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Geschichte ĂŒber Ostern 9/10 Jahre Lesen 18 min. VerfĂŒgbar als Hörgeschichte

Das Geheimnis des Regenbogen-Eis

Mila und Jonas helfen einem vergesslichen Osterhasen, rĂ€tselhafte Hinweise im Garten zu lösen und erleben dabei ein kleines Abenteuer ĂŒber Zusammenarbeit und Freundschaft.

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Ein fröhliches, staunendes 10-jĂ€hriges MĂ€dchen mit hellbraidem Zopf und geröteten Wangen hĂ€lt mit beiden HĂ€nden den Stiel eines Holzlöffels in einem Kreidekreis; daneben steht Jonas, ein ebenfalls 10-jĂ€hriger, kurzhaariger, brauner Junge im gestreiften T‑Shirt und hĂ€lt das Löffelende ihr gegenĂŒber; zwischen ihren FĂŒĂŸen liegt ein schimmerndes, perlweißes Ei mit regenbogenfarbenen Wirbeln und funkelnden Sternchen, das warmes Licht ausstrahlt; im Hintergrund ein kleiner schelmischer Osterhase mit grĂŒnem Filzhut und Glöckchen am Hals, der eine alte Kamera hĂ€lt, nahe einem Tulpenbeet; Ort: sonniger FrĂŒhlingsgarten mit grauer Steinterrasse, steinerner Springbrunnen und einem Apfelbaum; Szene zeigt den Moment des Erscheinen des Eies im Kreidekreis mit sanftem Licht, glitzerndem Staub und ĂŒberraschten, freudigen Gesichtern, in zarten Aquarelltönen mit pastelligen Lasuren, körniger Textur und warmen Kontrasten. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

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Dauer der Hörgeschichte: 20:24

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1. Der Glanz am Gartenzaun

Mila war zehn und konnte kaum still sitzen. Über Nacht hatte der Garten sich verĂ€ndert: Überall hingen bunte BĂ€nder, und auf dem Rasen glitzerten Tautropfen wie winzige Perlen. Aus der KĂŒche duftete es nach Hefezopf, und irgendwo klapperten SchĂŒsseln, weil Mama schon seit frĂŒh am Morgen rĂŒhrte und lachte.

Mila schlĂŒpfte in ihre Gummistiefel, obwohl es gar nicht geregnet hatte. „Nur fĂŒr alle FĂ€lle“, murmelte sie, denn an Ostern konnte alles passieren – sogar im eigenen Garten.

Am Zaun, genau dort, wo sich die Hecke zu einem kleinen Tor bog, entdeckte sie etwas Ungewöhnliches: Ein einzelnes Osterei lag im Gras. Nicht versteckt, sondern fast so, als hĂ€tte es jemand eilig abgesetzt. Es war blau mit goldenen Punkten und sah viel zu hĂŒbsch aus, um einfach vergessen zu werden.

Mila hob es vorsichtig auf. Es war warm. Nicht warm wie aus dem Topf, sondern warm wie eine Tasche, in der jemand gerade seine Hand gehabt hatte.

„Komisch“, flĂŒsterte sie.

Da raschelte es neben dem Zaun. Ein Hase – aber nicht irgendeiner. Er trug ein kleines, schief sitzendes KĂ€ppchen aus grĂŒnem Filz, und an seinem Hals baumelte ein winziges Glöckchen, das leise klingelte.

„Pssst“, machte der Hase und schaute sich um, als wĂŒrde der Wind mithören. „Du hast es gefunden.“

Mila blinzelte. „Du
 du bist der Osterhase?“

„Heute bin ich vor allem: sehr durcheinander“, sagte er. „Ich habe ein Ei verloren. Und ohne dieses Ei
 na ja
 fehlen am Ende die Farben.“

Mila hielt das blaue Ei fester. „Ist es das hier?“

Der Hase schĂŒttelte traurig den Kopf. „Nein. Das ist nur ein Hinweis-Ei. Es hilft dir, das echte zu finden. Das echte Ei ist das HerzstĂŒck. Wenn es nicht zurĂŒckkommt, werden die anderen Eier spĂ€ter vielleicht
 eher grau.“ Er zog ein Gesicht, als hĂ€tte er in eine Zitrone gebissen.

