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Geschichte über den Krieg 9/10 Jahre Lesen 13 min.

Brücken aus Wörtern

Lina hat Angst vor großen Konflikten in der Welt und lernt in der Schule, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen und Brücken mit Worten zu bauen, um Frieden zu fördern. Durch das Zeichnen einer Hoffnungs-Karte mit ihren Mitschülern erkennt sie, dass Verständnis und Freundlichkeit kleine Lichter in schwierigen Zeiten sein können.

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Ein 10-jähriges Mädchen, Lina, steht im Mittelpunkt des Bildes, mit großen leuchtenden Augen und zerzausten braunen Haaren. Sie trägt ein blaues T-Shirt mit einem Sonnendesign und eine Jeansshorts, ihr Gesicht drückt Neugier und Besorgnis aus. Neben ihr lächelt Sami, ein 10-jähriger Junge mit schwarzen Haaren und funkelnden Augen, schüchtern in einem roten Kapuzenpullover. Er hält einen Globus in seinen Händen und zeigt Lina ein fernes Land. Der Hintergrund ist ein heller Klassenraum mit gelben Wänden und Fenstern, die Sonnenlicht hereinlassen. Bunte Plakate mit Wörtern in verschiedenen Sprachen schmücken die Wände, und eine große Weltkarte hängt hinter ihnen, voller lebendiger Farben. Die Hauptsituation zeigt Lina und Sami, die auf einem großen Papier eine Karte der Hoffnungen zeichnen, umgeben von Klassenkameraden, die sie interessiert beobachten. Farbige Buntstifte sind um sie herum verstreut und verleihen der Atmosphäre eine kreative Note, während ein sanftes Licht ihre Gesichter erhellt und eine Stimmung von Kameradschaft und Lernen offenbart. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Ein Morgen mit Fragezeichen

Lina lag im Bett und starrte an die Decke, auf der der Schatten eines Baumes wie eine leise Welle schaukelte. Durch das Fenster fiel helles Morgenlicht, und trotzdem fühlte es sich an, als ob in ihrem Bauch eine kleine, graue Wolke hockte. Gestern hatte sie im Wohnzimmer Nachrichten gehört. Da waren laute Worte gefallen: Streit, Grenzen, gefährliche Situationen. Es klang weit weg, und doch ganz nah. Was, wenn so etwas auch hier passieren könnte?

Sie stand auf, ging barfuß in die Küche und setzte sich zu Oma, die Tee kochte. „Oma“, sagte Lina und nestelte an der Tischtischdecke, „warum streiten Länder? Und kann das bei uns auch passieren?“

Oma legte den Löffel ab und sah Lina ruhig an. „Streit fängt oft klein an“, sagte sie sanft, „mit Missverständnissen und Angst. Aber Frieden fängt auch klein an, hier am Tisch und auf dem Schulhof. Wenn wir reden, zuhören und freundlich sind, bauen wir Brücken, wie kleine Lichterketten zwischen Menschen.“

Lina atmete tief ein. „Heute haben wir in der Schule eine Sprachenwerkstatt“, erzählte sie. „Wir sollen ‚Hallo‘ anders lernen. Und wir sollen eine Karte der Hoffnungen zeichnen. Frau Klee sagte, darauf passen nur Dinge, die wärmen.“

„Das klingt nach einer guten Aufgabe“, sagte Oma und strich Lina eine Haarsträhne hinters Ohr. „Wenn dich die graue Wolke drückt, sprich mit einer Lehrerin. Worte können wie Fenster öffnen, weißt du?“

Auf dem Schulweg fühlte sich Linas Schritt leichter an. Sie beobachtete die Tauben am Marktplatz, wie sie sich gegenseitig Platz ließen. „Vielleicht“, dachte Lina, „ist Frieden einfach das: ein Stückchen Platz machen und einen freundlichen Gruß.“

Die Sprachenwerkstatt

Im Klassenzimmer standen heute Stühle im Kreis. An der Tafel hatte Frau Klee mit bunter Kreide Wörter geschrieben: Hallo, Bonjour, Merhaba, Jambo, Zdravo, Salam, Cześć, Ni hao. Daneben malte sie kleine Sonnen. „Willkommen in unserer Sprachenwerkstatt“, sagte sie. „Heute bauen wir Brücken aus Wörtern. Jede und jeder sagt auf seine Art ‚Guten Tag‘ und erzählt, wie sich das anfühlt.“

