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Geschichten von kleinen Ermittlern 7/8 Jahre Lesen 20 min.

Der verschwundene bunte Schal und Miras freundlicher Detektivfall

Mira, ein aufgewecktes Mädchen, entdeckt, dass Frau Riedels bunter Schal fehlt, und folgt Spuren im Treppenhaus, um das Geheimnis freundlich zu lösen.

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Ein freundliches Treppenhaus im vierten Stock: ein etwa 8-jähriges Mädchen mit kinnlangem hellbraunem Haar, rundem Gesicht und Sommersprossen, große neugierige Augen, hält vorsichtig ein buntes Konfetti-Tuch, gebeugt über ein Paket auf dem Zwischenpodest; ein etwa 9-jähriger Junge mit zerzaustem braunem Haar und stolzem Lächeln steht direkt hinter ihr mit einem Fußball unter dem Arm und schaut bewundernd; Frau Klee, circa 50, graue Haare zum lockeren Dutt, runde Brille, kniet erleichtert neben den Paketen, als hätte sie das Tuch wiedergefunden; Frau Riedel, etwa 65, freundliches Lächeln, steht in der Wohnungstür und streckt die Hände aus, warme Lichtquelle hinter ihr; helle cremefarbene Wände, dunkles Holzgeländer, grüne Briefkasten am unteren Ende, Topfpflanzen auf den Podesten, abgenutzter Fliesenboden mit Krümeln und einem kleinen blauen Faden; Hauptszene: freundliche Entdeckung des Tuchs zwischen Paket und Wand, ruhige Gesten, sanfte Mimik, Aquarell-Pastellpalette mit lebhaften Akzenten am Tuch. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Ein leises Rätsel im Treppenhaus

Mira war acht Jahre alt und fand, dass jedes Haus ein bisschen wie ein Buch ist. Man muss nur lernen, zwischen den Zeilen zu lesen. In ihrem Haus gab es vier Stockwerke, eine grüne Eingangstür, einen Briefkasten, der immer ein kleines Klacken machte, und ein Treppenhaus, das nach Seife und ein bisschen nach nassen Jacken roch.

An diesem Nachmittag kam Mira mit ihrem Rucksack nach Hause. Es hatte kurz geregnet, und auf den Stufen glitzerten winzige Wasserpunkte. Mira hüpfte von einer trockenen Stelle zur nächsten, als wäre der Boden ein Spiel.

Im ersten Stock blieb sie stehen. Etwas fehlte.

Normalerweise lag auf der kleinen Bank neben der Treppe ein gemusterter Schal. Der Schal gehörte Frau Riedel aus dem dritten Stock. Sie legte ihn oft dort ab, wenn sie die Einkaufstaschen sortierte. Der Schal war so bunt, dass man ihn schon von weitem sehen konnte.

Heute war die Bank leer.

Mira spürte dieses besondere Kitzeln im Bauch. Das Kitzeln, das sie „Detektiv-Gefühl“ nannte. Nicht, weil etwas Schlimmes passiert war. Eher, weil die Welt plötzlich eine Frage stellte.

Mira hatte eine kleine Dose in ihrem Rucksack. Darin: ein Bleistift, ein Radiergummi, und viele kleine Klebezettel. Die waren ihr wichtig. Wenn man nachdenkt, hilft es, Gedanken festzukleben, damit sie nicht wegrutschen.

Mira klebte einen Zettel an die Wand neben der Bank. Darauf schrieb sie in großen Buchstaben:

„FRAGE 1: WO IST DER BUNTE SCHAL?“

Sie ging langsam weiter nach oben. Dabei schaute sie auf alles, was im Treppenhaus zu sehen war: die Fußmatten, die Fensterbänke, die Pflanzen, die Schuhspuren.

Vor der Wohnungstür von Familie Sander im zweiten Stock lag eine Fußmatte mit einem Hund drauf. Der Hund sah immer aus, als hätte er gerade einen Witz gehört. Mira fand das beruhigend.

Auf der Stufe davor lag… ein kleiner Faden. Blau. Genau wie ein Teil vom Muster des Schals.

Mira kniete sich hin. Sie hob den Faden vorsichtig auf, als wäre er eine Spur aus einem geheimen Land.

„Aha“, murmelte sie leise.

Sie klebte den Faden auf einen Klebezettel, damit er nicht verloren ging, und schrieb:

„SPUR A: BLAUER FADEN AUF STUFE ZWEITER STOCK.“

Jetzt hatte sie nicht nur eine Frage, sondern auch einen Anfang.