Mila stellte sich sofort die Ostereier in grauen, traurigen Farben vor. Das ging gar nicht. „Dann suchen wir es eben!“

Der Hase nickte so heftig, dass sein KĂ€ppchen wackelte. „Gut! Aber ich darf nicht direkt zeigen, wo es ist. Oster-Regel Nummer sieben: Wer etwas verliert, muss Hilfe bekommen – und Hilfe braucht RĂ€tsel.“

„RĂ€tsel kann ich“, sagte Mila. „Meistens.“

„Dann hör zu.“ Der Hase tippte mit der Pfote gegen das blaue Hinweis-Ei. Darauf glĂ€nzten plötzlich Buchstaben, als wĂ€ren sie eben erst hingemalt worden:

„Wo Wasser singt und Stein sich dreht,

wo jeder Durst nach Limo geht,

such unter dem, was rund und kalt,

dort wartet der erste Pfad im Wald.“

Mila las laut und grinste. „Das ist
 der Gartenbrunnen! Der mit dem Drehknopf!“

„Sehr gut“, flĂŒsterte der Hase. „Und nimm jemanden mit. Kooperation macht schneller.“

Mila rannte zur Terrasse, wo ihr Nachbar und bester Freund Jonas gerade einen Schokohasen auspackte. „Jonas! Notfall! Oster-Notfall!“

Jonas hob die Augenbrauen. „Ist der Hase geschmolzen?“

„Schlimmer. Ein Ei ist verloren. Wir mĂŒssen rĂ€tseln.“

Jonas stopfte den Schokohasen schnell zurĂŒck in die Folie, als wĂ€re er ein wichtiges Werkzeug. „Ich bin dabei.“

Und schon liefen sie zu zweit zum Brunnen, wÀhrend das Glöckchen des Hasen leise hinter ihnen klingelte.

2. Das RĂ€tsel im Brunnenrand

Der Gartenbrunnen war alt und rund, mit einem Steinrand, der ein bisschen moosig war. Mila drehte am Knopf, und tatsĂ€chlich: Wasser plĂ€tscherte, als wĂŒrde es ein kleines Lied ĂŒben.

„Wo jeder Durst nach Limo geht“, murmelte Jonas. „Hier holen wir im Sommer Wasser, wenn wir Limo mischen. Passt!“

Sie knieten sich hin und schauten unter den Steinrand. Jonas leuchtete mit seiner Taschenlampe, die er immer dabeihatte, weil er fand, dass Taschenlampen jedes Abenteuer besser machten.

Unter dem Rand lag ein gefaltetes Papier, trocken und sauber, als hÀtte es dort auf sie gewartet. Mila zog es heraus. Ein bisschen glitzernder Staub blieb an ihren Fingern hÀngen.

„Magischer Staub“, flĂŒsterte Jonas ehrfĂŒrchtig.

„Oder Mama hat gebastelt“, flĂŒsterte Mila zurĂŒck. Doch ihr Herz hĂŒpfte trotzdem.

Auf dem Papier stand:

„Ich habe keinen Mund und kann doch erzĂ€hlen,

ich habe keine Beine und kann doch gehen.

Du blĂ€tterst in mir, wenn du etwas suchst –

und manchmal duftet's nach altem Buch.“

Jonas schnippte mit den Fingern. „Ein Buch!“

Mila nickte. „Die BĂŒcherecke im Wohnzimmer. Da sind Omas alte BĂŒcher. Die riechen wirklich so.“

In diesem Moment hĂŒpfte der Osterhase hinter dem Brunnen hervor, als wĂ€re er vorher ein Schatten gewesen. „Ihr seid schnell. Das ist gut. Die Zeit bis zum großen Osternest ist
“ Er schaute in den Himmel, als wĂ€re dort eine Uhr. „
kribbelig.“

„Warum darfst du nicht einfach sagen, wo das Ei ist?“ fragte Jonas.