Ein schmaler Junge mit dunklen Augen hob zögerlich die Hand. „Ich bin Sami“, sagte er, „ich bin seit zwei Wochen hier.“ Er lächelte, ein kleines, unsicheres Lächeln. „Bei uns sagt man Salam. Das heißt Frieden. Wenn ich es höre, wird es in mir warm.“

Linda neben Lina sagte „Cześć“, und lachte, weil es ein bisschen wie Niesen klang. Fatma sagte „Merhaba“ und malte dazu einen Halbmond in die Luft. Lina probierte jedes Wort nach, als wären es bunte Bonbons. Ihr Bauch wurde leichter. Die graue Wolke rutschte ein Stück zur Seite.

„Und jetzt“, erklärte Frau Klee, „zeichnen wir in Gruppen eine Karte der Hoffnungen. Kein Atlas, keine Grenzen wie strenge Linien, sondern ein Bild von dem, was wir uns wünschen. Welche Orte leuchten für euch? Wer möchte zusammenarbeiten?“

Lina sah zu Sami hinüber. Er sah zurück, noch immer vorsichtig. „Wollen wir?“, fragte sie. Er nickte. Sie bekamen ein großes Packpapier, Filzstifte, Klebepunkte in Pastellfarben.

„Was ist für dich ein Hoffnungsort?“, fragte Lina, während sie das Blatt glattstrich.

„Der Hof vor unserem Haus, wo mein kleiner Bruder Seifenblasen jagt“, sagte Sami. „Und du?“

„Die Bank unter unseren Birken, wenn unsere Nachbarin aus Polen Kuchen bringt und alle teilen.“ Lina zeichnete eine Bank, daneben zwei Bäume, und über die Bank kleine runde Seifenblasen. „Hallo anders lernen ist irgendwie wie Seifenblasen“, murmelte sie, „sie schweben rüber und machen alles leichter.“

Sami lächelte breiter. „Ja“, sagte er, „und sie platzen nicht, wenn man gut aufpasst.“

Die Karte der Hoffnungen

Die Klasse summte wie ein leises Bienenvolk. Gruppen zeichneten Küchen mit langen Tischen, Hinterhöfe mit Kreidebildern, Spielplätze mit geschwungenen Rutschen, Bibliotheken mit offenen Türen. Lina und Sami malten kleine Häuser, Wege, die nicht gerade sein mussten, und setzten Klebepunkte wie Lichter. Über das Blatt spannten sie weiche Bögen, wie flache Brücken. „Jede Farbe ein Gruß“, beschloss Lina. Rosa war für „Guten Morgen“, hellblau für „Bonjour“, gelb für „Jambo“.

„Und hier“, sagte Sami, „können wir mein altes Zuhause malen. Es ist weit weg.“ Er zeigte eine Ecke des Blattes. „Ich komme aus…“ Er stockte, und seine Stimme wurde leiser. „Aus einem Land, das die meisten nicht kennen.“

Lina nickte eifrig. Sie holte den Globus aus der Fensterbank, ließ ihn einmal langsam drehen und hielt ihn an. „Hier?“, fragte sie und tippte mit dem Finger. Ein paar Kinder blieben stehen und schauten mit.

„Nein“, sagte Sami vorsichtig. „Ein bisschen weiter südlich.“

„Ach so!“ Lina verschob den Finger. „Dann da!“

„Fast“, sagte Sami, und nun schielte auch Mira dazu. „Das ist schon ein anderes Land.“

„Das ist doch egal“, mischte sich Tom ein, „Hauptsache irgendwo da, ist doch alles ähnlich.“ Er lachte, nicht böse, aber ungenau. Samis Lächeln erlosch, als hätte jemand eine kleine Kerze zu schnell ausgepustet.

