Teil 1
Ben ist sechs. Ben hat Locken wie kleine Spiralen. Ben hat große Augen, die immer nach rechts und links gucken. Alles ist spannend. Die Socke auf dem Stuhl ist spannend. Der Wackelstuhl ist spannend. Selbst der Mond ist spannend, wenn er schielt.
Heute will Ben ein Abenteuer im Zimmer. Nicht laut. Leise. Ein Abenteuer vor dem Schlafen. Er schleicht auf Zehenspitzen. Seine Füße fühlen sich wie Watte an. Seine Hände sind Forscherhände. Er untersucht die Bücher. Er untersucht die Kissen. Er untersucht den Staubkrokodil unter dem Bett. Das Staubkrokodil ist sehr faul. Es schnarcht kaum.
Ben hat eine Idee. Eine große, runde Idee. Er baut eine Rakete aus einer Bettdecke. Die Rakete ist weich. Sie ist blau. Sie hat ein Fenster aus einem Kissen. Ben klettert hinein. Die Rakete ruckelt. Die Rakete fliegt nicht weg, aber das ist okay. Es ist ein Bodenflug. Ein Zimmerflug.
Ben zähmt die Wolken aus Kuscheltieren. Der Kuschel-Elefant ist Pilot. Die Katze ohne Namen ist Navigatorin. Alle nicken ernst. Ben macht das Startgeräusch. "Wuuuuuusch!" sagt er in Gedanken. Die Rakete hoppelt zur Fensterbank. Draußen winkt der Mond. Er sieht freundlich aus. So beginnt das Abenteuer.
Teil 2
Die Rakete landet sanft im Land der Socken. Im Land der Socken ist alles weich und bunt. Hier wohnen vergessene Socken mit Geschichten. Eine Socke mit Punkten erzählt, dass sie gestern ein Ballon war. Eine Socke mit Streifen sagt, dass sie ein Segel war. Ben lacht leise. Die Socken kichern zurück. Kichern ist ihre Sprache.
Ben hat ein Problem. Er hat einen zappelnden Störenfried. Das Störenfried ist sein Zahn. Er wackelt noch ein Stück. Manchmal denkt Ben, der Zahn will eine Party feiern. Er kitzelt ihn. Er sagt: „Nicht heute, Zahn. Nicht heute.“ Der Zahn wackelt weiter. Ben legt die Hand auf die Raketenwand. Die Hand fühlt sich mutig an.
Im Land der Socken trifft Ben einen Sockenhund. Der Sockenhund bellt nicht. Er quietscht. Er hat eine Brille aus Papier. Er ist sehr klug. Der Sockenhund zeigt Ben eine Karte. Auf der Karte ist ein Weg aus Gummibärchen. Der Weg führt zum Zubehörrucksack. Der Zubehörrucksack hat kleine Lösungen für große Fragen. Ben folgt dem Weg. Er nimmt ein Gummibärchen. Es schmeckt nach Mut. Ben schließt die Augen. Er schmeckt auch ein kleines bisschen nach Karotte. Das ist lustig.
Unterwegs findet Ben eine Lupe. Die Lupe ist riesig für seine Hand. Durch die Lupe sieht alles wie Miniaturwelt. Er entdeckt winzige Sterne, die in einer Keksdose wohnen. Die Sterne sind freundlich. Sie blinken im Takt seines Herzschlags. Ben staunt. Seine Neugier hüpft. Höher. Höher.
Teil 3
Der Weg endet an einem Lachen. Das Lachen ist weich wie Wattebonbons. Ben kichert mit. Er hat nun drei Ideen. Idee eins: den Zahn schütteln. Idee zwei: einen Zahnputz-Zauber. Idee drei: ein Schlaflied für den Zahn. Ben wählt die Zauberidee. Er holt aus dem Zubehörrucksack eine winzige Zahnbürste aus einem Strohhalm. Sie ist bunt und kitzelig.
Ben putzt den Zahn. Er summt eine Melodie. Die Melodie klingt wie ein Pinsel, der tanzt. Der Zahn hört zu. Er wackelt weniger. Die Socken applaudieren mit ihren Fersen. Der Sockenhund macht einen kleinen Freudentanz. Die Rakete klappert vor Freude. Alles ist fröhlich.