Als sie im dritten Stock ankam, war die Tür von Frau Riedel einen Spalt offen. Das war ungewöhnlich. Mira klopfte vorsichtig.

„Hallo? Frau Riedel?“

Die Tür ging weiter auf, und Frau Riedel stand da, ein bisschen zerzaust, aber nicht traurig. Eher überrascht, als hätte sie etwas gesucht, das sich versteckt.

„Ach, Mira“, sagte sie. „Hast du zufällig meinen Schal gesehen? Den bunten? Ich dachte, ich hätte ihn auf die Bank gelegt.“

„Ich suche gerade danach“, sagte Mira und hielt den Klebezettel mit dem Faden hoch. „Ich habe eine Spur.“

Frau Riedel blinzelte. „Eine Spur? Wie im Krimi?“

„Wie in einem Kinder-Krimi“, sagte Mira. „Ohne Grusel. Nur mit Denken.“

Frau Riedel lächelte. „Das klingt gut. Ich brauche nämlich meinen Schal. Der ist warm. Und er macht mich fröhlich.“

Mira nickte. Wärme und Fröhlichkeit waren wichtige Dinge. Also wurde der Schal-Fall offiziell.

Bevor Mira weiterging, klebte sie noch einen Zettel neben Frau Riedels Tür:

„FRAGE 2: WER HAT DEN SCHAL ZULETZT GESEHEN?“

„Wenn dir etwas einfällt, sag es mir“, sagte Mira.

„Ich denke nach“, versprach Frau Riedel. „Und ich koche inzwischen Tee. Denken geht besser mit Tee.“

Mira stieg wieder hinunter. Das Treppenhaus war plötzlich nicht nur ein Weg. Es war ein Tatort. Aber ein freundlicher Tatort, mit Hundematte und Blumenduft.

Und Mira war mittendrin, mit Klebezetteln in der Hand und einem Kopf voller Möglichkeiten.

Kapitel 2: Klebezettel, Krümel und ein freundlicher Verdacht

Mira stellte sich unten im Treppenhaus neben den Briefkasten. Von hier aus konnte sie alles überblicken: die Stufen, die Bank, das Fenster im Zwischenpodest, sogar die kleine Ecke, wo manchmal Pakete standen.

Sie klebte einen neuen Zettel an den Briefkasten:

„REGEL: NICHT SCHNELL RUFEN. ERST GUCKEN. DANN DENKEN.“

Das war ihre wichtigste Detektiv-Regel. Denn wenn man gleich „Dieb!“ ruft, wird alles laut und schwer. Mira wollte es leicht und klar halten.

Sie ging zur Bank und beugte sich hinunter. Unter der Bank lag ein winziges Papierstück. Es sah aus wie ein Schnipsel von einem Kassenzettel. Darauf standen Zahlen und das Wort „Bäckerei“.

Mira hob es auf. Sie roch daran, nur ganz kurz. Es roch ein bisschen nach Zimt. Das passte.

Sie klebte den Schnipsel auf einen Zettel und schrieb:

„SPUR B: BÄCKEREI-SCHNIPSEL UNTER DER BANK.“

Dann hörte sie Schritte. Jemand kam die Treppe herunter. Es war Jonas aus dem zweiten Stock. Er war neun und trug einen Fußball unterm Arm. Er war immer ein bisschen zu schnell, als hätte er einen Motor im Bauch.

„Hey, Mira“, sagte er. „Was machst du da?“

„Ich löse ein Rätsel“, sagte Mira. „Der bunte Schal von Frau Riedel ist weg.“

Jonas' Augen wurden groß. „Weg? Also… geklaut?“

Mira schüttelte den Kopf. „Wir wissen es noch nicht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel: Er wurde aus Versehen mitgenommen. Oder er ist irgendwo hingefallen. Oder jemand wollte helfen und hat ihn weggelegt.“

Jonas nickte langsam, als würde sein Motor kurz leiser werden. „Ich hab ihn gestern gesehen. Auf der Bank. Als ich vom Training kam.“

Mira schrieb das auf einen Zettel und klebte ihn an die Wand neben der Bank:

„ZEUGE 1: JONAS SAH DEN SCHAL GESTERN AUF DER BANK.“

„Hast du heute irgendwas gesehen? Einen bunten Schal in deiner Wohnung? Oder im Flur?“, fragte Mira.