Der Hase seufzte. „Weil die Suche das Ei wieder weckt. Es ist ein besonderes Ei. Es wird nur richtig bunt, wenn Menschen gemeinsam lachen, raten und nicht aufgeben.“

Mila schaute Jonas an. „Dann mĂŒssen wir besonders gut zusammenarbeiten.“

Jonas salutierte. „Team RĂ€tsel-Kommando.“

Sie liefen ins Haus. Im Flur stand ein Korb mit bunten Servietten, und auf dem Tisch lag ein Pinsel, der noch nach Farbe roch. Alles fĂŒhlte sich nach Ostern an: nach Vorfreude, nach Schokolade, nach leisen Überraschungen.

Im Wohnzimmer war die BĂŒcherecke. BĂŒcher standen ordentlich und schief durcheinander, wie Leute auf einer Party, die nicht wissen, ob sie tanzen sollen. Mila zog Omas dickes MĂ€rchenbuch heraus. Es knarzte ein bisschen, als wĂŒrde es sich strecken.

Zwischen den Seiten steckte eine Karte, grĂŒn wie FrĂŒhlingsgras. Darauf war ein kleines Bild: ein Baum mit einem Ast, der wie ein Arm aussah, und darunter ein Reim:

„Ich strecke mich hoch und halte ein Nest,

doch ich bin kein Vogel, das steht schon fest.

Wo Schatten tanzen zur Mittagszeit,

dort liegt der nĂ€chste Hinweis bereit.“

„Der Apfelbaum!“ sagte Mila. „Der mit dem Ast, der wie ein Arm ist.“

Jonas grinste. „Der, auf den du nie klettern darfst.“

„Heute ist Ausnahme“, sagte Mila. „Oster-Ausnahme.“

Sie schnappten sich ihre Jacken und stĂŒrmten hinaus. Hinter ihnen klang ein leises „Sehr gut!“ – als hĂ€tte der Osterhase es in die Luft gemurmelt.

3. Der flĂŒsternde Apfelbaum

Der Apfelbaum stand am Ende des Gartens. Noch hatte er keine Äpfel, nur kleine Knospen, die aussahen wie winzige, grĂŒne Versprechen. Der „Arm-Ast“ bog sich ĂŒber ein altes VogelhĂ€uschen, das leer war – außer vielleicht fĂŒr Staub und Erinnerungen.

Mila stellte sich unter den Baum und legte die Hand an die Rinde. Sie war kĂŒhl und rau, und plötzlich hatte Mila das GefĂŒhl, als wĂŒrde der Baum ganz leise atmen. Nicht wie ein Mensch, eher wie der Wind, der durch BlĂ€tter denkt.

„Schatten tanzen zur Mittagszeit“, las Jonas noch einmal. Die Sonne stand schon recht hoch, und die Äste warfen dĂŒnne Schattenstreifen auf den Boden, die sich bewegten, wenn eine Wolke vorbeizog.

„Da!“ Mila zeigte auf eine Stelle direkt unter dem Arm-Ast. Im Gras lag ein kleines PĂ€ckchen, eingewickelt in gelbes Papier und zusammengebunden mit einer roten Schleife.

Jonas hob es auf. „Sieht aus wie ein Mini-Geschenk. FĂŒr uns?“

„FĂŒr das RĂ€tsel“, sagte Mila. Sie öffnete die Schleife. Innen war
 keine Schokolade. Jonas zog kurz eine enttĂ€uschte Grimasse, fing sich aber sofort wieder.

Im PĂ€ckchen lag ein winziges Holzschild, und darauf stand:

„Ich bin weich und doch nicht nass,

ich bin der Himmel im Mini-Maß.

Du legst den Kopf hinein ganz sacht,

wenn draußen Regen leise lacht.“

„Ein Kissen“, sagte Jonas.

