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Afrikanisches Märchen 9/10 Jahre Lesen 14 min.

Aminas Versprechen: Das Feld, die Oase und der listige Schatten

Amina kämpft mit Ausdauer und Verantwortung darum, ihr Feld gegen Hitze, Ziegen und verlockende Angebote zu schützen, und sucht gemeinsam mit ihrer Familie und Nachbarn Wege, die Samen zu bewahren und Wasser zu finden.

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Amina, eine lächelnde aber konzentrierte erwachsene Frau mit erdverschmutzten Händen in einem ocker-grünen Waxkleid, kniet und sät sorgfältig Samen in frisch gezogenen Reihen, sie hält ihre Hacke „Kleine Löwin“; links im Hintergrund steht der etwa zehnjährige Kofi mit kurzem Haar, schlichtem T‑Shirt und einem kleinen Stoffball, hinter Amina steht die etwa 60-jährige Tante Binta mit sanften Falten, braunem Wickelrock und Schaal und hält ein kleines Bündel trockener Blätter zum Mulchen; der Ort ist ein kleines Feld aus festgetretener roter Erde, umgeben von Palmen und hohem Gras, rechts ist ein Strohdach einer Hütte sichtbar, der warme gelb-rosige Morgenhimmel, ein Weg führt zu einer fernen Oase, die frisch umgegrabene dunkle Erde, aufliegende trockene Blätter als Mulch und ein weiches Aquarelllicht heben Staub und Wassertropfen in der Luft hervor. Melden Sie ein Problem mit diesem Bild

Kapitel 1: Unter dem Strohdach, wo die Stimmen wohnen

Hört zu, hört zu, Kinder mit wachen Augen und Ohren wie kleine Trommeln. In einem Dorf, das zwischen roter Erde und hohen Gräsern lag, stand ein Strohunterschlupf. Sein Dach war wie ein großer, goldener Hut, und darunter war es kühl wie im Schatten eines alten Baobabs.

Dort saß Amina, eine Frau mit sanfter Aufmerksamkeit. Ihre Augen waren ruhig, aber sie sahen alles: den Staub, der sich auf einen Kürbis setzte, die Ameisen, die eine Brotkrume trugen, und die Wolken, die wie Schafe über den Himmel zogen. Wenn jemand sprach, hörte sie nicht nur die Worte, sondern auch das Zittern dahinter, wie man eine Saite hört, bevor sie klingt.

Amina hatte ein Ziel, so klar wie Wasser in einer Kalebasse: Sie wollte ein Feld bestellen. Nicht nur ein kleines Beet, nein—ein Feld, das genug Hirse und Bohnen tragen würde, damit ihre Familie satt wurde und noch etwas übrig blieb für Gäste, für Nachbarn, für die, die anklopfen, wenn die Nacht schwer ist.

Unter dem Strohdach lag ihre Hacke. Sie nannte sie „Kleine Löwin“, weil sie hart in die Erde biss. Und neben der Hacke lag ein Säckchen Samen. Die Samen waren klein, aber Amina wusste: In jedem Samenkorn schläft ein Lied. Man muss es nur wecken.

Da kam ihre Tante Binta, die älter war als manche Geschichte, und setzte sich neben sie. „Amina“, sagte sie, „die Erde ist wie ein Kind. Sie will Hände, die bleiben. Heute hacken, morgen vergessen—das macht die Erde traurig.“

Amina nickte. „Ich werde bleiben“, sagte sie leise. „Ich werde das Feld hüten wie ein Feuer.“

Und der Wind, der durch das Stroh strich, flüsterte: Bleiben. Bleiben. Bleiben.

Kapitel 2: Die Erde, die prüft

Am nächsten Morgen stand die Sonne auf wie eine große, runde Trommel am Himmel. Amina ging hinaus, und die rote Erde klebte an ihren Füßen wie ein freundlicher Hund. Sie hob die „Kleine Löwin“ und begann zu arbeiten.

Hack—hack—hack. Der Rhythmus war wie ein Lied, das man mit den Armen singt. Die Erde öffnete sich, erst zögerlich, dann bereitwillig. Amina arbeitete Reihen, schöne Reihen, gerade wie die Spuren eines Webkamms.