Jonas schüttelte schnell den Kopf. „Nee. Aber… ich hab heute früh die Nachbarin aus dem vierten Stock gesehen. Frau Klee. Die hatte so viele Taschen. Vielleicht hat sie… aus Versehen…“

Jonas sagte den Satz nicht zu Ende, aber seine Augen verrieten: Er hatte einen Verdacht.

Mira nahm einen tiefen Atemzug. Verdächte sind wie Seifenblasen. Sie schweben schön, aber sie platzen schnell, wenn man zu fest drückt. Man muss sie vorsichtig prüfen.

„Wir machen daraus eine Frage“, sagte Mira.

Sie klebte einen neuen Zettel an die Wand beim Treppenfenster:

„FRAGE 3: HAT JEMAND DEN SCHAL AUS VERSEHEN MITGENOMMEN?“

Jonas kratzte sich am Kopf. „Und wenn doch?“

„Dann bringen wir ihn freundlich zurück“, sagte Mira. „Ohne Ärger.“

Das gefiel Jonas. Er grinste. „Okay. Ich helfe. Aber ich muss später noch zum Fußball.“

„Detektivarbeit dauert manchmal nur bis zur nächsten Stufe“, sagte Mira.

Sie gingen zusammen die Treppe hoch, langsam. Mira zeigte Jonas den blauen Faden.

„Cool“, flüsterte Jonas, als wären sie im Museum. „Eine echte Spur.“

Im zweiten Stock blieb Mira stehen. Auf der Fensterbank lag eine kleine Tüte. Eine Papiertüte mit Bäckerei-Logo. Daneben lagen Krümel. Winzige Krümel wie kleine Sterne.

Mira schaute die Tüte an. Sie war nicht zu. Und sie war nicht leer. Es war noch ein halbes Brötchen drin, ein bisschen zerdrückt.

„Wer stellt denn so was hier hin?“, fragte Jonas.

Mira beugte sich runter. Die Krümel führten… nicht weit, aber sie lagen nicht einfach zufällig. Sie lagen wie eine kleine Linie, vom Fensterbrett Richtung Treppe nach oben.

Sie klebte einen Zettel neben die Tüte:

„SPUR C: BÄCKEREI-TÜTE + KRÜMEL-ZEILE RICHTUNG OBEN.“

Jonas schnupperte. „Mmm. Zimt.“

„Das ist vielleicht wichtig“, sagte Mira.

Sie gingen weiter. Im dritten Stock hörte Mira ein leises Schnaufen. Nicht gefährlich. Eher wie jemand, der schwer trägt.

Vor der Tür von Frau Riedel stand Herr Özdemir aus dem Erdgeschoss. Er war groß, hatte freundliche Augen und trug eine Werkzeugkiste. Auf seinem Pullover war ein kleiner Farbfleck, als wäre er gerade mit einem Pinsel aneinandergeraten.

„Hallo“, sagte Mira.

Herr Özdemir lächelte. „Hallo, ihr zwei. Ich sollte Frau Riedel helfen. Ihre Schranktür klemmt.“

„Wissen Sie etwas über den Schal?“, fragte Mira direkt, aber nett.

Herr Özdemir dachte nach. „Ich habe heute Morgen etwas Buntes im Treppenhaus gesehen. Aber nur kurz. Ich trug eine Leiter. Vielleicht war es am Geländer?“

Mira spitzte die Ohren. Geländer! Ein Schal kann hängen bleiben.

Sie klebte einen Zettel ans Geländer im dritten Stock:

„HINWEIS: HERR ÖZDEMIR SAH ETWAS BUNTES AM GELÄNDER.“

Dann ging Mira mit Jonas ein Stück zurück, genau dahin, wo das Geländer eine Ecke machte. Dort war eine kleine Stelle, an der ein Nagel ein bisschen herausstand. Nicht groß, aber genug, um Fäden zu fangen.

Mira hielt ihren blauen Faden daneben. Es passte.

„Vielleicht ist der Schal hier hängen geblieben“, flüsterte Jonas.

„Oder er wurde hier entlanggezogen“, sagte Mira. „Aber wohin?“

Die Krümel-Zeile zeigte nach oben. Der Hinweis vom Geländer auch. Mira blickte die Treppe hoch zum vierten Stock.

„Wir gehen weiter“, sagte sie. „Schritt für Schritt. Und ohne jemanden zu beschuldigen.“

Jonas nickte. „Wie echte Detektive. Nur netter.“

Mira lächelte. Genau so sollte es sein.

