Der kleine Wolf wacht früh auf. Die Sonne kitzelt seine Nase. Es ist Sommer. Er streckt sich. Er springt aus dem Bett. Draußen riecht es nach Gras und Blumen. Die Luft ist warm.
„Guten Morgen“, sagt der kleine Wolf. Er hoppelt zum Fenster. Die Vögel singen. Die Bienen summen. Er hört leise Wasser plätschern. Der Bach glitzert.
Heute sind Ferien. Heute ist ein großer Sommertag. Der kleine Wolf ist froh. Er zieht seine blaue Mütze an. Er nimmt seinen roten Beutel. „Komm mit“, sagt er zu seinem Stoffhasen. Der Hase nickt.
Am Weg trifft er Oma Wolf. Oma Wolf sitzt im Schatten. Sie strickt. Ihr Fell ist weich und grau. Sie hat ein altes Foto in der Hand. Das Foto zeigt junge Wölfe am See. Sie lächelt.
„Oma, wer ist das?“, fragt der kleine Wolf. Er zeigt mit seinem Finger. Seine Augen leuchten.
Oma legt das Foto auf den Schoß. „Das ist meine Familie“, sagt sie leise. „Das ist dein Urgroßonkel. Er liebte den See. Er liebte Sommerspiele.“ Sie zeigt noch mehr Bilder. „Früher waren die Tage lang. Wir spielten viel. Wir lachten viel.“
Der kleine Wolf hört zu. Er mag die Geschichten. Sie sind warm wie Sonnenstrahlen. Er fragt noch viele Fragen. „Wie sah der See aus?“, „Was habt ihr gegessen?“, „Hattet ihr ein Boot?“ Oma lacht und erzählt.
Dann läuft der kleine Wolf hinunter zum See. Der Sand ist weich. Er fühlt ihn zwischen seinen Pfoten. Die Sonne wärmt seinen Rücken. Der Wind kühlt sein Gesicht. Er baut eine Burg. Sein Eimer ist blau wie seine Mütze.
Ein anderes kleines Tier kommt. Es ist die Maus mit dem gelben Hut. Die Maus hat auch einen Eimer. „Ich möchte deine Burg sehen“, sagt die Maus. Der kleine Wolf lädt sie ein. Sie bauen zusammen. Sie lachen.
Plötzlich läuft ein Windstoß. Die Burg bricht ein. Der Sand fällt. Der kleine Wolf sieht seine Arbeit verschwinden. Sein Herz pocht schnell. Er ist enttäuscht. Seine Stirn runzelt sich.
„Oh nein!“, ruft die Maus. „Meine Burg!“
Der kleine Wolf fühlt sich traurig. Er möchte weinen. Er möchte schreien. Aber er erinnert sich an Oma. Oma sagte: „Man bleibt nett, auch wenn man traurig ist.“ Der kleine Wolf atmet tief ein. Er sagt leise: „Das ist schade. Aber wir können neu bauen. Willst du helfen?“
Die Maus schaut ihn an. Ihre Augen werden groß. „Ja“, sagt sie. „Lass uns zusammen bauen.“ Sie lachen wieder. Sie bauen eine größere Burg. Der Wind spielt. Der kleine Wolf ist stolz. Sein Herz wird warm.
Am Nachmittag finden sie eine alte Schachtel. Die Schachtel liegt unter einem Baum. Sie ist leicht und bunt. Im Innern sind kleine Sachen: ein Pfirsichkern, eine Feder, ein altes Stoffstück. Auf dem Stoff ist ein Muster wie Wellen.
„Was ist das?“, fragt der kleine Wolf. Er streicht mit der Pfote über das Muster. Er fühlt etwas wie eine Erinnerung. Die Maus fragt: „Gehört das zu eurer Familie?“
Der kleine Wolf rennt zu Oma. „Oma, schau!“, ruft er. Oma nimmt die Sachen in die Pfoten. Sie lächelt sanft. „Das war das Segeltuch von Urgroßvater“, sagt sie. „Er segelte auf dem See. Er liebte den Wind.“
Der kleine Wolf lauscht. Er stellt sich vor, wie Urgroßvater lacht. Er sieht Wellen und Sonnenstrahlen. Sein Herz wird voller Fragen. Er fragt weiter. Oma erzählt leise. Die Geschichten sind wie eine warme Decke.
Abends sitzen alle am Feuer. Die Sonne geht langsam unter. Der Himmel wird rot und orange. Es duftet nach Abendbrot. Der kleine Wolf isst mit frohem Mund. Er fühlt sich sicher. Er ist müde und zufrieden.
„Heute habe ich viel gelernt“, sagt der kleine Wolf. „Ich blieb nett, auch als ich enttäuscht war. Und ich fand Geschichten von früher.“
Oma legt einen Pfotenarm um ihn. „Gut gemacht“, flüstert sie. „Neugier ist schön. Höre zu. Frag weiter. Sei freundlich.“
Der kleine Wolf gähnt. Er kuschelt sich an Oma. Die Sterne blinken. Der Sommerabend ist ruhig. Der kleine Wolf denkt an den See, an die Burg und an das alte Segeltuch. Er fühlt sich warm und geborgen.
„Gute Nacht“, sagt er leise. Die Welt atmet ruhig. Er schläft mit einem Lächeln ein. Morgen ist ein neuer Sommertag.