall.

Sie drehte sich zu dir. „Hilfst du mir auch? Wir müssen gut zuhören und genau hinsehen. Jeder kleine Hinweis zählt.“

Mira trat vor die Tür. Auf dem Gehweg lag ein dünner Streifen Papier, gold. Er glitzerte. Daneben: ein feiner, grüner Faden.

Mira hob den Faden vorsichtig auf. „Grün“, murmelte sie. „Wer trägt hier grün? Und wo gibt es grünen Faden?“

Sie blickte die Straße entlang. Links war Herr Talis Fahrradladen. Dort hingen oft bunte Bänder. Rechts war der kleine Park mit der Schaukel. Und am Ende der Straße war die Bibliothek, wo Frau Sommer immer eine grüne Strickjacke trug.

Mira atmete langsam ein. „Wir gehen Schritt für Schritt“, sagte sie. „Erst: Wer konnte den Stern erreichen? Er hing hoch. Man braucht Größe oder etwas zum Draufstellen.“

Vor der Bäckerei stand eine Kiste, auf der „Mehl“ stand. Sie war leer und leicht.

Mira tippte dagegen. „So eine Kiste kann man tragen. Oder schieben.“

Sie ging die Straße entlang, suchte nach mehr Glitzerpunkten oder Papierstücken. Nach drei Schritten entdeckte sie etwas: einen winzigen goldenen Punkt auf einer grauen Mütze, die auf einer Bank lag.

„Eine Mütze“, sagte Mira.

Sie hob sie nicht an. Sie betrachtete sie nur. Innen stand ein Name: „Lina“.

Lina war Miras Nachbarin. Sechs Jahre alt wie du vielleicht. Sie liebte Basteln und klebte gern Glitzer überall hin.

Mira schrieb: Mütze Lina. Glitzer drauf.

„Das ist noch kein Beweis“, sagte Mira leise. „Nur ein Hinweis. Wir müssen hören, was die Leute sagen.“

Sie nahm die Mütze vorsichtig und ging zu Linas Haus.

2. Gespräche und leise Spuren

Linas Mutter öffnete die Tür. „Oh, Mira. Was gibt's?“

Mira zeigte die Mütze. „Ich habe sie auf der Bank gefunden. Gehört sie Lina?“

„Ja“, sagte die Mutter. „Lina sucht sie seit gestern Abend.“

In der Wohnung roch es nach Kakao. Lina saß am Tisch und klebte Papierblumen. Als sie die Mütze sah, rief sie: „Meine Mütze! Danke!“

Mira kniete sich hin, damit sie auf Augenhöhe war. „Lina, darf ich dich etwas fragen? Es ist wie ein Rätsel.“

Lina nickte eifrig.

„In der Bäckerei fehlt der goldene Stern“, sagte Mira. „Hast du ihn gesehen?“

Linas Augen wurden groß. „Der Stern ist soooo schön.“

Mira hörte genau hin. „Hast du ihn gestern Abend gesehen?“

Lina schaute auf ihre Hände. „Ich… ich war draußen. Im Dunkeln ein bisschen. Ich wollte nur gucken.“

„Mit wem?“ fragte Mira sanft.

„Mit Benni“, flüsterte Lina. „Er hat gesagt, wir sollen leise sein.“

Mira schrieb in den Block: Lina war mit Benni draußen.

Lina zupfte an einer Papierblume. „Wir wollten nur den Stern drehen sehen. Wenn man pusten würde, dreht er sich.“

„Und?“ fragte Mira.

„Benni hat die Mehlkiste genommen“, sagte Lina. „Er ist draufgestiegen. Ich nicht. Ich war klein.“

Mira blieb ruhig. „Was hat Benni dann gemacht?“

Lina biss sich auf die Lippe. „Er hat den Stern abgenommen. Ganz vorsichtig. Er hat gesagt, er borgt ihn nur. Für… für etwas.“

„Für was?“ fragte Mira.

Lina schüttelte den Kopf. „Er hat es nicht gesagt. Dann hat es geklappert. Metall. Und er ist schnell weg.“

Mira spürte, wie das Bild klarer wurde. Aber es fehlte noch etwas. Ein Detail.

„Lina“, sagte Mira, „hast du gesehen, wohin er gegangen ist? Links? Rechts? In den Park?“

Lina schloss die Augen, so wie Frau Kessler. Dann sagte sie: „Ich glaube… zum Fahrradladen. Da hat es immer so geklingelt.“

Der Fahrradladen. Metallklappern. Grüne Fäden vielleicht.

Mira stand auf. „Danke, Lina. Du hast gut geholfen. Es ist wichtig, die Wahrheit zu sagen, auch wenn man sich schämt.“

Linas Mutter strich Lina über den Kopf. „Gut, dass du es sagst“, sagte sie leise.