Plötzlich fällt ein kleiner Stern aus der Keksdose. Der Stern rollt über den Boden wie ein Käse. Er ruft: "Hilfe, ich bin klebrig!" Ben hebt den Stern auf. Er ist warm. Er ist schwer wie ein Pfannkuchen. Ben denkt an Pfannkuchen. Er lächelt. Dann hat er wieder eine Idee. Er baut ein kleines Bett aus einem Schuhkarton. Er legt den Stern hinein. Er deckt ihn zu mit einer Socke. Der Stern seufzt zufrieden. Er blinkt nun ruhig. Ben fühlt sich sehr wichtig.
Auf dem Rückweg zur Rakete begegnet Ben einem Regenbogen, der wie ein Schaukelseil hängt. Er schaukelt kurz. Die Schaukel macht "Wipp-wapp". Ben lacht leise. Sein Herz macht "Puff". Seine Augen blinken wie die Sterne. Die Rakete wartet. Der Mond klatscht mit einem Wolkenhandtuch.
Teil 4
Die Rückreise ist gemütlich. Die Rakete rollt wie eine Nuss. Ben ist müde. Seine Augen werden klebrig. Nicht von Tränen. Von Schlaf. Die Rakete fährt durch das Kissenmeer. Kleine Kissenfische schwimmen vorbei. Sie pusten Blasen, die nach Vanille riechen. Ben atmet die Vanille ein. Sein Atem wird langsam. Langsam wie Honig.
Zuhause wartet sein Bett, warm wie eine Suppe. Ben klettert hinaus aus der Rakete. Die Rakete klopft zum Abschied. Die Socken winken. Der Sockenhund macht einen letzten Quietscher.
Ben hat noch eine Aufgabe. Er muss seinen Lieblingskuscheltier, seinen Doudou, gut zurechtrücken. Doudou heißt Schnuff. Schnuff ist eine kleine Eule aus Stoff. Schnuff hat eine Nase wie ein Knopf und Augen, die schon viel geseufzt haben. Schnuff ist mutig. Schnuff mag Gute-Nacht-Geschichten und Kartoffelpüree. Heute war Schnuff Reiseführer in der Rakete. Schnuff ist stolz.
Ben steckt Schnuff unter das Kinn. Er legt die Decke wie eine kleine Hängematte über Schnuff. Er macht ein Kichern, das sich in ein Murmeln verwandelt. "Gute Nacht, Schnuff", denkt Ben. Er zieht das Kuschelhändchen dicht an sich. Schnuff schnurrt fast. Nicht wirklich. Es ist eher ein Stoffseufzer.
Ben legt sich hin. Er fühlt den Herzschlag von Schnuff. Er fühlt seinen eigenen Herzschlag. Sie klingen wie zwei Trommeln, die sagen: Alles ist gut. Alles ist sicher. Die Rakete schläft. Die Socken schlafen. Der Mond passt auf. Das Staubkrokodil hat einen kleinen Traum. Kein Schnarchen mehr.
Ben denkt an sein Abenteuer. Er denkt an die Socken, an den Stern und an den Zahn. Neugier macht ihn stolz. Neugier ist warm. Sie ist wie eine kleine Laterne in der Brust. Sie leuchtet still. Sie sagt: Morgen gibt es wieder etwas Neues.
Seine Augen werden kleiner. Die Sätze werden länger und leiser, wie Wellen. Ben denkt nicht mehr an die Rakete. Er denkt nicht mehr an den Sockenhund. Er denkt nur noch an Schnuff. Schnuff ist gut platziert. Schnuff ist gut gezähmt. Schnuff hat die Decke wie ein Segel.
Ben atmet ein. Er atmet aus. Die Atmung wird weich. Puh. Die letzten Buchstaben des Tages schlafen ein. Die letzte Lampe in seinem Zimmer macht "tschüss" und dimmt. Der Mond flüstert ein Lied, ganz leise, fast nur eine Brise.
Ben schläft. Schnuff ist gut gekuschelt. Schnuff ist gut calé. Der Zahn ruht nicht mehr. Er bleibt still. Ben träumt von kleinen Raketen, die aus Decken gebaut sind. Er träumt von Sockenpartys und Sternen, die in Keksdosen wohnen.
Die Welt ist ruhig. Die Neugier bleibt als warmes Licht. Morgen wird Ben wieder auf Entdeckung gehen. Aber jetzt ist Schlafzeit. Jetzt ist Ruh. Jetzt ist Schnuff ganz nah. Jetzt ist Schnuff gut und sicher in seinen Armen. Jetzt ist Schlaf.