Mila nickte. „Aber welches?“

Jonas dachte nach. „Vielleicht das blaue mit den Wolken? Das liegt auf der Gartenbank
 Ă€h, lag. Mama hat gestern alles reingeholt.“

„Im Wintergarten!“ rief Mila. „Da stehen die Kissen in der Kiste.“

Sie liefen zum Wintergarten. Durch die Scheiben fiel Licht, und die Pflanzen sahen aus, als wĂŒrden sie sich darĂŒber freuen. Mila öffnete die große Kiste und wĂŒhlte durch Kissen: gestreift, gepunktet, mit Katzen, mit BlĂ€ttern. Jonas half, und zusammen war es weniger Chaos, mehr Suche.

„Teamwork!“ sagte Jonas, als Mila fast ein Kissen ins Gesicht bekam und lachen musste.

„Hier!“ Mila zog das Kissen mit den kleinen Wolken heraus. Es fĂŒhlte sich ungewöhnlich schwer an. Sie drĂŒckte es – und spĂŒrte etwas Hartes im Inneren.

„Da ist was drin!“ flĂŒsterte Jonas.

Mila öffnete vorsichtig den Reißverschluss. Heraus rollte eine kleine Glaskugel, in der bunte Punkte schwebten, als wĂ€ren sie Konfetti im Winterschlaf. An der Kugel hing ein Zettel:

„Fast geschafft. Das Ei ist nicht weit.

Doch nur, wer teilt, ist wirklich bereit.

Bring mit: ein Löffel, ein Band, ein StĂŒck Kreide.

Und ruf den Hasen – er weiß die zweite Seite.“

Jonas las laut. „Ein Löffel, ein Band, Kreide. Warum?“

Mila zuckte die Schultern, aber ihre Augen funkelten. „Weil es magisch ist. Und weil Ostern manchmal komische Regeln hat.“

Sie holten aus der KĂŒche einen Holzlöffel, vom Basteltisch ein buntes Band und aus der Schublade ein StĂŒck Straßenkreide. Mila trat hinaus in den Garten und rief: „Osterhase! Wir haben die Sachen!“

Es dauerte nur einen Augenblick, da hĂŒpfte der Hase aus einem Tulpenbeet, als hĂ€tte er dort gewohnt. Sein Glöckchen klingelte fröhlich.

„Prima“, sagte er. „Jetzt kommt der Teil, den ich ‚Die freundliche Finale‘ nenne.“

„Das klingt nach einem Lied“, meinte Jonas.

„Es ist eher ein
 Zusammenarbeitstest“, sagte der Hase und zwinkerte.

4. Das Kreidekreis-Geheimnis

Der Osterhase fĂŒhrte sie zur Terrasse, wo der Boden aus großen, grauen Steinplatten bestand. „Hier“, sagte er. „Malt mit der Kreide einen Kreis. Nicht zu klein, nicht zu groß. So, dass ihr beide hineinpasst.“

Mila kniete sich hin und zeichnete. Jonas hielt ihr das Band, damit der Kreis schön rund wurde. „Wie ein Zirkel, nur mit Band“, sagte er stolz.

Als der Kreis fertig war, legte der Hase den Kopf schief. „Jetzt stellt euch hinein. Und jetzt: teilt.“

Mila runzelte die Stirn. „Teilt
 was?“

„Den Löffel“, sagte der Hase. „Ihr haltet ihn zusammen. Einer hĂ€lt den Stiel, der andere den Kopf. Als wĂ€re er ein kleines Boot, das ihr zu zweit steuert.“

Jonas nahm den Löffelkopf, Mila den Stiel. Es war gar nicht so einfach, gleichzeitig still zu halten, ohne dass der Löffel kippte.

„Und das Band?“ fragte Mila.

„Bindet es um eure Handgelenke“, sagte der Hase. „Nicht fest, nur so, dass ihr merkt: Ihr gehört in diesem Moment zusammen.“

Jonas band das Band locker um Milas und sein Handgelenk. Es sah aus wie ein knallbuntes Freundschaftsarmband, das beschlossen hatte, zwei Leute gleichzeitig zu umarmen.