Auf der Straße ging Mira zügig, aber nicht hektisch. Sie mochte es, wenn Gedanken ordentlich liefen, wie Perlen auf einer Schnur.

Vor Herrn Talis Fahrradladen klirrten tatsächlich kleine Glöckchen an einer Tür. Drinnen standen Räder, Pumpen und Helme. Bunte Bänder hingen an einem Regal. Auch grüne.

Herr Tali lächelte. „Mira! Suchst du einen neuen Korb?“

„Vielleicht später“, sagte Mira. „Ich suche etwas anderes. Einen goldenen Papierstern.“

Herr Tali hob die Augenbrauen. „Ein Stern? Hm.“

Mira beobachtete: Hinter dem Tresen stand eine Leiter. Daneben lag ein Stück Draht. Und auf dem Boden glitzerte etwas Gold.

„War Benni hier?“ fragte Mira.

Herr Tali nickte langsam. „Gestern Abend, ja. Er wollte… er wollte Draht. Dünnen Draht. Für eine Überraschung.“

Mira notierte: Benni wollte Draht. Überraschung.

„Hat er etwas hier gelassen?“ fragte Mira.

Herr Tali zeigte auf eine Ecke. Dort lag eine kleine Papiertüte. Darin waren grüne Fäden und eine Rolle Klebeband.

„Er hat es vergessen“, sagte Herr Tali. „Ich wollte es ihm morgen geben.“

Mira nahm die Tüte nicht einfach. Sie fragte: „Darf ich sie kurz ansehen? Es ist wichtig.“

Herr Tali nickte. Mira sah hinein. Zwischen den Fäden lag ein winziger goldener Stern-Schnipsel. Und ein Stück blauer Schnur.

Die blaue Schnur war wie in der Bäckerei.

Mira atmete aus. „Das gehört zum Schaufenster.“

Herr Tali runzelte die Stirn. „Das klingt nicht gut.“

„Noch nicht“, sagte Mira. „Manchmal steckt etwas Gutes dahinter. Aber wir müssen mit Benni sprechen.“

Sie ging zu Bennys Haus. Sie klopfte.

Keine Antwort.

Sie klopfte noch einmal, etwas fester. Da hörte sie drin ein Geräusch. Ein Schluchzen. Leise.

Mira hielt inne. Sie hörte genau zu. Jemand war dort. Und jemand war sehr traurig.

Sie drückte die Klinke nicht. Sie wartete. Dann sagte sie durch die Tür, ruhig und freundlich: „Benni? Ich bin's, Mira. Ist alles in Ordnung?“

Stille. Dann ein gepresstes: „Nein.“

Mira schaute zu dir. „Jetzt müssen wir besonders gut zuhören“, flüsterte sie. „Traurige Menschen brauchen Zeit.“

Sie sagte: „Benni, ich komme nicht rein. Ich stehe nur hier. Du kannst die Tür einen Spalt öffnen, wenn du willst.“

Ein Schlüssel drehte sich. Die Tür ging ein kleines Stück auf. Benni stand dahinter. Seine Augen waren rot. In seinen Händen hielt er etwas, eingewickelt in ein Tuch.

Mira sah ihn aufmerksam an. „Du bist aufgewühlt“, sagte sie. „Ist dir etwas passiert?“

Benni schluckte. „Ich… ich wollte doch nur…“ Seine Stimme brach.

Da kam eine spontane Reaktion: Mira machte einen Schritt zurück und setzte sich auf die Stufe vor der Tür, ganz ruhig. „Ich habe Zeit“, sagte sie. „Erzähl es mir langsam. Ich höre zu.“

Benni atmete zittrig aus. Dann setzte er sich auch hin. Das Tuch hielt er fest.

„Der Stern…“, flüsterte er. „Ich habe ihn genommen.“

Mira nickte. „Das weiß ich fast sicher. Aber warum?“

Benni wischte sich über die Nase. „Meine Oma kommt heute. Sie war lange krank. Sie hat immer gesagt, der Stern in der Bäckerei macht sie glücklich. Ich wollte ihr einen eigenen Stern machen. Einen, der leuchtet.“

„Leuchtet?“ fragte Mira.

Benni nickte. „Ich wollte hinten kleine Lichter dran machen. Aus dem Fahrradladen, mit Draht. Dann hätte ich ihn ihr heute Abend gezeigt. Nur kurz. Dann hätte ich ihn zurückgebracht.“

Mira dachte nach. „Und was ist schiefgegangen?“

Benni öffnete das Tuch ein wenig. Der Stern war da. Aber an einer Ecke war er eingerissen. Ein Stück fehlte.