In Linas Bauch wackelte die Wolke. „Es ist nicht egal“, sagte sie zaghaft. „Für Sami ist es wichtig, wo sein Zuhause ist.“

„Genau“, sagte Frau Klee, die dazugetreten war. Ihre Stimme war ruhig wie der See im Park. „Manchmal beginnen große Streitereien mit kleinen Sätzen, die zu grob sind. Karten erzählen Geschichten, und jede Geschichte hat Namen, die zählen.“

Sie holte eine große Weltkarte, nicht mit harten Grenzen, sondern mit weichen Farben. „Schaut“, sagte sie, „hier sind Länder, aber auch Flüsse, Berge, Wege. Manchmal verwechseln wir etwas. Das ist kein Unglück. Wichtig ist, dass wir nachfragen.“

Sami atmete aus. „Hier“, sagte er, und seine Finger zitterten ein wenig, „hier ist mein Land.“ Er nannte den Namen. Ein paar Kinder wiederholten ihn, tasteten das Wort wie ein neues „Hallo“.

„Dann zeichnen wir es an die richtige Stelle“, schlug Lina vor. „Und bauen eine Brücke rüber zu unserem Schulhof.“

Missverständnisse und Brücken

Die Stimmung im Raum wurde wieder warm, aber das Missverständnis hatte Spuren hinterlassen wie eine kleine Welle, die nachläuft. „Warum haben Länder überhaupt Linien?“, fragte Fatma leise. „Sind die wie Mauern?“

„Manchmal fühlen sie sich so an“, sagte Frau Klee. „Aber wir hier im Raum können entscheiden, wie wir damit umgehen. Wir können Linien als Wege sehen, an denen man sich trifft. Dafür gibt es Wörter wie ‚Salam‘, ‚Merhaba‘, ‚Cześć‘ und ‚Hallo‘.“

Tom trat zu Sami. „Tut mir leid“, murmelte er. „Ich hab einfach so geredet, als wäre es nicht wichtig.“ Sami nickte. „Ist okay“, sagte er, „es ist neu für mich, und für dich auch. Wir können fragen, bevor wir raten.“

Um die Kartenverwirrung zu lösen, schlug Frau Klee ein Spiel vor. „Wir stellen uns in zwei Reihen gegenüber“, sagte sie, „die Grenze ist zwischen euch, nur ein Seil auf dem Boden. Ihr geht nacheinander aufeinander zu, bleibt kurz am Seil stehen, sagt ‚Hallo‘ in einer Sprache eurer Wahl und stellt eine freundliche Frage. Dann macht ihr einen Schritt, als würdet ihr über eine Brücke gehen.“

Lina stand Sami gegenüber. Das Seil lag wie ein ruhiger Bach zwischen ihnen. „Bonjour, Sami“, sagte sie und beugte sich ein wenig vor. „Was wünschst du dir für unsere Karte?“

„Salam, Lina“, erwiderte er, und seine Augen wurden wieder heller. „Ich wünsche mir eine Schule, in der niemand lacht, wenn er ein Wort noch nicht kennt.“

„Das wünsche ich mir auch“, sagte Lina. Hinter ihnen sagte Mira „Jambo“ zu Fatma und erkundigte sich nach ihrem Lieblingslied. Tom sagte „Merhaba“ zu Jonas und fragte nach dem besten Versteck auf dem Schulhof.

Als alle einmal über das Seil getreten waren, malten sie die Brücke auf der Karte breiter und stellten kleine Papier-Tauben darauf, die sie aus Notizzetteln gefaltet hatten. „Die Tauben tragen unsere Grüße“, meinte Lina, und plötzlich war ihr die Sache mit der fernen Angst weniger groß. Sie war beschäftigt damit, Lichtflecken zu kleben, Fragen zu stellen und Antworten zu sammeln, wie gläserne Murmeln, die man in die Tasche steckt.

Vor der Pause setzte sich Lina zu Frau Klee. „Manchmal habe ich Angst vor großen Streitigkeiten“, gestand sie. „So großen, dass man sie im Fernsehen zeigt.“

„Danke, dass du mir das sagst“, antwortete Frau Klee. „Angst ist wie Nebel. Man sieht nicht weit. Aber Nebel löst sich auf, wenn man zusammen geht, langsam, Schritt für Schritt. Und wenn du sie spürst, komm zu mir, zu Oma, zu jemandem, dem du vertraust. Worte sind wie Laternen.“

Lina nickte. Die Laterne brannte in ihr als ein leises, stabiles Licht.