Der Hase hĂŒpfte um den Kreis herum und summte eine Melodie, die wie FrĂŒhlingswind klang. Dann stellte er sich vor sie und sagte: „Letztes RĂ€tsel. Ganz einfach. Antwortet zusammen.“

Er rÀusperte sich und sprach feierlich:

„Ich bin rund, doch kein Ball.

Ich bin kostbar, doch nicht aus Metall.

Ich trage Farben, die jeder mag,

und ich verstecke mich – nur fĂŒr einen Tag.“

Mila und Jonas sahen sich an. Sie mussten beide lachen, weil es wirklich das einfachste RĂ€tsel der Welt war.

„Ein Osterei!“ riefen sie gleichzeitig.

In dem Moment vibrierte der Kreidekreis ganz leicht, als wĂŒrde er kichern. Ein warmer Windstoß strich ĂŒber die Steinplatten. Zwischen Milas und Jonas' FĂŒĂŸen glĂŒhte plötzlich ein Lichtpunkt auf, erst klein wie eine Murmel, dann grĂ¶ĂŸer – und plopp: Ein Ei lag da. Es war wunderschön: weißer Grund, darauf wirbelten Farben wie Regenbogenfarbe in Wasser, und kleine Sterne funkelten, als wĂ€ren sie frisch angezĂŒndet.

Mila hielt die Luft an. Jonas auch.

Der Osterhase nickte ehrfĂŒrchtig. „Das ist es.“

Mila hob das Ei vorsichtig auf. Es war warm, genau wie das Hinweis-Ei, aber noch stĂ€rker, wie eine kleine, freundliche Sonne. „Wir haben es!“

„Weil ihr zusammen gesucht habt“, sagte der Hase. „Allein wĂ€re es schwieriger gewesen. Außerdem
“ Er schaute Jonas an. „
hast du nicht aufgegeben, als keine Schokolade im PĂ€ckchen war.“

Jonas tat, als wĂ€re er beleidigt. „Ich bin sehr tapfer.“

Mila kicherte. „Was passiert jetzt mit dem Ei?“

Der Hase wurde wieder fröhlich und wippte auf seinen Hinterpfoten. „Jetzt darf es zurĂŒck in meinen Korb. Dann bekommen alle Nester heute ihre richtigen Farben. Und eure auch.“

„Unsere auch?“ fragte Mila.

„NatĂŒrlich“, sagte der Hase. „Wer hilft, bekommt auch Freude zurĂŒck. Das ist Oster-Regel Nummer
 ach, ich habe zu viele Regeln.“

Mila schaute auf das Band um ihre Hand und Jonas'. „Ich glaube, diese Regel gefĂ€llt mir.“

Jonas nickte. „Mir auch.“

5. Ein Foto, das nach FrĂŒhling aussieht

Der Osterhase setzte das besondere Ei vorsichtig in seinen Korb, als wĂ€re es aus Seifenblasen. Sofort sah es so aus, als wĂŒrden alle anderen Eier im Korb ein bisschen heller werden, als hĂ€tten sie gerade gute Nachrichten gehört.

„Bevor ich weiterhĂŒpfe“, sagte der Hase, „muss ich noch etwas machen.“ Er zog aus seinem KĂ€ppchen – Mila hatte keine Ahnung, wie das da hineinpassen sollte – eine kleine, altmodische Kamera hervor. Sie sah aus wie ein winziger Kasten mit einem runden Auge.

Jonas staunte. „Eine Hasenkamera.“

„Eine Erinnerungskamera“, korrigierte der Hase. „Und weil ihr mir geholfen habt, bekommt ihr ein Foto. Ein richtiges. FĂŒr spĂ€ter. FĂŒr Tage, an denen man vergisst, wie bunt Ostern sein kann.“

Mila stellte sich neben Jonas. Beide hielten noch den Löffel, als wĂ€re er ein Pokal. Das Band hing locker zwischen ihren Handgelenken wie eine bunte BrĂŒcke. Hinter ihnen leuchteten Tulpen, und der Apfelbaum winkte mit seinem Arm-Ast im Wind.

„Sagt etwas Fröhliches“, forderte der Hase.