Benni fing wieder an zu weinen. „Ich hab ihn kaputt gemacht! Als ich ihn schnell verstecken wollte, hat die Tür geknallt. Dann ist er gerissen. Ich hab das Stück verloren. Ohne das Stück… ist er nicht mehr perfekt. Frau Kessler wird sauer sein. Und Oma…“

Mira blieb ruhig. „Benni, danke, dass du es sagst. Mutig ist, ehrlich zu sein. Aber wir brauchen das fehlende Stück. Sonst bleibt ein Loch. Erinnerst du dich, wo du gerannt bist?“

Benni schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Alles war so schnell.“

Mira sah auf seine Schuhe. An der Sohle klebte etwas Dunkles. Krümel. Wie vor der Bäckerei. Und ein winziger goldener Punkt.

„Wir gehen deinen Weg nach“, sagte Mira. „Schritt für Schritt. Du musst nicht allein sein.“

Benni nickte, noch schniefend.

3. Der Weg zurück und das kleine Stück

Mira führte Benni nach draußen. Sie ging langsam, damit er folgen konnte. Sie schaute auf den Boden, auf die Ränder, in die Ecken.

„Erinnerst du dich an Geräusche?“ fragte sie.

„Das Klingeln im Fahrradladen“, sagte Benni leise. „Und… ein Hund hat gebellt.“

„Ein Hund“, wiederholte Mira. „Wer hat hier einen Hund?“

Am Ende der Straße wohnte Frau Sommer mit ihrem kleinen Hund Knopf. Knopf bellte oft, wenn jemand rannte.

Mira nickte. „Dann bist du wohl da vorbeigelaufen.“

Sie gingen an der Bank vorbei, wo die Mütze gelegen hatte. Mira schaute unter die Bank. Nichts.

Sie gingen weiter. Mira blieb an einer Hecke stehen. In den Blättern hing etwas. Ein winziger, goldener Papierfetzen, der im Wind zitterte.

Mira hob ihn nicht sofort an. „Benni“, fragte sie, „hast du dich hier irgendwo versteckt?“

Benni sah die Hecke an und nickte klein. „Kurz. Ich hab gehört, wie jemand kam.“

Mira streckte die Hand aus und nahm den Fetzen vorsichtig. „Das könnte es sein“, sagte sie. „Aber wir prüfen es.“

Sie legte den Fetzen an die eingerissene Ecke des Sterns, ohne zu drücken. Es passte genau. Wie ein Puzzleteil.

Benni atmete ein. „Das ist es!“

Mira lächelte kurz. „Gut beobachtet, gut gesucht. Jetzt fehlt nur noch: Was machen wir als Nächstes?“

Sie schaute zu dir, als würdest du mitdenken. „Was wäre fair?“

Benni flüsterte: „Zurückbringen. Und entschuldigen.“

„Ja“, sagte Mira. „Und wir erklären alles. Wir hören Frau Kessler zu, auch wenn sie wütend ist. Zuhören ist wichtig.“

Sie gingen zur Bäckerei. Frau Kessler stand noch immer hinter dem Tresen. Als sie Benni sah, wurde ihr Gesicht hart. Dann sah sie den Stern im Tuch, und ihre Augen wurden feucht.

Benni hielt das Tuch hoch, aber seine Hände zitterten. „Frau Kessler… es tut mir leid. Ich habe den Stern genommen. Ich wollte… ich wollte meiner Oma eine Freude machen. Dann ist er gerissen. Aber Mira hat das Stück gefunden. Wir können ihn reparieren.

Frau Kessler sagte erst nichts. Man hörte nur den Ofen leise summen.

Mira sprach ruhig: „Frau Kessler, Benni hat Angst. Aber er ist gekommen. Er sagt die Wahrheit. Bitte hören Sie ihn an.“

Frau Kessler atmete langsam aus. Dann nickte sie. „Ich höre dich, Benni.“

Benni erzählte alles. Von der Mehlkiste. Von den Lichtern. Vom Knall der Tür. Er sprach stockend, aber ehrlich.

Frau Kessler legte die Hand auf den Tresen. „Der Stern ist nicht nur Papier“, sagte sie leise. „Er ist eine Erinnerung. Meine Schwester hat ihn gebastelt. Darum bin ich so… so empfindlich.“

Benni schluckte. „Das wusste ich nicht.“

„Du konntest es nicht wissen“, sagte Frau Kessler. „Aber du hättest fragen können.“

Benni nickte. „Ja. Ich hätte fragen sollen.“

Mira zog ihren Block hervor. „Wir haben zwei Aufgaben“, sagte sie. „Erstens: den Stern reparieren. Zweitens: eine Lösung finden, damit Oma auch einen Stern bekommt, ohne dass jemand traurig wird.“

Frau Kessler wischte sich die Augen. „Reparieren können wir ihn hier. Ich habe Kleber und dünnes Papier.“

Herr Tali kam gerade zur Tür herein. Er hatte wohl gehört, dass etwas los war. In der Hand hielt er die vergessene Tüte mit Draht und Fäden. „Ich glaube, das gehört dazu“, sagte er und stellte sie hin.

