Der bunte Morgen
Bunte Bänder hingen in den Straßen. Trommeln klopften wie kleine Herzen. Konfetti funkelte in der Sonne. Lina zog ihr Glitzerkleid an. Ben setzte seine Löwenmaske auf. Mia band bunte Schleifen in die Haare. Jonas trug ein blaues Tuch wie ein Superheld. Alle vier lachten. Heute war Karneval!
„Los!“, rief Lina. „Musik, Tanz und Zuckerwatte!“
„Und Timo?“, fragte Ben plötzlich. Er guckte ängstlich in die Menschenmenge.
Timo war ihr Freund. Er liebte Karneval sehr. Er mochte die Trommeln, den Zucker und die Luftballons. Doch jetzt war er nicht da.
„Wir finden Timo!“, flüsterte Mia fest.
„Wir finden Timo!“, wiederholte Jonas stolz.
Die Kinder hielten Händchen. Die Straße war ein Meer aus Farben. Masken lächelten. Hüte wippten. Die Suche begann.
Die Suche durch das Fest
Zuerst gingen sie zum Musikwagen. Trommler spielten schnell. Ein Clown jonglierte mit bunten Bällen. „Habt ihr einen Jungen mit roter Mütze gesehen?“, fragte Lina.
„Vielleicht bei den Trommeln!“, rief der Trommler. Er trommelte eine kleine Melodie, die die Kinder mitklatschten. Doch Timo war nicht an den Trommeln.
Weiter ging es zur Zuckerwattebude. Zuckersüßer Duft stieg in die Luft. Ben schnupperte. „Timo liebt Zuckerwatte!“, sagte er hoffnungsvoll.
„Zuckerwatte, Zuckerwatte, wer hat Zuckerwatte?“, sang Mia und lachte.
Die Verkäuferin schüttelte den Kopf. „Er war hier nicht. Aber schau mal, hinter dem Wagen tanzen die Seifenblasen!“
Die Kinder rannten. Seifenblasen glitzerten wie kleine Planeten. Ein kleiner Hund mit einer Maske bellte und rannte fröhlich durch die Blasen. Jonas folgte dem Hund – und fand statt Timo nur eine verlorene Luftballonfigur. „Vielleicht dort drüben!“, rief er und zeigte auf einen Hügel.
Auf dem Hügel waren Kinder mit bunten Laternen. Eine Dame verteilte Karnevalslieder. Die Musik war warm wie Honig. Lina stupste Ben an. „Siehst du die rote Mütze?“, flüsterte sie.
Ben schüttelte den Kopf. „Nicht hier.“
Plötzlich rief jemand: „Hilfe!“
Die Stimme kam aus einer kleinen Gasse. Alle vier rannten hin. In der Gasse stand ein kleiner Marionettenstand. Die Marionette tanzte ohne Puppenspieler. Neben dem Stand saß ein Junge mit einer roten Mütze. Er sah traurig aus.
„Timo?“, fragte Mia leise.
Der Junge blickte auf. Seine Augen leuchteten. „Ja. Ich habe meinen Ball verloren und dann keine Lust gehabt. Ich habe mich versteckt. Ich wollte nicht weinen.“ Seine Stimme war klein.
Die Kinder umarmten ihn sofort. „Wir haben dich gesucht!“, riefen sie. „Wir finden Timo!“
Timo lächelte zaghaft. Die Marionette winkte, als wollte sie sagen: Willkommen zurück!
Doch die Überraschung war noch nicht vorbei. Ein Windstoß riss eine Reihe von Ballons los. Sie flogen über die Dächer. Timo sah nach oben mit großen Augen. „Mein Lieblingsballon!“
„Komm, wir holen ihn!“, sagte Jonas. Und schon gab es wieder ein Abenteuer.
Die große Umarmung und der Abschied
Die Kinder sprangen über kleine Pfützen. Sie lachten und sangen. „Hui, Hui, wir laufen los!“, sang Lina wie ein Fähnchen im Wind. Ein älterer Mann mit einer Trompete half ihnen, und seine Melodie machte die Suche leichter. Die Trompete führte sie bis zum großen Brunnen.
Dort hingen die Ballons in den Zweigen eines Baumes. Ein paar Vögel kicherten. Ben kletterte nicht ganz hoch, aber gut genug, um Timo seinen Ballon zu reichen. Timo nahm ihn und umarmte seine Freunde. Konfetti regnete von einem vorbeifahrenden Wagen. Es knisterte wie kleine Sternschnuppen.
„Danke“, flüsterte Timo. Seine Augen waren wieder froh. Die Kinder setzten sich am Brunnenrand. Sie aßen Zuckerwatte, teilten Kuchen, tanzten zu einer fröhlichen Melodie und erzählten von ihren kleinen Mutproben. Der Clown machte Luftballontiere. Jonas bekam einen Hund, Mia ein Schmetterling, Ben ein Herz, Lina eine Krone. Timo hielt seinen Ballon fest.
Die Musik wurde lauter. Alle tanzten Hand in Hand. Die Stadt war ein Karnevalsbild. Menschen lachten, Kinder hüpften. Die vier Freunde stellten sich nebeneinander. Sie hatten Timo gefunden, weil sie zusammengehalten hatten. Sie hatten Mut gezeigt. Sie hatten gelacht.
Zum Schluss winkten sie in die Menge. „Bis bald!“, riefen sie. Timo winkte zurück mit seinem Ballon. Die Sonne malte Goldstreifen in ihre Haare.
Sie gaben einander einen großen, warmen Abschiedskuss auf die Wange. Dann machten sie etwas Besonderes: Sie verneigten sich leicht und legten die Hände aufs Herz. Ein kleiner, fröhlicher Gruß. Ein Geheimzeichen zwischen Freunden.
„Tschüss, Timo!“, riefen sie im Chor.
„Tschüss!“, antwortete Timo und winkte mit einem großen Lächeln.
Die Trommeln spielten weiter. Die Bänder tanzten noch lange am Himmel. Die vier Kinder gingen zusammen nach Hause, ihre Schritte leicht wie Federn. Sie sangen noch eine kleine Melodie: „Wir finden Freunde, wir halten sie fest, wir lachen, wir teilen, wir winken zum Rest.“ Drei kleine Wiederholungen, wie ein Zauber: Wir finden Timo! Wir finden Timo! Wir finden Timo!
Am Ende blieb die Wärme der Umarmung. Und der freundliche Abschied war wie ein Sonnenstrahl: kurz, lichtvoll und voller Liebe. Alle winkten fröhlich und sagten leise: Tschüss, und bis bald!