Ein Kreis und leuchtende Punkte

Am Nachmittag hängten sie die Karte der Hoffnungen im Flur auf, dort, wo alle sie sehen konnten. Das braune Papier war nun bunt wie ein Sommerabend: Bänke unter Bäumen, Küchen mit aufgeschobenen Fenstern, Spielplätze, Bibliotheken, und dazwischen weiche Brücken, Tauben und Lichterpunkte in Pastell. Über dem Weg zwischen Samis Land und der Schule stand in Kinderhandschrift: „Hallo ist der erste Schritt.“

Bevor der Gong läutete, saßen alle im Kreis. „Wir machen eine Schlussrunde“, sagte Frau Klee. „Jede und jeder sagt, was heute wichtig war und wie es sich anfühlt.“

Mira begann: „Ich habe gelernt, dass ein falscher Punkt auf der Karte nicht schlimm ist, wenn man fragen kann.“ Tom sagte: „Ich habe gemerkt, dass Wörter Türen öffnen. Man darf stolpern.“ Fatma meinte: „Ich mag, wie ‚Merhaba‘ klingt, als würde man Platz machen.“ Jonas ergänzte: „Brücken sind besser als Zäune.“

Sami sah in die Runde. „Ich habe heute gehört, wie ihr meinen Ländernamen gesagt habt“, sagte er, „und es war, als hätte jemand ein Fenster in meinem Bauch aufgemacht. Ich fühle mich gesehen.“

Lina spürte ihre Stimme ruhig werden. „Ich hatte heute Morgen eine graue Wolke in mir“, sagte sie, „aber jetzt habe ich viele kleine Lichter. Ich weiß, dass ich fragen kann, wenn ich unsicher bin. Und ich weiß, dass ‚Salam‘ Frieden heißt. Ich will Worte sammeln wie bunte Steine, damit ich Brücken bauen kann, wenn es irgendwo knirscht.“

„Danke“, sagte Frau Klee. „Dann fassen wir zusammen: Wir haben Hallo auf viele Arten gesagt. Wir haben gefragt, statt zu raten. Wir haben erkannt, dass Grenzen Orte zum Treffen sein können, wenn wir sie so sehen. Wir haben eine Karte gezeichnet, auf der Hoffnungen leuchten, nicht Streit. Und wir haben gemerkt, dass jede und jeder eine Geschichte hat, die gehört werden will.“

Auf dem Heimweg blieb Lina noch einmal vor der Karte stehen. Die Klebepunkte glänzten im Nachmittagslicht, als wären es kleine Sterne. Sie dachte an Oma, an den Tee, an das Fenster im Bauch, das Sami erwähnt hatte. Vielleicht, überlegte sie, konnte man in sich selbst ein Fenster offen lassen, damit Licht hinein- und hinausfiel.

Zuhause setzte sie sich zu Oma und erzählte alles, vom Seil auf dem Boden bis zu den Papier-Tauben. „Ich hatte Angst“, sagte sie, „aber dann haben wir geredet, gefragt, gelacht und gezeichnet. Und am Ende war es ruhig.“

Oma nickte zufrieden. „So fängt Frieden an“, sagte sie. „Nicht in den großen Räumen, die im Fernsehen zu sehen sind, sondern hier, zwischen uns. Ein Hallo. Eine Frage. Ein Ohr, das zuhört.“

Als Lina später im Bett lag, schaukelte der Baumschatten wieder über die Decke, doch diesmal war die graue Wolke sehr klein. In ihrem Kopf zogen helle Brücken, leise wie Federstriche. Sie stellte sich vor, wie die Wörter, die sie gelernt hatte, wie kleine Tauben auf der Fensterbank saßen und warteten, loszufliegen. „Bonjour“, flüsterte sie. „Salam. Merhaba. Hallo.“ Ihre Augen fielen zu, und die Karte der Hoffnungen leuchtete noch lange in ihrem Traum, ein friedlicher Plan, der jeden Tag wachsen konnte, Schritt für Schritt, Wort für Wort.

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Missverständnisse
Wenn man etwas falsch versteht oder interpretiert.
Hoffnungen
Wünsche oder Erwartungen, dass etwas Gutes passiert.
Mauern
Dicke Wände, die Menschen oder Dinge voneinander trennen.
Seifenblasen
Luftblasen, die aus einer dünnen Seifenhaut bestehen und leicht zerplatzen.
Brücken
Konstruktionen, die über Wasser oder andere Hindernisse führen, um einen Weg zu schaffen.
Wörter
Die kleinsten Bausteine einer Sprache, die wir benutzen, um zu sprechen oder zu schreiben.

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