Jonas ĂŒberlegte kurz. „Schokohase!“

Mila lachte. „Regenbogen-Ei!“

„Perfekt“, sagte der Hase und drĂŒckte ab. Es blitzte nicht grell, sondern warm, wie ein Sonnenfleck.

Mila hatte das GefĂŒhl, fĂŒr einen Moment wĂŒrde die Zeit stehen bleiben: das Glöckchenklirren, das PlĂ€tschern vom Brunnen, das Kichern in ihrem Bauch.

Der Hase steckte die Kamera weg und zog ein Foto hervor, das sofort fertig war, als wÀre es schon die ganze Zeit da gewesen. Er reichte es Mila.

Auf dem Bild sah man Mila und Jonas, beide mit roten Wangen und strahlenden Augen, der Löffel zwischen ihnen, das Band wie ein kleines Fest. Neben ihnen stand der Osterhase – nicht ganz scharf, eher wie ein freundlicher Fleck aus GrĂŒn und Braun, als wĂ€re er halb Geheimnis geblieben. Und in der Ecke glitzerte ein Regenbogenpunkt, der bestimmt vom besonderen Ei kam.

„Das ist
 echt schön“, sagte Mila leise.

„HĂ€ngt es auf“, sagte der Hase. „Oder legt es ins Album. Hauptsache, ihr schaut es euch an, wenn ihr mal denkt, ihr mĂŒsst alles alleine schaffen.“

Jonas wurde plötzlich ernst, aber nur kurz. „Und das Ei? Verlierst du es nĂ€chstes Jahr wieder?“

Der Hase tat so, als mĂŒsste er nachdenken. „Ich bemĂŒhe mich. Aber falls doch
 weiß ich jetzt, wo ich gute Hilfe finde.“

Mila winkte. „Einfach am Zaun klingeln.“

„Ich kann nicht klingeln“, sagte der Hase. „Ich kann nur klingeln.“ Er schĂŒttelte sein Glöckchen, und beide Kinder lachten.

Dann hĂŒpfte er davon, erst ĂŒber die Terrasse, dann durch das Tulpenbeet, ohne eine einzige BlĂŒte zu zerdrĂŒcken. Kurz bevor er hinter der Hecke verschwand, drehte er sich um und rief: „Frohe Ostern! Und danke fĂŒrs gemeinsame Denken!“

Mila und Jonas standen noch einen Moment da. Die Sonne wĂ€rmte ihre Nasen, und irgendwo im Haus rief Mama, dass das OsterfrĂŒhstĂŒck fast fertig sei.

„Weißt du was?“ sagte Mila und löste das Band vorsichtig. „Dieses Jahr suche ich nicht nur Eier. Ich suche auch nach Momenten.“

Jonas grinste. „Und ich suche Schokolade. Aber mit dir zusammen.“

Sie gingen hinein, das Foto in Milas Hand, als wĂ€re es ein kleiner, bunter Schatz. Draußen blieb der Garten zurĂŒck – voller Spuren von RĂ€tseln, voller Licht. Und irgendwo, ganz sicher, wurde ein Korb mit Eiern wieder so bunt, wie Ostern sein muss.

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Durcheinander
Wenn vieles ungeordnet ist und nichts an seinem Platz liegt.
Hinweis-Ei
Ein Ei, das einen Hinweis gibt, wo etwas Verstecktes ist.
HerzstĂŒck
Der wichtigste Teil von etwas, der am meisten zÀhlt.
Kribbelig
Ein GefĂŒhl von Aufregung und leichter Unruhe im Bauch.
BĂŒcherecke
Ein Platz im Zimmer, wo viele BĂŒcher stehen und man liest.
Knarzte
Machte ein altes, raues GerÀusch, wie Holz, das sich bewegt.
Knospen
Kleine, noch nicht offene Teile an Pflanzen fĂŒr BlĂ€tter oder Blumen.
Glöckchen
Ein kleines, klingelndes GerÀt, das einen hellen Ton macht.
PlÀtscherte
Machte ein leises, wiederholtes WassergerÀusch, wie im Brunnen.

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