„Danke“, sagte Mira.

Lina kam auch, mit ihrer grünen Strickmütze auf dem Kopf. Sie trat zögernd näher. „Ich… ich hab's gesehen“, sagte sie. „Aber ich hatte Angst, Ärger zu bekommen.“

Mira nickte. „Danke, dass du jetzt sprichst. Zuhören und reden hilft.“

Gemeinsam setzten sie sich an einen kleinen Tisch. Frau Kessler legte den Stern vorsichtig hin. Mira hielt die Ecken. Benni gab Kleber, ganz sparsam. Lina reichte ein dünnes Stück Papier für hinten. Herr Tali schnitt ein kleines Stück Draht ab, damit die Ecke stabil blieb.

„Langsam“, sagte Mira. „Geduld ist wie ein Taschenlicht im Dunkeln.“

Nach einer Weile war der Riss kaum noch zu sehen. Der Stern glänzte wieder. Frau Kessler hob ihn ans Fenster und band ihn an die blaue Schnur. Er drehte sich sanft.

Benni atmete auf. „Danke.“

Frau Kessler schaute ihn an. „Ich bin froh, dass du zurückgekommen bist. Aber ich brauche ein Versprechen.

„Ich frage nächstes Mal“, sagte Benni sofort. „Und ich nehme nichts ohne Erlaubnis.“

„Gut“, sagte Frau Kessler. Dann wurde ihre Stimme weicher. „Und wegen deiner Oma…“

Mira hob den Bleistift. „Wir können einen neuen Stern basteln“, sagte sie. „Nicht aus dem Schaufenster. Aus frischem Papier. Mit Lichtern, wenn es sicher ist.“

Herr Tali nickte. „Ich habe kleine Fahrradlichter, die man anklipsen kann. Ganz leicht.“

Lina strahlte. „Und ich habe Glitzer!“

Frau Kessler lachte leise. „Glitzer ist gefährlich“, sagte sie, aber freundlich. „Er landet überall.“

Mira sagte: „Dann machen wir es ordentlich. Und wir hören Oma zu, was sie mag.“

Am Abend standen alle vor Bennys Haustür. Oma kam langsam heraus, mit einem warmen Schal. Benni hielt einen neuen Stern in den Händen. Er war nicht perfekt. Aber er leuchtete sanft, und an einer Ecke war ein kleiner grüner Faden, wie ein Geheimzeichen.

„Für dich“, sagte Benni. „Und… ich habe etwas gelernt.“

Oma schaute den Stern an, dann Benni. „Was denn?“

„Dass man fragen muss“, sagte Benni. „Und dass man zuhören muss. Sonst tut man weh, ohne es zu wollen.“

Oma nickte. „Das ist ein großes Lernen.“

In der Lindenstraße war es still und friedlich. Aus der Bäckerei fiel warmes Licht auf den Gehweg. Der alte Stern drehte sich im Fenster, als würde er sagen: Alles ist wieder gut.

Mira steckte ihren Notizblock ein. Sie sah sich im Viertel um. Keine Hektik mehr. Nur Stimmen, die freundlich klangen.

„Fall gelöst“, sagte sie leise zu dir. „Weil wir hingeschaut haben. Und weil wir zugehört haben.“

Und in dieser Nacht schlief die Lindenstraße ruhig. Wie ein Stadtteil, der wieder Vertrauen gefunden hatte.

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Detektivin
Eine Person, die nach Spuren sucht und Rätsel löst, wie ein Finder.
Notizblock
Ein kleines Heft, in das man wichtige Dinge oder Hinweise schreibt.
Aufmerksam
Gut schauen und hören, damit man nichts Wichtiges verpasst.
Schaufenster
Das große Fenster eines Ladens, wo Dinge zum Anschauen stehen.
Glitzer
Sehr kleine, glänzende Stücke, die Licht schön funkeln lassen.
Schnur
Ein dünnes Band aus Faden, mit dem man Dinge aufhängen kann.
Gerunzelt
Die Stirn falten, weil man nachdenkt oder sich sorgt.
Klappern
Ein trockenes, wiederholtes Geräusch, als würden zwei Sachen stoßen.
Schluchzen
Leise und zitternd weinen, wenn man sehr traurig ist.
Reparieren
Etwas kaputtes wieder ganz oder besser machen.
Versprechen
Sagen, dass man etwas tun wird und es dann halten soll.
Zuhören
Leise bleiben und aufmerksam hören, was jemand sagt.

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