Kapitel 3: Das vierte Stockwerk und die Sache mit dem Paket

Im vierten Stock war es ruhiger. Hier oben hörte man das Summen der Lampe deutlicher. Auf dem Podest stand eine große Pflanze mit breiten Blättern. Daneben lagen zwei Pakete, ordentlich an die Wand gestellt.

Mira blieb stehen und schaute genau hin. Ein Paket war neu und sauber. Das andere sah aus, als hätte es schon eine kleine Reise hinter sich. Auf dem alten Paket klebte ein Aufkleber: „Vorsicht, zerbrechlich“.

Und über dem Paket lag… etwas Buntes.

Nicht der ganze Schal. Aber eine Ecke davon, eingeklemmt zwischen Paket und Wand, als würde er dort schlafen.

Mira kniete sich hin. Sie zog ganz vorsichtig an dem Stoff. Er rutschte ein bisschen heraus. Das Muster war genau das von Frau Riedel: blau, gelb, rot, mit kleinen Punkten dazwischen, wie Konfetti.

„Wir haben ihn!“, flüsterte Jonas.

Mira hob einen Finger. „Wir haben ihn fast. Aber wir müssen wissen: Warum ist er hier? Und ist er ganz?“

Sie zog weiter. Der Schal kam Stück für Stück. Er war lang. Und er war tatsächlich am Ende leicht verdreht, als hätte ihn jemand schnell festgehalten.

Aber er war nicht kaputt. Nur ein bisschen verknittert. Und ein kleines Stück hatte einen Krümel drauf.

Mira hielt inne. Sie dachte nach. Bäckerei-Schnipsel. Bäckerei-Tüte. Krümel-Linie. Geländer-Ecke mit Nagel. Schal oben beim Paket.

„Was ist passiert?“, fragte Jonas leise.

Mira stellte sich das Treppenhaus wie einen Film vor, aber einen kurzen, lustigen Film.

Vielleicht trug jemand eine Bäckerei-Tüte und ein Paket. Vielleicht rutschte der Schal von der Bank, oder jemand nahm ihn hoch, weil er nicht im Weg liegen sollte. Vielleicht hing der Schal am Arm oder an der Jacke. Dann blieb er am Nagel hängen, zog sich mit, und am Ende rutschte er beim Paket herunter und blieb eingeklemmt.

„Wer hatte heute früh Taschen?“, fragte Mira.

Jonas flüsterte: „Frau Klee.“

Mira nickte. Aber sie wollte sicher sein. Sie schaute auf die Türmatte von Frau Klee. Darauf waren zwei Katzen, die aussahen, als würden sie heimlich Pläne machen.

Mira klopfte.

Es dauerte kurz. Dann öffnete Frau Klee. Sie hatte eine runde Brille und Haare, die immer so aussahen, als würden sie gerade mit dem Wind sprechen. Sie hielt ein Geschirrtuch in der Hand.

„Oh, hallo, Mira“, sagte sie. „Und Jonas. Ist alles in Ordnung?“

„Ja“, sagte Mira schnell. „Wir haben nur eine Frage. Haben Sie heute Morgen etwas Buntes im Treppenhaus gesehen? Einen Schal?“

Frau Klee legte den Kopf schief. „Einen Schal? Hmm. Ich hatte wirklich viele Taschen. Und ein Paket. Und… oh! Jetzt fällt mir etwas ein.“

Sie schloss kurz die Augen, als würde sie den Morgen zurückholen. „Ich bin unten an der Bank vorbei. Da lag der Schal. Ich dachte: Oh je, wenn jemand drüber stolpert! Also habe ich ihn genommen. Ich wollte ihn Frau Riedel später bringen. Aber dann rutschte mir alles durcheinander.“

Mira blieb ruhig. Das war keine Bösewicht-Geschichte. Das war eine Versehen-Geschichte. Die passieren oft.

„Und dann?“, fragte Mira.