Doch bevor der Vormittag alt wurde, kamen die Prüfungen. Erst war es die Hitze. Sie legte sich auf Aminas Schultern wie ein warmer Sack Hirse. Dann kamen Ziegen aus dem Nachbardorf, frech wie Jungen, die heimlich Mango stehlen. Sie schnupperten an den frisch gelockerten Stellen und wollten mit ihren Hufen alles durcheinander tanzen.

Amina stellte sich ihnen in den Weg. „He, ihr Spaziergänger mit Hörnern!“, rief sie, und ihre Stimme war freundlich, aber fest. „Dies ist kein Festplatz. Dies ist ein Feld.“

Die Ziegen schauten, als hätten sie plötzlich verstanden, dass auch eine sanfte Frau ein starkes Nein haben kann. Amina holte ein paar Palmzweige und steckte sie als Zaun in die Erde. Nicht hoch, nicht prahlerisch—aber klar.

Später kam ihr jüngerer Bruder Kofi mit einem breiten Grinsen. „Amina“, sagte er, „komm! Am Fluss gibt es heute ein Rennen mit kleinen Booten. Alle lachen. Alle rufen. Deine Hacke kann warten.“

Amina wischte sich den Schweiß von der Stirn. In ihrem Herzen hüpfte ein kleiner Wunsch wie ein Frosch: Rennen sehen! Lachen hören! Aber sie sah ihr Feld. Es lag da wie ein unfertiger Korb, der noch geflochten werden musste.

„Kofi“, sagte sie, „der Fluss läuft jeden Tag. Aber wenn ich heute nicht arbeite, wird mein Feld morgen nicht danken. Ich komme später, wenn die Reihen fertig sind.“

Kofi zog eine Schnute, so lang wie ein Okra. „Du bist immer so… verantwortlich.“

Amina lächelte. „Verantwortung ist kein Stein am Fuß“, sagte sie. „Sie ist ein Stock in der Hand. Mit ihr komme ich weiter.“

Und sie hackte weiter: hack—hack—hack, bis die Sonne langsam müde wurde.

Kapitel 3: Der Samen und das Versprechen

Als der Nachmittag kam, trug Amina Wasser in einer Kalebasse. Das Wasser gluckerte wie ein kleines Tier, das erzählen möchte. Unter dem Strohdach setzte sie sich kurz, um zu atmen. Der Schatten war eine weiche Decke. Dort wartete Tante Binta mit einem Bündel trockener Blätter.

„Warum diese Blätter?“, fragte Amina.

„Mulch“, sagte Tante Binta und zwinkerte. „Ein Wort, das klingt wie ein Niesen, aber es ist eine Umarmung für die Erde. Die Sonne sticht, der Wind stiehlt—doch die Blätter sagen: Nein, hier bleibt die Feuchtigkeit.“

Amina lachte. „Mulch“, wiederholte sie. „Muuulch.“ Es klang wirklich wie ein Kitzeln in der Nase.

Sie gingen zusammen zum Feld. Amina legte die Samen in die Erde, Korn für Korn, als würde sie kleine Geheimnisse vergraben. Dabei sprach sie leise, denn so hatte sie es von den Alten gelernt: Worte sind wie Wasser, sie finden ihren Weg.

„Wachst“, murmelte sie, „wachst, wachst. Nicht schnell wie ein aufgeregter Hase, sondern stark wie ein geduldiger Baum.“

Dann bedeckte sie die Samen und legte die trockenen Blätter darüber. Die Erde sah plötzlich aus, als hätte sie einen Mantel bekommen.

Als sie fertig war, kamen Kinder vorbei und riefen: „Amina! Komm spielen! Wir haben einen Ball aus Stoff!“

Amina hob den Ball auf, drückte ihn und spürte seine weiche Rundung. „Spielen ist gut“, sagte sie, „aber erst gieße ich.“

Die Kinder stöhnten dramatisch, als würde die Welt untergehen. „Ohhh nein! Gießen! So langweilig!“

Amina grinste. „Wasser ist nicht langweilig. Wasser ist ein Zauberer. Es macht aus Staub Brot.“

Sie ging Reihe für Reihe und ließ das Wasser vorsichtig auf den Boden sinken. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Ihr Blick war aufmerksam wie eine Katze, die ihre Jungen zählt. Als sie fertig war, setzte sie sich zu den Kindern. Sie spielte, sie lachte, sie rannte—und dabei merkte sie: Verantwortung klaut das Lachen nicht. Sie räumt nur zuerst die Hürden weg.