Frau Klee seufzte. „Ich hatte die Brötchentüte, das Paket und den Schal. Dann klingelte mein Handy, und ich hielt es zwischen Schulter und Ohr. Ich muss den Schal irgendwie ans Geländer gehängt haben, damit ich mein Paket nicht fallen lasse. Und dann… dann habe ich wahrscheinlich vergessen, dass der Schal noch an mir oder am Paket hing.“

Mira deutete auf die Pakete. „Der Schal ist hier. Er war eingeklemmt.“

Frau Klee schlug die Hand vor den Mund. „Oh nein! Der arme Schal. Ist er schmutzig?“

„Nur ein bisschen verknittert“, sagte Mira. „Und er hat einen Krümel erwischt.“

Jonas grinste. „Ein Zimt-Krümel.“

Frau Klee lachte erleichtert. „Zimt-Krümel sind die freundlichsten Krümel. Ich bringe ihn sofort zu Frau Riedel.“

Mira hob den Schal vorsichtig auf. „Wir bringen ihn gemeinsam. Und wir erklären es. Ohne Ärger.“

Frau Klee nickte eifrig. „Bitte. Ich will mich entschuldigen.

Mira klebte noch einen letzten Zettel an die Wand im vierten Stock, neben die Pakete:

„LÖSUNG: AUS VERSEHEN MITGENOMMEN + AM GELÄNDER HÄNGEN GEBLIEBEN + BEIM PAKET EINGEKLEMMT.“

Jonas starrte auf den Zettel. „Du klebst echt überall Notizen hin.“

„Nur da, wo sie helfen“, sagte Mira. „Damit auch mein Kopf nicht alles tragen muss. Kopf ist kein Rucksack.“

Jonas kicherte. „Stimmt.“

Sie gingen nun zu dritt die Treppe hinunter. Und obwohl sie nur ein paar Stufen gingen, fühlte es sich an wie der Rückweg von einer großen Entdeckung. Das Treppenhaus war wieder ein Treppenhaus. Aber jetzt war es auch ein Ort, an dem man gemeinsam Probleme lösen konnte.

Kapitel 4: Tee, Dankeschön und eine Decke am Ende

Vor Frau Riedels Tür im dritten Stock klopfte Frau Klee selbst. Mira stand daneben und hielt den Schal über dem Arm, als wäre er etwas Kostbares. Jonas balancierte seinen Fußball und versuchte dabei, sehr seriös auszusehen.

Frau Riedel öffnete. Als sie den Schal sah, leuchteten ihre Augen auf, als hätte jemand eine Lampe angeknipst.

„Mein Schal!“, rief sie. Dann hielt sie kurz inne, weil sie merkte, dass alle ganz freundlich aussahen. „Oh. Was ist passiert?“

Frau Klee trat einen Schritt vor. „Es tut mir sehr leid, Frau Riedel. Ich habe ihn heute Morgen von der Bank genommen, weil ich dachte, er liegt im Weg. Ich wollte ihn Ihnen bringen, aber ich hatte Taschen und ein Paket. Dann ist er mir aus Versehen abhandengekommen und oben eingeklemmt worden.“

Mira reichte den Schal rüber. „Er ist heile. Nur ein bisschen zerknittert. Und er hat einen Zimt-Krümel.“

Frau Riedel nahm den Schal in beide Hände, strich darüber und drückte ihn kurz an die Wange. „Ein Zimt-Krümel“, sagte sie und lachte. „Das ist ja fast wie ein Bonus.“

Jonas platzte fast vor Stolz. Er sagte nur: „Wir haben Spuren gefunden.“

Frau Riedel schaute zu Mira. „Und du hast wieder diese Zettel geklebt, oder?“

Mira nickte. „Ja. Es gab einen blauen Faden. Und Krümel. Und einen Hinweis am Geländer.“

„Dann seid ihr echte Haus-Detektive“, sagte Frau Riedel. „Kommt rein. Es gibt Tee. Und ich glaube, ich habe noch Kekse.“

Das Wort „Kekse“ machte Jonas sofort noch seriöser. Er stellte sich vor, dass ein Detektiv auch Kekse verdient.

In Frau Riedels Wohnzimmer war es gemütlich. Über dem Sofa lag eine große, weiche Decke. Sie war hellgrau mit kleinen Sternen. Auf dem Tisch stand schon eine Kanne. Der Tee duftete nach Apfel.

Frau Riedel setzte sich, und Frau Klee setzte sich auch. Mira und Jonas durften auf dem Teppich sitzen, wo ein kleines Kissen lag.

„Weißt du“, sagte Frau Riedel zu Frau Klee, „ich bin gar nicht böse. Ich bin froh, dass du helfen wolltest. Manchmal geht etwas durcheinander, wenn man viel trägt.“

Frau Klee atmete aus, als hätte sie ihre Sorgen in einen Luftballon gepackt und losgelassen. „Danke. Ich dachte schon, ich hätte großen Ärger gemacht.“

„Nur ein kleines Rätsel“, sagte Mira.

Frau Riedel nickte. „Und Rätsel sind da, um gelöst zu werden.“

Jonas knabberte an einem Keks und fragte mit vollem Mund: „Was macht ihr jetzt mit den Zetteln im Treppenhaus?“

Mira musste lachen. „Gute Frage. Die müssen wieder weg. Sonst denkt jemand, unser Haus ist ein Detektiv-Museum.“

Frau Riedel stand auf, holte eine kleine Schachtel und gab Mira einen neuen Stapel Klebezettel. „Für den nächsten Fall“, sagte sie.

Mira nahm sie, aber sie sagte auch: „Erst räumen wir auf.“

Gemeinsam gingen sie nach dem Tee kurz ins Treppenhaus. Mira zog jeden Zettel wieder ab und legte ihn in ihre Dose. Nur einen ließ sie hängen, ganz unten am Briefkasten. Darauf stand:

„MERKE: FRAGEN HELFEN. FREUNDLICHKEIT AUCH.“

Frau Klee nickte. „Das gefällt mir.“

Als alles wieder ordentlich war, gingen Mira und Jonas nach unten. Jonas musste zum Fußball. Er rief zum Abschied nur: „Bis zum nächsten Rätsel!“

Mira ging in ihre Wohnung. Ihre Mama war in der Küche und schnitt Gemüse. Mira erzählte kurz die Geschichte: der Schal, der blaue Faden, die Krümel, das Paket, das Versehen, die Entschuldigung.

Mama hörte zu und sagte: „Du hast geholfen, ohne jemanden zu verletzen. Das ist echte Stärke.“

Mira spürte Wärme im Bauch. Nicht das Detektiv-Kitzeln, sondern ein ruhiges, gutes Gefühl.

Später am Abend lag Mira in ihrem Bett. Draußen war es still. Das Haus machte nur die üblichen Geräusche: ein leises Knacken, ein fernes Türschließen, das Summen der Nacht.

Mira dachte an Frau Riedels Schal. Er war wieder da, wo er hingehörte. Und niemand war traurig geblieben. Nur ein Zimt-Krümel hatte eine kleine Reise gemacht.

Mira zog ihre eigene Decke hoch bis zum Kinn. Es war eine weiche Decke mit einem Muster aus Wolken. Sie legte sie so, dass die Wolken genau richtig lagen, als würden sie sie bewachen.

Dann stellte sie sich vor, dass in ihrem Treppenhaus nun ein unsichtbares Schild hing: „Hier wird geholfen. Hier wird gefragt. Hier wird freundlich gelöst.“

Mira gähnte. Sie kuschelte sich ein. Die Decke lag wie ein guter Abschluss über dem Tag.

Und während ihre Augen zufielen, wusste sie: Morgen könnte wieder ein ganz normales Treppenhaus sein.

Oder der Beginn eines neuen, kleinen, fröhlichen Falls.

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Treppenhaus
Der Teil im Haus mit den Stufen zwischen den Etagen.
Stockwerke
Die verschiedenen Ebenen eines Hauses, z. B. Erdgeschoss, erster Stock.
Eingangstür
Die Tür, durch die man in ein Haus oder eine Wohnung kommt.
Briefkasten
Ein Kästchen an der Tür, wo Post und Briefe hineingelegt werden.
Zwischenpodest
Eine kleine Ebene oder Pause zwischen zwei Treppenabschnitten.
Geländer
Die Stange an der Seite der Treppe, an der man sich festhalten kann.
Eingeklemmt
Etwas steckt fest zwischen zwei Dingen und lässt sich schwer rausziehen.
Verknittert
Wenn ein Kleidungsstück Falten hat und nicht glatt ist.
Krümel
Winzige Stücke von Brot oder Kuchen, die oft vom Essen fallen.
Taschen
Behälter aus Stoff oder Papier, die man trägt, um Dinge zu transportieren.
Hinweis
Ein kleiner Tipp oder eine Spur, die bei der Lösung hilft.
Spur
Etwas, das zeigt, was vorher passiert ist, zum Beispiel Faden oder Fußabdruck.
Verdacht
Eine Idee, wer etwas getan haben könnte, bevor man es genau weiß.
Entschuldigen
Sagen, dass man etwas falsch gemacht hat und es tut einem leid.

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