In der Nacht träumte Amina. Sie sah eine Antilope aus Licht, die auf ihr Feld trat. Die Antilope sagte nichts, aber ihre Hufe hinterließen Spuren, die wie kleine Sterne glänzten. Amina wachte auf und hörte draußen den Wind. Er klang wie eine Stimme, die wiederholte: Bleiben. Bleiben. Bleiben.

Kapitel 4: Die lange Trockenheit und der listige Schatten

Tage gingen vorbei. Amina stand früh auf, wenn der Himmel noch kühl war. Sie jätete Unkraut, das sich wie freche Finger zwischen die Reihen drängeln wollte. Sie kontrollierte ihren Palmzweig-Zaun. Sie redete mit dem Feld, wie man mit einem Freund redet.

Doch dann kam die Trockenheit. Sie kam nicht mit Trommeln, nein. Sie kam leise. Die Wolken wurden dünn wie alte Stoffe. Der Wind wurde trocken und kratzte im Hals. Der Boden riss auf, als würde er durstig den Mund öffnen.

Die Leute im Dorf begannen zu flüstern. „Dieses Jahr ist schwierig“, sagten sie. „Vielleicht sollte man warten. Vielleicht sollte man aufgeben.“

Da erschien eines Abends ein Fremder am Rand des Dorfes. Er hatte einen Mantel, der im Licht schimmerte, und ein Lächeln, das sehr freundlich aussah—aber zu glatt, wie ein Stein im Fluss, auf dem man ausrutscht. Manche nannten ihn nur den „Listigen Schatten“, weil er immer dort auftauchte, wo Hoffnung wackelte.

Er setzte sich unter das Strohdach, als gehörte es ihm. „Amina“, sagte er, „du arbeitest so viel. Warum? Das Feld ist durstig. Die Sonne ist stark. Komm, verkaufe mir deine Samen. Ich gebe dir dafür schöne Münzen. Du kannst dir Süßes kaufen, bunte Stoffe, vielleicht sogar ein kleines Radio, das singt.“

Amina spürte, wie die Müdigkeit in ihren Armen nickte: Ja, ja, nimm die Münzen. Sie sah die Kinder, die manchmal nur dünnen Brei hatten. Sie sah das Feld, das noch nicht grün war. Der Schatten redete weiter, wie Honig, der zu lange in der Sonne stand.

Tante Binta räusperte sich. Es klang wie ein Trommelschlag. „Fremder“, sagte sie, „Münzen kann man zählen. Verantwortung nicht. Und wer das Feld verlässt, verlässt auch sein Morgen.“

Amina sah auf ihre Hände. Erde unter den Nägeln, kleine Kratzer, aber auch Kraft. Sie hob den Kopf. „Meine Samen sind kein Handel“, sagte sie ruhig. „Sie sind ein Versprechen. Und ich halte meine Versprechen.“

Der Listige Schatten lachte kurz, zu kurz, und stand auf. „Wie du willst“, sagte er. „Ich gehe dahin, wo Menschen schneller müde werden.“ Er glitt davon wie Rauch.

In dieser Nacht blieb Amina lange wach. Sie hörte die Zikaden, die sangen, als wollten sie die Wolken locken. Sie dachte: Verantwortung ist manchmal wie ein Krug Wasser, den man weit tragen muss. Die Arme zittern, aber wenn man ihn absetzt, ist der Durst nicht weg.

Am nächsten Morgen nahm sie zwei Eimer und ging weiter als sonst, bis zu einem weit entfernten, kleinen Brunnen. Der Weg war lang, und die Sonne kitzelte gemein. Doch Amina ging Schritt für Schritt. Ihre Aufmerksamkeit war ein Kompass.

Kapitel 5: Die Oase, die antwortet

Am dritten Tag dieses weiten Wassertragens passierte etwas. Amina bemerkte am Rand des Weges eine Spur im Sand—nicht von Ziegen, nicht von Menschen. Sie war rund und tief. „Das ist die Spur eines großen Tieres“, murmelte sie. „Und große Tiere kennen Wasser.“

Sie folgte der Spur. Nicht hastig, nicht wild. Wie im Tanz: ein Schritt, ein Blick, ein Atemzug. Die Gräser wurden höher. Die Luft wurde einen Hauch kühler, als hätte jemand ein Fenster geöffnet. Und dann hörte sie ein Geräusch, das wie ein Lachen klang: plitsch, platsch, plitsch.

Amina schob die letzten Halme zur Seite, und da war sie: eine Oase. Ein grünes Auge in der trockenen Welt. Palmen standen dort wie Wächter mit federnden Kronen. In der Mitte glitzerte Wasser, und das Licht tanzte darauf wie kleine Fische aus Silber. Vögel badeten und schimpften fröhlich, als hätten sie sich zu lange nicht gesehen.

Amina kniete am Rand und tauchte die Hand hinein. Das Wasser war kühl, und es fühlte sich an, als würde es sagen: Ich war die ganze Zeit hier. Du musstest nur zuhören.

Sie füllte ihre Eimer und lachte. Nicht laut, aber voller Freude, die im Bauch warm wird. Dann hielt sie inne. „Wenn ich dieses Wasser nur für mich nehme“, dachte sie, „dann wird es wie ein Lied, das man alleine summt. Aber wenn ich es teile, wird es ein Chor.“

Sie markierte den Weg zur Oase mit Steinen und kleinen Bündeln Gras, damit auch andere ihn finden konnten. Dann ging sie nach Hause, und jeder Schritt fühlte sich leichter an.

Im Dorf erzählte sie unter dem Strohdach, was sie gefunden hatte. Die Menschen kamen zusammen, wie Körner in einer Schale. Kofi riss die Augen auf. „Eine Oase? Echt? So richtig?“

„So richtig“, sagte Amina und tippte ihm auf die Stirn. „Nicht nur für deine Bootrennen, kleiner Mann. Für unser Feld. Für alle.“

Gemeinsam gingen sie zur Oase. Sie trugen Krüge, sie sangen, sie machten Witze über ihre müden Füße. Tante Binta sagte: „Seht ihr? Die Welt versteckt ihre Geschenke nicht vor den Fleißigen. Sie legt sie nur ein bisschen weiter weg.“

Mit dem Wasser aus der Oase gossen sie Aminas Feld. Tage später spross Grün aus der Erde, erst zart wie ein Babyhaar, dann kräftig. Die Reihen wurden zu kleinen, wogenden Straßen aus Leben. Als die Erntezeit kam, standen die Halme hoch, und die Bohnen hingen wie kleine Monde an den Pflanzen.

Amina gab den Nachbarn ab, sie gab den Kindern extra, und sie legte Vorräte an. Unter dem Strohdach saßen sie abends zusammen, und das Feuer warf tanzende Schatten an die Pfosten. Kofi sagte: „Amina, du bist nicht nur verantwortlich. Du bist auch… wie eine Trommel. Du gibst den Takt, damit alle mitkommen.“

Amina lachte. „Und du“, sagte sie, „bist wie ein Boot. Du willst immer los. Aber vergiss nicht: Auch ein Boot braucht ein Ufer.“

So blieb die Oase ein Ort des Teilens, und das Feld ein Zeichen dafür, dass sanfte Aufmerksamkeit stark sein kann. Wer Verantwortung trägt, findet Wege, auch wenn die Sonne brennt—und manchmal findet er sogar ein grünes Auge in der Wüste, das zurücklächelt.

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Das Quiz: Hast du die Geschichte gut verstanden?

Strohdach
Ein Dach, das aus getrocknetem Gras oder Stroh gemacht ist, gibt Schatten und Schutz.
Kalebasse
Eine harte, ausgetrocknete Frucht, die man als Schale oder Behälter benutzt.
Hacke
Ein Werkzeug mit langem Stiel und Metallkante, um Erde zu lockern oder zu graben.
Mulch
Trockene Blätter oder Stroh, die man auf die Erde legt, damit sie feucht bleibt.
Verantwortung
Die Pflicht, sich um etwas zu kümmern und zuverlässig zu handeln.
Oase
Ein grüner, feuchter Ort mit Wasser in einer sonst trockenen Gegend.
Zikaden
Insekten, die laut zirpen und oft im Sommer auf Bäumen sitzen.
Antilope
Ein schlankes, schnelles Tier mit Hörnern, das auf Grasland lebt.
Palmzweige
Lange Blätter von Palmen, die man zum Bauen oder als Zaun benutzt.
Zaun
Eine Linie aus Holz oder Stöcken, die etwas begrenzt oder schützt.
Vorräte
Lebensmittel oder Dinge, die man sammelt und für später aufbewahrt.

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